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Comedy | O-Ton-Charts
Von Ulf Pohlmeier
Fast 80.000 Sekunden Pannen, Dramen, Peinlichkeiten, Versprecher und Absurditäten aller Art wurden in den letzten 13 Jahren in den 1LIVE O-Ton-Charts vorgestellt. Und jeden Samstag lechzen viele tausend Hörer nach dem neusten Material aus der erfolgreichen Comedy-Rubrik.
Entstanden sind die 1LIVE O-Ton-Charts im Jahr 2000, an das genaue erste Sendedatum kann sich heute keiner mehr so ganz genau erinnern. Uli Krapp, heute stellvertretender Programmchef von 1LIVE, entwickelte gemeinsam mit den Kollegen Andreas Neuhaus und Henning Bornemann Ideen für seine Sendung "Die Krapp-Show". "Wir haben uns gesagt: Es gibt so viel geiles Zeug, das jede Woche läuft. Lasst uns das Kaputteste davon sammeln und senden", erzählt Krapp.
Für die fünf Neuvorstellungen sichten die beiden 1LIVE-Autoren Rüdiger Weidenfeld und Peter Rentergent Woche für Woche weit über 100 Stunden Fernsehmaterial. Für die Berufsglotzer ist dies ein Fulltime-Job. "Wichtig ist dabei Disziplin: Viel Fernseh gucken. Oder besser noch: Fernseh hören," so Peter Rentergent. Für die Auswahl der richtigen Töne wird nämlich ein gutes Gespür benötigt, denn die Besonderheit der 1LIVE-O-Ton-Charts besteht auch darin, dass viele Szenen ohne Bild erst richtig lustig werden. Dazu kommen natürlich immer wieder auch Töne aus dem Radio. Logisch, dass Pannen von 1LIVE-Kollegen in den O-Ton-Charts liebevoll gewürdigt werden.

Die 1LIVE-Autoren Rüdiger Weidenfeld und Peter Rentergent (von links) zusammen mit 1LIVE-Comedy-Redakteur Ulf Pohlmeier
Die Fernsehsendungen teilen sich Rüdiger und Peter auf und sprechen sich genau ab. Doppelt gucken bedeutet vergeudete Zeit und beim Ertragen der Härtefälle im Fernsehen verteilen die O-Ton-Charts-Macher die schwere Last gleichmäßig auf beide Augen und Ohren. Logisch, dass die zwei Trashverwerter der deutschen Fernsehlandschaft für jeden zusätzlichen Hörertipp äußerst dankbar sind.
Während sich Peter nach der Sichtung um die Sendeerlaubnis der jeweiligen Sender kümmert, ist Rüdiger Weidenfeld der Mann der Zahlen. Er wertet jede Woche das Voting der 1LIVE-Hörer aus, jedes Jahr die Jahres-O-Ton-Charts, und hat sich auch für die 1LIVE-O-Ton-Charts Top 100 ganz tief in die Zahlen aus mehr als zehn Jahren Peinlichkeiten und Pannen gestürzt. Deshalb weiß Rüdiger zu berichten, dass allein seit Januar 2002 genau 2.618 O-Töne als Neuvorstellungen über den Äther gegangen sind. "Wir könnten mittlerweile über 18 Stunden O-Ton-Charts am Stück senden ohne einen einzigen Ton zu wiederholen."
Obwohl es pro Woche fünf neue Kandidaten gibt, ist die Gesamtzahl übrigens nicht durch fünf teilbar. Der Grund: 2010 gab es den Ton "Schweizerische Erheiterung", mit 1'18 Minuten der längste Ton aller Zeiten in den 1LIVE O-Ton-Charts. Aufgrund dieser XXL-Länge gab es ein einziges Mal in der langen O-Ton-Charts-Geschichte nur drei Töne in den Neuvorstellungen.
Der kürzeste Ton ever hat eine Länge von 2,58 Sekunden (siehe Überschrift), der längste dauerte sage und schreibe 1'18 Minuten.
Die meisten Töne in den Top 100 steuern "Britt" auf SAT 1, "RTL Explosiv" und "Taff" auf Pro7 mit jeweils fünf Tönen bei. Als Sender liegt RTL mit einem Anteil von 20 Prozent deutlich vorne.
Den allerlängsten Atem hatte ein Ton, der insgesamt 62 Wochen lang in die 1LIVE O-Ton-Charts gewählt wurde.
351 Töne haben es (seit Beginn der Aufzeichnungen 2002) auf Platz 1 geschafft.
Aus dem gesichteten Material werden jede Woche 30 bis 40 Minuten an Tönen zusammengestellt. Aus diesen wählt 1LIVE-Comedy-Redakteur Ulf Pohlmeier gemeinsam mit den Autoren die fünf Neuvorstellungen aus. Bei der Auswahl gibt es einige klare Prinzipien: "Wir wollen echte Lustigkeiten und unfreiwillig Komisches. Deshalb werden Sendungen, die ausschließlich gescripted sind, von vornherein gar nicht erst berücksichtigt.", sagt der Humorbeauftragte von 1LIVE, "Bei vielen Formaten ist heute oft aber nur schwer zu unterscheiden, ob etwas inszeniert ist oder nicht, da muss dann unser Bauchgefühl entscheiden." So scheiden auch häufig Töne aus, die zwar extrem lustig sind, bei der Abnahme aber als nicht glaubwürdig eingestuft werden.
Die wirklichen Hits in den 1LIVE O-Ton-Charts sind manchmal auch nicht vorhersehbar. "Oft fallen Töne bei den Hörern durch, über die wir uns kaputtgelacht haben," erklärt Rüdiger Weidenfeld, "andere Töne, die wir selbst gar nicht so richtig auf der Rechnung hatten, entwickeln sich zu monatelangen Dauerbrennern, wie zum Beispiel der legendäre 'Blindflansch'." Und Peter Rentergent ergänzt, dass ihm seine Arbeit am meisten Spaß macht, wenn er beim Bäcker ein freundliches "You arse welcome" hört oder jemand auf der Straße "Hey, rock you Baby!" ruft.
"Die O-Ton-Charts sind großartige Unterhaltung," sagt Ulf Pohlmeier, "aber natürlich handelt es sich auch um eine Mediensatire, die uns und allen Kollegen den Spiegel vorhält." Und so lange das Fernsehen so ist, wie es ist, wird es für die 1LIVE O-Ton-Charts auch immer wieder Frischfleisch geben.
Stand: 30.04.2013
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