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SCHULE
Gerade noch in den Osterferien, jetzt im Abitur: Ab Dienstag
(21.04.2009) schreiben die Abiturienten im Sektor ihre
Abschlussklausuren im dritten Zentralabitur. In den zentralen
Prüfungen bekommen dann wieder alle die gleichen Aufgaben zur
Auswahl. Und manch einer wird sich dann vielleicht fragen: Wer hat
sich das hier eigentlich ausgedacht?
Die Antwort lautet: Die Aufgabenkommission für das jeweilige Fach, eine Gruppe zwischen drei (für das Fach Chinesisch) und 13 (für Informatik) eigentlich ganz normalen Lehrern aus allen Teilen des Sektors. Sie sind von ihren Schulleitern für die Kommission vorgeschlagen und vom Schulministerium ausgewählt worden, weil sie besonders erfahren sind und auch schon in der Zeit vor dem Zentralabitur immer sehr gute Abi-Aufgaben gestellt haben. Trotzdem denken sie sich die Klausuren für den ganzen Sektor nicht allein aus: Jedes Jahr fordern die Bezirksregierungen im Sektor verschiedene Schulen auf, Vorschläge für Abi-Aufgaben zu schicken. Und die dürfen die Kommissionen dann erstmal sortieren:
"Viele Themen, die eingereicht wurden, sind vielleicht schon im Abiturverfahren gelaufen und werden dann wieder aussortiert", erklärt der Leiter der achtköpfigen Erdkunde-Kommission einen der ersten Schritte auf dem Weg zur Abi-Klausur. Er will lieber nicht mit Namen genannt werden – die Gefahr ist zu groß, dass ihm sämtliche Schüler auf die Pelle rücken, um etwas über die streng geheimen Aufgaben herauszufinden.
Verraten kann er erstmal nur so viel, dass beim Aussortieren der Aufgaben noch die im Papierkorb landen, die spezielle Lieblingsthemen von einzelnen Lehrern behandeln und Aufgaben, die ohnehin schon in vielen Lehrbüchern stehen: "Man möchte sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass man nur irgendwo was abschreibt", erklärt er, "und wir müssen sicherstellen, dass nicht ein größerer Teil von Schülergruppen genau dieses Thema schon bearbeitet hat und dann nachher sagt: Da hatten wir aber einen Riesenvorteil." Weder zu bekannt noch zu speziell darf eine gute Abi-Aufgabe sein, damit alle Schüler im Sektor die gleichen Chancen haben.
Die Aufgaben, die nach dem Aussortieren noch übrig sind, bearbeiten die acht Erdkunde-Lehrer dann zwischen den 13 Kommissionstreffen bis zum Abi einzeln weiter: Nur der Stoff darf reinkommen, der im Lehrplan steht und deshalb an allen Schulen unterrichtet worden sein müsste. Trotzdem weiß jeder Schüler: Es gibt Unterschiede zwischen verschiedenen Schulen und verschiedenen Lehrern, wenn es darum geht, was ein Schüler für welche Note leisten muss – der Lehrer am lieblich gelegenen Landgymnasium mit hoch motiviertem Erdkunde-Kurs erwartet da gerne mehr als sein Kollege an der Brennpunktschule.
"Dazwischen dann einen Ausgleich zu schaffen und zu sagen, was ist wirklich für den landesweiten Durchschnittsschüler leistbar, wie immer der aussehen mag, das ist wirklich das eigentliche Problem, an dem wir immer arbeiten", erklärt der Leiter der Kommission. Dafür gibt's bei den Kommissionstreffen in Soest "Rückmelderunden, wo wir möglichst neutral rückmelden: Wenn das jetzt die Klausur wäre, die mir vorgelegt würde, würde ich die und die Punkte nennen." Die gemeinsam genannten Punkte ergeben dann das, was alle Schüler können sollten. Das heißt: Für Schüler von anspruchsvollen Lehrern mit schwierigen Klausuren vor dem Abi könnte das Zentralabitur durchaus leichter ausfallen.
Rund ein Jahr braucht die Kommission, bis alle Erdkunde-Aufgaben fertig sind. Aber trotz aller Arbeit: Auch in Erdkunde hat es schon Pannen gegeben: Im vergangenen Jahr wurde die Jahrestonnage des Rostocker Hafens unfreiwillig von 19 Millionen auf 190 Millionen erhöht. "Da ärgert man sich ein Loch in Bauch und jeder fragt sich natürlich, wie konnte das da rein kommen und guckt in seinen Unterlagen nach, wer’s gewesen ist", erzählt der Kommissionsleiter. "Das hat sich nachher rausgestellt: Als es noch mal abgeschrieben worden ist, hat sich eine Kommastelle verrückt und das hat nachher keiner mehr gesehen – das tut weh." Man unterschätze einfach, wie betriebsblind man über Zahlenwerte hinweg lese, wenn man das Ergebnis kenne, erklärt er.
Die Schüler wurden während der Klausur auf den Fehler hingewiesen und bekamen mehr Zeit – aber vielleicht auch mehr Nervenflattern? Damit so etwas nicht mehr passiert, gibt es dieses Jahr nun eine zusätzliche Fachkommission für jedes Fach: Drei Lehrer und zwei Wissenschaftler sollen die Klausuren noch mal prüfen. Und dann sollten zumindest die Aufgaben fehlerfrei sein – in den Klausuren der Schüler finden die Lehrer sicher noch welche.
Stand: 20.04.2009
