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Magazin | Kino
Von Sebastian Ko
Sommer 1915. Ein Pinsel taucht in ein Glas mit Wasser, die Farbe schliert im Gegenlicht. Eine junge Frau räkelt sich als Aktmodell und fragt den alten Maler: "Meister, stört es Sie, wenn ich mich bewege?" Und er antwortet: "Wenn es mich stören würde, würde ich Äpfel malen".
Der Meister ist Auguste Renoir, überzeugend gespielt von Michel Bouquet, der im Rollstuhl sitzt und noch einmal aufblüht in der Malerei. Der Grund: die junge Andrée, die für ihn Modell steht und die ihn inspiriert, wie lange niemand zuvor. Und ganz ähnlich geht es auch dem zweiten Sohn des berühmten Impressionisten. Der kommt von der Front, verwundet und humpelnd. Und er verliebt sich in Andrée und bekommt durch sie erst ein Ziel im Leben: Kino und Filme zu drehen, für sie und mit ihr als Schauspielerin.
Alle Vorzeichen deuten auf ein Dreieckgeschichte hin, mit ihr als Femme Fatale und den Renoirs im Vater-Sohn-Konflikt. Doch genau das bleibt aus. Weder missgönnt der Vater dem Sohn die neue Liebe, noch dieser ihm das Modell. Und auch Andrée macht nur wenig Anstalten, die beiden auszuspielen. Stattdessen kreisen die Figuren um sich selbst: Der alte Künster, dessen Körper zerfällt, während er "Schönheit malt", der junge Jean Renoir, der seinen übergroßen Vater verehrt, aber in dessen Schatten noch nicht seinen eigenen Platz in der Welt gefunden hat. Und Andrée, die selbstbewusst einen neuen Typus Frau repräsentiert, der sich nicht einschüchtern lässt und das Leben in vollen Zügen genießt - und dabei Angst hat, möglicherweise doch nur als Bedienstete zu enden, wie einige der Frauen im Hause Renoir zuvor. Und weil im Grunde jeder mit sich selbst beschäftigt ist, gibt es wenig Dramatik, wenig Spannung. Stattdessen schwelgen die Bilder unterlegt mit elegischer Musik.
"Spannend" ist sicher etwas anderes, so sehr plätschert der Film dahin. Andererseits, er scheint auch gar nichts anderes sein zu wollen. Statt beispielsweise den Werdegang von Jean Renoir zu verfolgen - einem der größten französischen Filmemacher aller Zeiten - beschränkt sich der Film auf diesen einen Sommer. Statt die Dramatik des ersten Weltkrieges für den Film auszuschlachten, ist davon nur indirekt etwas zu spüren: Das Grauen und das Drama ist irgendwo da draußen, am Wegesrand stehen Verwundete, aber hier in dem in dem herrschaftlichen Haus der Renoirs steht die Zeit still. Viel wichtiger ist es, die Wärme der Sonne im Filmbild einzufangen, das satte Grün am Fluss, in dem Frauen planschen. Der Film selbst präsentiert sich dabei selbst als Gemälde, als Stilleben und die Äpfel darin sind die Menschen.
"Renoir"
Drama, Frankreich, 2012
Regie: Gilles Bourdos
Darsteller: Michel Bouquet, Christa Theret, Vincent Rottiers
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahren
Start: 07.02.2013




















Bewertungsschema




unterirdisch



mies



mäßig



okay



gut



genial!!!Stand: 06.02.2013
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