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Deutschland und die EU: Notwendiges Übel oder Teil unseres Alltags?
EUROPA
Von Christoph Ullrich
An der Europäischen Union scheiden sich die Geister: Die
einen halten sie für ein Bürokratiemonster, das
Deutschland hemmt und den Alltag schwieriger macht, für andere
ist die EU aus
dem normalen Leben nicht mehr wegzudenken und ist ein wichtiger
Teil des Lebens. 50 Jahre nach Unterzeichnung der Römischen
Verträge, der Gründungsurkunde einer europäischen
Gemeinschaft, ist die Union heute präsenter als wir
glauben.
Wie soll die Banane gekrümmt sein, welche Gemüse-Mengen dürfen die Bauern in den 27 Mitgliedstaaten produzieren und wie viel dürfen die einzelnen Länder überhaupt selber bestimmen? Die Bandbreite der Kritik ist groß, wenn es um die Europäische Union geht. Doch ein Europa ohne Staatengemeinschaft würde unseren Alltag schwerer machen als wir denken: Es wäre teurer, langweiliger und vor allem unsicherer.
"Ich würde einfach gern ein bisschen mehr mit einbezogen werden, weil mir der ganze Apparat zu groß ist", beschwert sich Sarah. Der 24-Jährigen macht die EU aufgrund ihrer Größe Angst. Daher kann sie gut auf die EU verzichten. Doch Deutschland würde ohne die Union gar nicht funktionieren: So sind zum Beispiel nach Angaben der NRW-Landesregierung ein Großteil der heutigen Jobs im Sektor von Europa abhängig. Sei es bei ganz einfachen Dienstleistungen oder dem Verkauf von Waren. Durch die geöffneten Grenzen innerhalb der EU gibt es für die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen deutlich mehr Abnehmer für ihre Produkte. Und auch was das Arbeiten im Ausland angeht, so sind sich Wirtschaftsforscher zahlreicher Forschungsinstitute sicher, haben viele Menschen in Nachbarländern, wie zum Beispiel in den Niederlanden oder Belgien, Arbeit gefunden.
Und auch sonst wäre es ohne die EU deutlich teurer, da von ihr der Wettbewerb auf dem europäischen Markt kontrolliert wird. Das heißt, wo vorher staatliche Unternehmen oder wenige Einzelfirmen mit ihren Leistungen den Markt beherrschten, versucht die EU einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. So werden Preisabsprachen von Unternehmen, wie die von Energieversorgern, bestraft oder ungerechtfertigt hohe Telefongebühren verboten. Ohne eine solche europäische Kontrolle wäre somit vieles deutlich teurer.
Für Holger fängt die EU beim Italiener um die Ecke an.
Für den 32-jährigen Holger ist die EU aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen längst Alltag. Ihm machen besonders die internationalen Begegnungen Spaß. "Das fängt beim Italiener um die Ecke an", sagt er. Tatsächlich war diese kulturelle Vielfalt auch einer der Aspekte, die bei der Unterzeichnung der Römischen Verträge und der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) im Jahr 1957 zu einem friedlichen Europa führen sollte. Zwar schafften die sechs Gründerstaaten des EU-Vorläufers nur die Binnenzölle innerhalb ihrer Grenzen ab, damit mehr Wohlstand entstehen konnte, aber so kamen zunächst Waren aus anderen Ländern nach Deutschland, die vorher keiner kannte. Mit der Abschaffung der Grenzkontrollen innerhalb der Union 1992 wurde es dann sogar viel einfacher, mal eben das Nachbarland oder ein entferntes Mitglied zu besuchen. Und durch diesen kulturellen Austausch ist es heute deutlich einfacher, sich als Europäer zu fühlen und dadurch Teil eines friedlichen Kontinentes zu sein.
Elena freut sich über EU-Studenten.
Elena spürt Europa täglich an der Uni: "Es sind so viele ausländische Studenten hier, daran merke ich Europa in meinem Alltag." Studieren im europäischen Ausland ist beliebt und auch Deutschland ist für ausländische Studenten attraktiv. Im Jahr 2005 hat der Deutsche Akademische Austausch Dienst allein 27.000 Studenten innerhalb Europas durch spezielle Austauschprogramme ein Auslandssemester ermöglicht. Daneben existieren noch zahlreiche Möglichkeiten wie Erasmus und Campus Europae, die Europa für angehende Akademiker erfahrbar macht. Gäbe es keine Europäische Union, die Förderung von Auslandssemestern innerhalb der EU wäre deutlich schwieriger und ein Stück europäischer Identität ginge verloren.
Stand: 23.03.2007
