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Von Tobias Zacher
Vor einem Monat hat die Staatsanwaltschaft die Seite kino.to geschlossen und 13 mutmaßliche Hintermänner festgenommen. Aber siehe da: Jetzt gibt es einen angeblichen Nachfolger unter fast gleicher Adresse: kinoX.to.
"Kino.to ist wieder da, als kinox.to". So lautet die Ankündigung auf der neuen Homepage. Auf den ersten Blick scheint das zu stimmen: Die Seite kommt im gleichen Design daher wie kino.to, auch auf kinox.to gibt es Filme und Serien per Stream anzusehen. Garniert ist der Auftritt mit einigen Seitenhieben Richtung der GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen), die die Rechte der Filmindustrie vertritt: "Denkt ihr wirklich ihr könnt uns stoppen nur weil ihr haufenweise Geld habt?" heißt es dort. Und weiter motzen die Macher: "Wir wollen euch nicht. Das Internet will euch nicht. Keiner will euch."
Auf den zweiten Blick ist das Angebot auf kinox.to aber nicht ganz so üppig wie beim prominenten Vorbild. Die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen von kino.to sind auch weiterhin in Untersuchungshaft - dass sie Seite wirklich von ihnen stammt, ist damit sehr unwahrscheinlich. Laut dem Szenekenner Lars Sobiraj, der Chefredakteur des Portal gully.com ist, sind zwei Erklärungen denkbar: "Entweder steckt jemand aus dem äußeren Zirkel von kino.to, der nicht geschnappt wurde, hinter dem angeblichen Nachfolger kinoX.to. Oder es handelt es sich schlicht um Nachahmer, die als Trittbrettfahrer versuchen, Geld zu machen."
So oder so steht fest: Kino.to ist der mit Abstand bekannteste Name in der deutschsprachigen Streaming-Szene. Wer sich als "das neue kino.to" etablieren kann, auf den wartet potenziell sehr viel Geld: Laut Staatsanwaltschaft haben die Macher von kino.to jährliche Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich gehabt. Entsprechend tobt der Konkurrenzkampf: Die Seite Video2k.tv war schon vor Wochen eine der ersten, die sich als legitimen Nachfolger von kino.to bezeichnete. Jetzt beschuldigen die Video2k.tv-Betreiber die Macher von kinox.to, ihre Datenbank mit allen Links zu den Filmen geklaut zu haben, um kinox.to aufzubauen. Eine Reaktion der kinox.to-Macher gegen diese Anschuldigung dürfte nicht lange auf sich warten lassen – der Kampf um die "offizielle" Nachfolge von kino.to, er ist voll entbrannt.
Für die Filmindustrie ist das Problem der Streaming-Seiten damit noch lange nicht gelöst. Auch andere Portale wie cine.to oder movie2k.to buhlen um ehemalige User des Seiten Wochen gesperrten Vorbilds. Die Risiken sind für die Betreiber kalkulierbar: Die Adressen sind meist in Ländern registriert, die im Falle von Urheberrechtsverletzungen nicht oder kaum kooperieren.
Die Endung .to steht für Tonga, .tv für Tuvalu. Auch die Server, auf denen die Seiten liegen, stehen in entsprechenden Ländern. Auf diese Weise lässt sich fast nie zurückverfolgen, welcher Betreiber hinter den Portalen stehen. Auch im Falle kino.to tappte die Staatsanwaltschaft drei Jahre lang im Dunkeln. Es brauchte die Hilfe ehemaliger kino.to-Mitarbeiter, um die Ermittler auf die Fährte der Seitenbetreiber zu lenken: Das Ehepaar hatte sich mit den Chefs von kino.to zerstritten und rächte sich, indem es zur Polizei ging.
Das Risiko für die Nutzer, die sich die Filme anschauen, ist wesentlich geringer als für die Betreiber der Streaming-Seiten: In Deutschland ist es derzeit noch unklar, ob der Zuschauer durch das reine Ansehen eines Film-Streams das Urheberrecht verletzt. Über diese Frage streiten selbst Rechtsexperten. Die Staatsanwaltschaft hat im Fall von kino.to zudem mitgeteilt, dass sie nicht gegen Nutzer der Seite ermitteln will. Trotzdem bewegt sich der Nutzer solcher Streaming-Seiten zumindest in einer Grauzone, in der es keine Sicherheit gibt. Ein Risiko bleibt also.
Stand: 12.07.2011
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