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Magazin | Kino

Trauma-Bewältigung 9/11

"Extrem laut und unglaublich nah"

Von Tom Westerholt

Als am 11. September 2001 zwei von Terroristen entführte Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center krachten, stand die Zeit in ganz Amerika still. Über 3.000 Zivilisten kamen in den einstürzenden Bürotürmen ums Leben, dieser Film erzählt die Geschichte von einem von ihnen und seinem Sohn.

Der elfjährige New Yorker Oskar Schell (Thomas Horn) findet im Kleiderschrank seines Vaters (Tom Hanks) einen Schlüssel. Ein Jahr ist vergangen, seit der Vater im World Trade Center umgekommen ist - Oskar nennt dieses Erlebnis den "schlimmsten Tag" - und er kämpft gegen die langsam verblassende Erinnerung.

Er will irgendwie Kontakt zu seinem Vater halten, seinem großen Vorbild, der ihn früher immer wieder auf spielerische Art ermuntert hat, seine größten Ängste zu überwinden. Oscar ist vermutlich leicht autistisch, vollständig geklärt wird dieser Umstand jedoch nicht. Nun ist der Vater tot und Oscar nimmt den zufälligen Schlüsselfund zum Anlass, weiter zu suchen.

Extrem Laut, Rechte: WarnerBild vergrößern

Oscar auf der Suche nach dem "Warum"

Dieses Mal aber nicht nach Antworten auf die vom Vater spielerisch gestellten Aufgaben, sondern nach der Antwort auf die brutale Frage: Warum? Warum musste sein Vater an diesem Morgen im World Trade Center sein? Warum ist er jetzt nicht mehr da? Oscar will nicht aufgeben, bis er eine Antwort auf die Frage bekommt. Bei seinen Streifzügen durch New York begegnet Oskar den unterschiedlichsten Menschen, die alle sehr persönliche Überlebensstrategien entwickelt haben. Oscars Mutter (Sandra Bullock) scheint unterdessen mehr und mehr den Kontakt zu ihrem Sohn zu verlieren. Daddy war der Supermann in Oscars Leben, seine Mutter nur eine Mutter.

Film als Trauma-Bewältigung

Man könnte jetzt sehr schnell hingehen und diesen Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Jonathan Safran Foer basiert, als überzogen "pathetisch", "patriotisch" und "einseitig" abstempeln. Das wäre aber zu einfach, selbst wenn er das an einigen Stellen ist. Vielmehr ist die Tatsache interessant, dass amerikanische Filmemacher es offensichtlich immer noch nicht schaffen, sich anders mit dem Thema 9/11 auseinanderzusetzen. Noch immer, fast elf Jahre nach diesem furchtbaren terroristischen Angriff, ist ein Großteil der Amerikaner fassungslos, verschreckt, verstört und auf der Suche nach Antworten auf die brutale Frage: Warum? Ebenso wie die Hauptfigur dieses Films, Oscar. Man spürt in jeder Szene, wie sehr auch heute noch der Großteil der Amerikaner bis ins Mark verletzt ist, von der damaligen Schutzlosigkeit. Von dem absoluten Unverständnis darüber, wie so etwas ausgerechnet Amerika passieren konnte.

Extrem Laut, Rechte: WarnerBild vergrößern

Tom Hanks als Vater

All dies wird in dem Film nicht anhand der betroffenen Masse beschrieben, sondern am filmisch viel besser umzusetzenden Einzelfall. Diese Familie, dieses Kind, dieser Vater, der in einem 60er-Jahre-Streifen nicht heroischer hätte dargestellt werden können. Superdad halt, genau der Vater den sich jeder elfjährige Junge wünscht. Und wenn Superdad stirbt, gibt es keine Akzeptanz des Todes. Pathetisch? Patriotisch? Einseitig? Vielleicht an einzelnen Stellen des Films immer wieder mal. Aber auch toll gespielt, vor allem von dem 14-jährigen Thomas Horn und von Sandra Bullock als hilflose Mutter. Tom Hanks spielt seinen eher kleineren Part in den Rückblicken des Films und musste nicht viel leisten. Interessant ist auch die Leistung von Max von Sydow, der einen wortlosen, alten Mann spielt - Oscars "einziger Freund", dafür ist er aktuell für den Oscar nominiert.

"Extem laut und unglaublich nah" (OT: "Extremely Loud And Incredibly Close")
Drama, USA, 2012

Regie: Stephen Daldry ("Billy Elliot - I Will Dance", "Der Vorleser", "The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit")
Darsteller: Tom Hanks ("Forrest Gump", "Philadelphia"), Sandra Bullock ("Blind Side - Die große Chance"), Max von Sydow ("Pelle, der Eroberer", "Schmetterling und Taucherglocke", "Shutter Island"), Viola Davis ("Glaubensfrage", "The Help"), John Goodman ("Der große Lebowsky")
Länge: 129 Minuten

FSK: ab zwölf Jahre
Start: 16.02.2012

  • Story Vier von fünf Sternen
  • Darsteller Vier von fünf Sternen
  • Anspruch Zwei von fünf Sternen

Bewertungsschema

  • Keiner von fünf Sternen unterirdisch
  • Einer von fünf Sternen mies
  • Zwei von fünf Sternen mäßig
  • Drei von fünf Sternen okay
  • Vier von fünf Sternen gut
  • Fünf von fünf Sternen genial!!!

Stand: 15.02.2012

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