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Magazin | Kino
Von Tom Westerholt
Selbst wenn Kult-Regisseur Quentin Tarantino jetzt seinen ersten Western vorstellt, verzichtet er auch im für ihn neuen Genre nicht auf Altbekanntes: "Seine" Stars, wie Christoph Waltz und Samuel L. Jackson. Und er wagt auch noch den Mix aus "irrer Western" und dramatischer Sklavereigeschichte.
1858 in den amerikanischen Südstaaten: der schwarze Sklave Django (Jamie Foxx) marschiert mit anderen Leidensgenossen durch die Pampa, er soll wieder einmal verkauft werden. Da trifft er auf den weißen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz), der ihm ein Angebot macht, dass er nicht ablehnen kann...
Der deutschstämmige Schultz verfolgt gerade die Spur der mordenden Brittle-Brüder und nur Django kann ihn ans Ziel führen - er kennt die Brüder und kann sie identifizieren. Der unorthodoxe Schultz sichert sich daher Djangos Hilfe, indem er ihm verspricht, ihn zu befreien, nachdem er die Brittles durch seine Hilfe gefangen genommen hat - tot oder lebendig. Nach erfolgreicher Tat löst Schultz sein Versprechen ein und setzt Django auf freien Fuß. Dennoch gehen die beiden Männer ab jetzt gemeinsame Wege. Sie nehmen gemeinsam die meistgesuchten Verbrecher des Südens ins Visier. Während Django seine überlebensnotwendigen Jagdkünste weiter verfeinert, verliert er dabei sein größtes Ziel nicht aus den Augen: Er will seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) finden und retten, die er einst vor langer Zeit an einen Sklavenhändler verloren hat. Ihre Suche führt Django und Schultz zu Calvin Candie (Leonardo Di Caprio) einem der mächtigsten, reichsten und brutalsten Plantagenbesitzer der damaligen Zeit. Sind sie am Ziel?
Das vielleicht Schönste an Quentin Tarantino ist seine grundsätzliche Verlässlichkeit als Filmemacher. Er schreibt seine Bücher selbst und dreht seine Filme exakt so, wie er sie mag: Ohne künstliche Computer-Effekte, natürlich NICHT in 3D und wenn es Spezialeffekte gibt, dann kümmert sich ein echter Pyrotechniker um die dazugehörige Explosion. Es werden inflationär hunderte Liter Filmblut über die einzelnen, kapitelgleichen Szenen verteilt, die Figuren und die sie verkörpernden Schauspieler strotzen vor Agilität und die Tarantino-Dialoge platzen förmlich vor einer Mischung aus Sarkasmus, Ironie und Lagerfeuer-Philosophie. Wer all das nicht mag, der bleibt einfach draußen. Der wird diesen Spaghetti-Western genau so wenig mögen wie die anderen, bisherigen Tarantino-Filme - das ist auch verlässlich.
Wer die oben beschriebenen Eigenschaften aber schätzt, wer weiß, welch große Liebe Quentin Tarantino für das Genre-Kino hegt, welch glühender Fan von Kung-Fu-Filmen er ist. Generell von "Eastern", aber auch von Western und dem guten alten Gangsterfilm. Tarantino liebt seine Filmsets, er liebt die maßlose Übertreibung und die Überzeichnung seiner mit Liebe entworfenen Figuren.
Christoph Waltz, Jamie Foxx, Samuel L. Jackson (in einer kleineren, aber nicht minder wichtigen Nebenrolle) sind großartig. Dazu und ein Leonardo Di Caprio, der unter der Führung seines Regisseurs zur Höchstform als widerwärtiger Bösewicht aufläuft. Und Tarantino liebt es, uns, wenn wir nicht damit rechnen, emotional auf den Boden der Tatsachen zurück zu schleudern. Dann nämlich, wenn er uns im Wechsel mit den Kick-Ass-Western-Anteilen schonungslos die Brutalität der damaligen Sklaverei vor Augen hält. Wenn er uns den Atem stocken lässt, angesichts der Gräueltaten, die schwarze Sklaven zu der damaligen Zeit über sich ergehen lassen mussten - physisch wie psychisch. Menschen ohne jeden Wert die der Willkür ihrer weißen Besitzer ohne jede Chance ausgeliefert waren.
"Django Unchained" ist ein Tarantino-Film durch und durch - und trotzdem ist er keine Kopie früherer Tarantino-Filme. Es ist eine Western-Roadmovie-Showdown-Shootout-Sklaverei-Drama-Opern-Groteske, und so was kann eben nur er, ohne sich dabei vollkommen lächerlich zu machen.
"Django Unchained"
Western / Drama, USA, 2012
Drehbuch, Regie: Quentin Tarantino ("Pulp Fiction", "Kill Bill", "Inglourious Basterds")
Darsteller: Jamie Foxx ("Collateral", "Ray", "Miami Vice", "Der Solist"), Christoph Waltz ("Inglourious Basterds", "The Green Hornet", "Der Gott des Gemetzels"), Samuel L. Jackson ("Pulp Fiction", "Jackie Brown", "Kill Bill", "Iron Man", "The Avengers", "Star Wars Episode 1-3"), Leonardo Di Caprio ("Titanic", "Blood Diamond", "Catch Me If You Can", "Aviator", "Zeiten des Aufruhrs", "Shutter Island", "Inception", "J. Edgar"), Kerry Washington ("Mr. & Mrs. Smith", "Die fantastischen Vier", "Lakeview Terrace") u.a.
Länge: 165 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Start: 17. Januar 2013




















Bewertungsschema




unterirdisch



mies



mäßig



okay



gut



genial!!!Stand: 15.01.2013
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