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Von Robert Meyer
Mit dem persönlichen Facebook-Profil Geld verdienen - mit diesem Slogan werben seit einiger Zeit diverse Online-Firmen. Was sich erstmal verlockend anhört, führt schnell zu der Frage, was an einer privaten Profilseite in Social-Networks so wertvoll sein soll. Ganz einfach: Alles, was "gefällt".
Mittlerweile muss man sie mit der Lupe suchen: Webseiten, auf denen nicht irgendwo der "Gefällt mir"-Button von Facebook auftaucht. Prinzipiell können User heute fast alles "liken", was man online so findet. Die Betonung liegt auf "kann". Viele Netzinhalte bekommen zu Recht keine Facebook-Publicity ab. Was nicht gefällt, gefällt halt nicht. So verhielt es sich jedenfalls bislang.
Unternehmen wie Fanslave.com machen die "ungelikten" Internet-Präsenzen jetzt zu ihren Kunden. Sie verkaufen ihnen Facebook-Anhänger für bares Geld. 100 Fans aus der gewünschten Zielgruppe zum Beispiel sind für rund 50 Euro zu haben. Aber woher nimmt Fanslave die gewünschte Ware? Hier kommen die Facebook-Nutzer ins Spiel. Diese werden von Unternehmen einfach eingekauft. Nutzer, die sich registrieren, bekommen die Facebook-Seiten der Fanslave-Kunden vorgesetzt und werden zwischen zwei und sieben Cent für einen Klick auf den "Gefällt mir"-Button entlohnt. Wie hoch der Lohn genau ist, richtet sich angeblich danach, wie aktiv man auf seinem Profil ist. Facebook-Power-User sind also wertvoller als Gelegenheits-Surfer. Um seinen Wert als Facebook-Nutzer ermitteln zu lassen, macht Fanslave deswegen einen kompletten Scan des eigenen Profils. Die Privatsphäre wird also gleich mitgekauft.
So entstehen Social-Network-Nutzer, die sich für ein paar Euro ihr Profil mit hunderten, wahrscheinlich uninteressanten Facebook-Präsenzen vollstopfen lassen. Doch nicht jeder, der sein Interessensprofil zur überfrachteten Mietgarage machen will, kann als Fansklave Geld verdienen. Erst ab 15 zusammen-"gelikten" Euros lässt sich der Gewinn über einen Online-Bezahldienst eintreiben. Bekommt man von Fanslave nur zwei Cent pro Klick, muss man also "Fan" von 750 Seiten werden.
Facebook erlaubt laut Nutzungsbestimmungen aber nur 500 Fanseiten pro Nutzer. Geldverdienen können mit Fanslave also nur Hardcore-Facebooker, denen Fanslave mehr pro "Like" zahlt. Mit einem Durschnittsprofil wird man in die 2-Cent-Riege eingestuft. Sowieso verdient Fanslave selbst am meisten an seinem Sklaverei-Betrieb.
Facebook dürfte der Einmarsch der Fansklaven gar nicht gefallen. Das Prinzip verstößt gegen die Nutzungsbedingung des Netzwerks, mit dem eigenen Profil kein Geld zu verdienen. Nachprüfen, ob jemand echte oder gekaufte Anhängerschaften in seinen Listen pflegt, kann Facebook zwar nicht, Nutzer vom Gebrauch der "like"-Funktion sperren schon. In letzter Zeit hört man öfter von solchen Sperrungen einzelner Mitglieder, obwohl die in der Regel keine Fansklaven sind, sondern überambitionierte Foto- oder Geburtstagsgruß-"Liker".
Die gekauften Fans sorgen bei Facebook für Aufregung. Denn die Fansklaven widersetzen sich nicht nur den AGBs - sie zerstören auch die Philosophie der sozialen Netzwerke. Das Teilen von Begeisterungen aus ehrlichem Interesse oder zumindest aus Sympathie wird vom Fanslave-System komplett umgeschmissen. Wenn Facebook-Inhalte zur Währung werden, was kommt als nächstes? Werbebanner auf Profilfotos? Warum nicht? Dann könnte man zumindest direkt sehen, wer sich verkauft - und wer eigentlich niemandem gefällt.
Stand: 21.07.2011
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