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Magazin | Interviews

Ein stolzer Snob

Christoph Waltz im 1LIVE-Interview

Von Tom Westerholt

Schauspieler Christoph Waltz, Rechte: dapd / Clemens Bilan

Seit über 30 Jahren ist Christoph Waltz Theater-, Fernseh- und Filmschauspieler. Seit knapp drei Jahren ist der gebürtige Wiener außerdem Oscar-Preisträger und das hat in seiner schon langen Karriere noch einmal alles verändert. Mit einem Mal ist er in Hollywood einer der gefragtesten ausländischen Schauspieler, Quentin Tarantino hat ihn in seinem neuen Film "Django Unchained" bereits zum zweiten Mal für eine ähnliche Rolle besetzt. Kritiker und Fans überhäufen den 56-Jährigen mit Lobeshymnen, für 1LIVE-Kinoexperten Tom Westerholt hat er sich die Zeit genommen, über all diesen Wahnsinn zu sprechen.

Als Christoph Waltz das Hotelzimmer betritt habe ich beinahe Mühe, ihn auf Anhieb zu erkennen. Keine Ähnlichkeit mehr mit seiner aktuellen Tarantino-Rolle des Dr. King Schultz, einem Kopfgeldjäger mit langem Haar und Vollbart. Stattdessen das Kopfhaar kurz geschoren, das Gesicht glatt rasiert, eckige, moderne Brille mit schwarzem Kunststoff-Rahmen. Christoph Waltz kann ein unbequemer Interviewpartner sein, wenn man ihm Fragen stellt, die ihn langweilen. Anders gefragt ist der Mann aber auch in der Lage, ein Antworten-Feuerwerk abzuschießen, weiß ich aus der Vergangenheit. Ich bekomme ein Lächeln und ein freundliches "Hallo" zur Begrüßung, die Laune scheint gut zu sein. Das versuche ich zu nutzen.

1LIVE: Herr Waltz, Quentin Tarantino hat mir auf die Frage, was diese besondere Magie zwischen Ihnen beiden eigentlich ausmacht, gesagt: er sei eher der Pop-Kultur Typ von Ihnen beiden, während Sie eher der Snob sind – und obendrein auch noch stolz darauf.

Waltz: Da hat er vollkommen recht. (grinst)

1LIVE: Und was macht die Zusammenarbeit aus Ihrer Sicht so fruchtbar?

Waltz: Da würde ich drauf antworten, dass unsere Zusammenarbeit deshalb so fruchtbar ist, weil ich stolz darauf bin, ein Snob zu sein und er in der Pop-Kultur so zu Hause ist (lacht). Nein wirklich, das stimmt schon, das hat er aber auch schön gesagt, finde ich. Auch wenn da sicher ein bisschen mehr dahinter steckt. Er wirft Dinge auf, die ich gerne auslote und das überlässt er mir dann. Manchmal, wenn er schreibt, berührt er einen Aspekt beinahe wie im Vorbeigehen und da liegt der interessante Punkt. Denn obwohl er das weiß, belässt er es dabei und ich darf dann da voll hineinfahren, das ist großartig.

Christoph Waltz, Rechte: imago stock & peopleBild vergrößern

"Ich bin kein Snob der unangenehmen Sorte"

1LIVE: Tarantino versteckt in seinem Western einen Teil der Nibelungen-Geschichte, indem er Jamie Foxx als Django seine Geliebte – die ja sogar "Broomhilda" heißt – gegen alle Gefahren suchen lässt. Und Sie waren derjenige, der ihn mal mit in die entsprechende Wagner-Oper genommen hat. Wie unbeschadet hat der Pop-Künstler Tarantino diese Einladung vom stolzen Snob überstanden?

Waltz: Na also, ich bin zwar ein Snob aber kein Snob dieser unangenehmen Sorte. Die einen Wildling in die Hochkultur einführen und dann beobachten, wie sich das Versuchstierchen benimmt, also bei allem was recht ist. Und wie viel von der Geschichte kommt letztendlich im Film vor? Es ist ja nur dieser Siegfried und Brunhilde Aspekt, wenn überhaupt. Und den hatte er vorher schon im Auge. Und wie wir dann im Ring waren, ist ihm dieser Aspekt noch deutlicher geworden und er hat gesagt ja, da kann man sich noch ein bisschen was borgen, was ja auch schön ist.

1LIVE: Was hat er Ihnen denn zum kulturellen Ausgleich gezeigt, nachdem Sie ihm Wagner gezeigt haben?

