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Magazin | Kino
Von Tom Westerholt
Stephen Meyers (Ryan Gosling) ist ein Shooting Star seiner Branche. Sein Gesicht ist den Menschen zwar unbekannt, doch schon eine seiner vielen blitzgescheiten Entscheidungen kann die Meinung von Millionen verändern. Ein bisschen wenigstens. Und jeden Tag ein bisschen mehr. Wenn es gut läuft.
Er ist Polit-Berater und arbeitet für einen der beiden demokratischen Bewerber im Rennen um die Kandidatur fürs Weiße Haus, für Gouverneur Mike Morris (George Clooney). Der liberale Botschaften verbreitet und so viel Integrität besitzt, dass er sich nicht mal auf schmutzige Absprachen mit Senator Thompson (Jeffrey Wright) einlassen will, dessen Zuspruch im Wahlkampf die Unterstützung eines entscheidenden Wählerkreises bedeuten würde.
Er prägt das Image dieses Mannes. Tag und Nacht. Etwa wenn er abends an der Bar kleine, exklusive Storys mit Insidern wie Ida Horowicz (Marisa Tomei) von der "New York Times" ausheckt. Womit Stephen Meyers aber niemals gerechnet hätte, ist, dass er in eine Situation geraten könnte in der nicht er für andere, sondern jemand anders für ihn die Fäden im Hintergrund zeiht. Der Puppenspieler wird selbst zur Marionette und rund um ihn herum droht alles mit ihm zusammen in den Abgrund und das politische Aus zu stürzen.
Es ist nicht die erste Regiearbeit des Schauspielers George Clooney, es ist sein vierter: und sein bisher bester. Wieder hat er sich keines 0815-Themas angenommen, wieder keine seichte Kinounterhaltung gedreht, sondern wieder einen Film, der es in sich hat. Bei dem man sich durchaus für amerikanische Politik und das amerikanische Wahlsystem interessieren sollte, sonst wird man immer wieder vor Situationen im Film stehen, die man nicht versteht. Mit Begriffen wie "Wahlmänner" oder "Vorwahlen" (und nein, es sind hier keine Telefonnummern gemeint sondern die "Primaries" bei denen die Kandidaten ermittelt werden...) sollte man durchaus etwas anfangen können.
Geht man halbwegs informiert in diesen Film setzt uns George Clooney ganz dicht an die Tische der Macht in den Hinterzimmern der Politik. Dank der Kamera - oft im Porträt-Format - sind wir Teil der Vier- oder Sechs-Augen-Gespräche, wenn Strategien fest- und Finten ausgelegt werden. Wir hören die heimlichen Handy-Telefonate der Beteiligten mit und erleben "Face-To-Face", wie auch ein ausgemachter Politprofi wie Stephen Meyers aufs Glatteis geführt wird.
Aber nicht nur Clooneys feines Regie-Händchen macht aus diesem Polit-Film einen echten "Behind-The-Scenes-Thriller", auch die Schauspieler sind erste Wahl: Clooney selbst als glaubwürdiger Kandidat Morris, Ryan Gosling als dessen klassischer, junger, aufstrebender Königsmacher mit irrem Riecher für Macht aber auch einem Faible für Überheblichkeit. Dazu Philip Seymour Hoffman als rechte Hand von Morris und der wieder mal unglaubliche Paul Giamatti als PR-Chef der Gegenseite.
Alle mit einem irren Gespür für das Spielen zwischen den Zeilen des Drehbuchs, so bleibt der Film fast über die gesamte Zeit leise, es wird fast nie gebrüllt, gezetert oder augenscheinlich körperlich gekämpft. Die Macht in der Politik ist mächtig genug um auch im Flüsterton Angst und Schrecken zu verbreiten. Wie wenig der Großteil der Öffentlichkeit eigentlich davon mitbekommt, was hinter den Kulissen der Politik geschoben, geklüngelt, gemauschelt, gelogen und verraten wird, zeigt dieser Film auf bleibend eindrucksvolle Art und Weise.
"The Ides Of March - Tage des Verrats!
(OT: "The Ides Of March")
Polit-Thriller, USA, 2011
Regie: George Clooney ("Confessions Of A Dangerous Mind", "Good Night & Good Luck")
Darsteller: Ryan Gosling ("Crazy, Stupid, Love", "Blue Valentine"), George Clooney ("Oceans-Filme", "Burn After Reading", "Up in The Air", "The American"), Philip Seymour Hoffman ("The Big Lebowski", "Capote", "Almost Famous"), Paul Giamatti ("Private Parts", "Die Truman Show", "Hangover 2"), Marisa Tomei ("Der Wrestler", "Der Mandant", "Crazy, Stupid, Love"), Evan Rachel Wood ("Der Wrestler", "Die Lincoln Verschwörung")
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Start: 22.12.2011




















Bewertungsschema




unterirdisch



mies



mäßig



okay



gut



genial!!!Stand: 21.12.2011
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