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Magazin | Kino
Von Tom Westerholt
Paul (Matthias Schweighöfer) ist Schlussmacher: Für eine Berliner Trennungsagentur übermittelt er den Trennungswunsch seiner Kunden an deren zukünftige Ex-Partner. Emotionale Ausbrüche von anderen ist Paul dadurch gewöhnt, er selbst ist dagegen von vorn herein völlig bindungsunfähig.
Die Beziehung zur seiner Freundin Natalie (Catherine de Léan) ist eine Katastrophe: Selbst mit dieser tollen, wunderschönen Frau kriegt er keine Nähe hin. Ebenso kalt, wie er Menschen die Trennungswünsche seiner Klienten überbringt, verhält er sich selbst in zwischenmenschlichen Beziehungen. Bei einem seiner Aufträge trifft er dann auf den übersensiblen und anhänglichen Toto (Milan Peschel), der die von Paul überbrachte Trennungsnachricht seiner Freundin Kati (Nadja Uhl) überhaupt nicht überwinden kann, und sich an Pauls Fersen heftet, um nicht allein zu sein - und Pauls Auftragslage vollkommen durcheinander bringt. Bald drohen dessen ehrgeizige und bisher planmäßige Karrierepläne zu zerplatzen, denn einen derartigen Umgang mit Gefühlen und dieser komischen "Liebe" ist der "Schlussmacher" nicht gewöhnt.
Mit Milan Peschel (der diesen völlig überzogen esoterisch-weichen Toto so toll spielt, dass man ihn permanent dafür aus einem Fenster werfen möchte) hat Matthias bereits sechs Filme gedreht - für seinen Co-Hauptdarsteller wollte er in seinem zweiten Film als Regisseur einfach jemanden einsetzen, den er gut kennt und dem er vertraut. Auch Nadja Uhl und (in einer Nebenrolle) Heiner Lauterbach sind alte Bekannte der deutschen Komödie. So weit, so Standard. Was Matthias jedoch auch gemacht hat ist etwas, für das ihm Lob gebührt: Er hat die Rolle seiner Freundin im Film, die seiner Schwester (Anna Bederke) und die seiner Exfreundin (Genija Rykova) mit Schauspielerinnen besetzt, die wir so gut wie gar nicht kennen. Neue Gesichter in einem neuen, deutschen Film: Danke!
Nicht die immer gleichen Nora Tschirners, Jasmin Gerats und Karoline Schuchs in diesen Filmen, selbst wenn die alle drei keine schlechten Schauspielerinnen sind. Nur im Überfluss werten diese immer gleichen Casts einen Film auf Dauer einfach ab. Stattdessen neue Gesichter zu sehen - gemischt mit denen, die man kennt - ist ein guter Schritt in eine gute Richtung. Mehr davon!
Der Film an sich ist eine deutsche Komödie, die mit den bekannten Elementen spielt, sie aber auch schön mischt. Matthias hat nicht alles auf die Karte "Comedy" gesetzt, sondern angefangen die Komödie mit dem Drama zu mischen. Er hat Keinen Werbefilm gedreht für eine "coole" Alternative des Schlussmachens, sondern lässt das Für und Wider einer Beziehung gegeneinander antreten. Hier der Liebesallergiker Paul, der mit Bindungen an sich nichts anfangen kann und dort dieser Toto, die personifizierte Romanze, der mit vollem Herzen liebende und der einem damit genau so auf den Keks geht wie der viel zu coole Paul.
In der weiten Grauzone zwischen diesen beiden Charakteren finden wir all das, was jeder schon mal zwischen dem Beginn und dem Ende einer Liebe erlebt hat. Da spielt es keine übergeordnete Rolle, dass der Stoff an sich schneller erzählt wäre als der Film dauert und es hier und da einige Längen gibt. Vielmehr überrascht uns der Filmemacher Matthias Schweighöfer mit einer großen Experimentierfreude und damit, dass er Dinge einfach ausprobiert, weil er es kann und darf: in seinem Film. Gelingt es einem, diese kleinen Perlen des Films zu sehen, die kleinen Absurditäten und Brüche mit dem, was deutsche Komödien seit Jahren immer wieder gleich zeigen, dann macht auch dieser Film wieder Lust auf mehr Schweighöfer. Der überdies schon versprochen hat, in Zukunft nicht eine Komödie nach der anderen drehen zu wollen, sondern auch ernsthafte Stoffe zu drehen, wenn die Zeit reif dafür ist.
"Schlussmacher"
Komödie, Deutschland, 2012
Produktion, Regie: Matthias Schweighöfer ("What A Man")
Darsteller: Matthias Schweighöfer ("Soloalbum", "Keinohrhasen", "Zweiohrküken", "What A Man", "Rubbeldiekatz"), Milan Peschel ("Halt auf freier Strecke", "What A Man", "Rubbeldiekatz"), Nadja Uhl ("Sommer vorm Balkon", "Der Baader-Meinhof-Komplex", "Männerherzen"), Heiner Lauterbach ("Das Experiment", "Dresden", "Zweiohrküken"), Catherine de Léan ("Urban Explorer“), Anna Bederke ("Soul Kitchen")
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Start: 10.01.2013




















Bewertungsschema




unterirdisch



mies



mäßig



okay



gut



genial!!!Stand: 09.01.2013
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