Waltz: Sein Drehbuch. (lacht)

1LIVE: Ein großer Vertrauensbeweis. Haben Sie sich in dieser Phase mit einbringen können?

Waltz: Dass ich das alle so früh lesen durfte heißt ja nicht, dass er diese Dialoge alleine nicht hätte schreiben können. Die fallen nur bei mir auf besonders fruchtbaren Boden, weil ich genauso denke und weil ich so viel Erfahrung am Theater habe. Das heißt, ich kann das auch vermusizieren, das ist Musik. Ich kann es phrasieren, so wie er es geschrieben hat, weil ich die Phrase verfolge und nicht etwa die Banalität der Notation.

1LIVE: Sie sind - um mal auf die Banalität von Preisverleihungen umzuschwenken - zum zweiten Mal in Folge, nach 2010, mit einer Tarantino-Film-Rolle für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Ist das beim zweiten Mal noch immer so aufregend, wie beim ersten Mal?

Waltz: Natürlich ist das immer noch aufregend. Es ist ein bisschen so als wenn man zu einem sehr schönen Abendessen geladen ist. Die Gastgeberin öffnet die Tür, man tritt ein und nach dem Abendessen sagt der Hausherr: "Wollen Sie nicht in mein Arbeitszimmer kommen und eine Zigarre rauchen?". Und man denkt: "Och, danke schön, das auch noch". So fühlt sich das ein bisschen an.

Christoph Waltz, Rechte: dpa / Facundo ArrizabalagaBild vergrößern

Zweite Karriere dank Quentin Tarantino

1LIVE: Diesen einen Oscar, den Sie bereits haben, spüren Sie den schon hin und wieder - wenn auch leicht versteckt - so unter dem Mäntelchen, wenn Sie neue Projekte angehen? In dem Sinne, dass Sie sich jetzt auch beim Ausleben der verschiedenen Rollen am Set noch mehr zutrauen oder auch zutrauen dürfen?

Waltz: Mehr zutrauen weiß ich jetzt nicht unbedingt, ich kann ja auch nicht die ganze Zeit durch die Weltgeschichte laufen und immer sagen: "ich hab 'nen Oscar, ich hab 'nen Oscar". Aber ich kann nicht leugnen, dass mir möglicherweise mehr gestattet wird. Ja, und da ist es vielleicht auch schwer zu unterscheiden ob mit Oscar mehr gestattet wird oder ich mir mehr erlaube. Aber es gibt so eine gewisse Sicherheit, die daher kommt, dass ich sehr viel mehr das Gefühl vermittelt bekomme, dass das, was ich zur Verfügung habe, verlangt wird.

1LIVE: "Inglourious Basterds" hat Ihnen in Sachen internationale Filmkarriere 2010 einen ungeheueren Schub verpasst. Einen, der Ihnen doch mit über 50 auch nebenbei gesagt, ganz besonders runter gehen muss wie Öl.

Waltz: Sie glauben gar nicht, wie sehr! Ich genieße das aus vollen Zügen, ich verdanke Quentin Tarantino sozusagen eine komplett neue, zweite Karriere nach den Jahrzehnten, die ich jetzt schon Schauspieler bin.

1LIVE: Und werden, wie ich gehört habe, jetzt auch von Hollywoodstars angerufen, einfach nur weil die Sie gerne kennen lernen wollen, wie zum Beispiel ihr Filmpartner Samuel L. Jackson. Der Sie in "Basterds" gesehen, und einfach mal angerufen hat.

Waltz: Ist das nicht toll? Und ich mache das auch so, ist nicht mal ein Witz. Ich rufe die an und sage, wer ich bin und dass ich sie gerne mal treffen würde und dann sagen die in der Regel: ja gut, gerne. Ich mache das allerdings in der Regel eher bei Leuten, die nicht mehr so aktuell sind, die mir in meiner Bewusstwerdung von Kino und Welt überhaupt, in Erinnerung sind. Ich habe eine große Bewunderung für die alten, großen Komiker. Ich habe Don Rickles getroffen und mich mit Mel Brooks angefreundet, den treffe ich sehr häufig. Und das ist wirklich ein so großes Vergnügen, die sind echt aus einer anderen Ära. Damals waren auch Studiobosse noch keine Hansel aus dem mittleren Management irgendeines Multi-Milliarden Unternehmens sondern das waren alles noch richtige Filmnarren. Die einem Filmemacher auch mal einen Flop durchgehen lassen haben, in der vollen Erkenntnis, dass es trotzdem einfach ein guter Film war.

Stand: 15.01.2013

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