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DVD
Von Sebastian Halm
Sein Name ist Sacha Baron Cohen - aber eigentlich kennt man ihn
eher in Verkleidungen, zum Beispiel als: Ali G., als Borat oder eben als Brüno.
Brüno knüpft nahtlos an den Stil seines
Vorgängerfilmes "Borat" an. Getarnt als
österreichischer Modejournalist Brüno, zeigt Sacha Baron
Cohen auch hier wieder Intoleranz, Vorurteile und Dummheit in der
US-Gesellschaft auf. Und obwohl (oder gerade weil) man oft nicht
hinsehen möchte, ergibt das ganze eine sehenswerte DVD.
"Brüno" hat keine strenge Handlung - es ist eine Reihe von peinlichen Momenten, die lose verknüpft sind. Der Film beginnt mit dem Sturz Brünos aus dem Gipfel des Ruhms: Nachdem er mit einem peinlichen Auftritt eine Modenschau ruiniert hat, landet er auf der schwarzen Liste der Fashionwelt. Für Brüno, der mit einem aufgeblasenen, fast schon explodierten Selbstbewusstsein ausgestattet ist, ein ganz klarer Fall: Schuld hat die ignorante Welt, aber nicht etwa er: "Zum zweiten Mal in 100 Jahren hatte sich die Welt gegen den größten Anführer Österreichs gewandt, nur weil er den Mut hatte, etwas Neues auszuprobieren."
Und wer diese Anspielung auf Adolf Hitler geschmacklos findet, braucht gar nicht mehr weiterzulesen - denn jetzt legt der Film damit erst richtig los. Was folgt ist eine Parade von Brünos verzweifelten Versuchen wieder berühmt zu werden. Und dabei geht der Film verdammt weit. Kein Tabu-Thema, keine Geschmacklosigkeit wird ausgelassen: Schwulenwitze, Witze über Religionen, Rassen und Babies, die Darstellung von entblößten Genitalien und Besuche bei (echten?) Swingerparties inklusive Geschlechtsverkehr: Das ist der Stoff aus dem Brüno gemacht ist.
Die Interviews, die Sasha Baron Cohen in dem Film als Brüno führt, sind offensichtlich echt - und da fragt man sich schon, wie Cohen jedes mal lebend da rausgekommen ist. Zum Beispiel, als er in den Nahen Osten reist und einen echten Terrorzellen-Chef trifft: Brüno erklärt dem Mann, dass der König seines Staates aussehe, wie ein schmutziger Bettler. Der Terrorist denkt kurz nach, ballt die Faust und murmelt dann nur kurz, erfüllt von unterdrücktem Zorn: "Gehen sie!"
In einer anderen Szene stolziert Brüno halbnackt, nur mit Andeutungen einer Tracht der orthodoxen Juden bekleidet, in Israel über die Straße. Plötzlich stürzt sich eine Gruppe wutentbrannter Passanten auf ihn und versucht ihn zu packen. Nur der Tatsache, dass Cohen (wie man im Audiokommentar erfährt) vor seinen Auftritten stets mit Sicherheitsleuten einen Fluchtplan entwickelt, dürfte es zu verdanken sein, dass diese Nummer nicht mit Lynchjustiz geendet hat.
Doch wer genauer hinsieht, merkt: Brüno macht sich nicht über Schwule lustig, wenn er sich als homosexueller Pfau inszeniert und auch nicht über Schwarze oder Juden und Moslems. Das Ganze ist eine schmerzhafte Satire auf ein krankes Medienbusiness, in dem Menschen für Ruhm alles tun würden. "Brüno" zielt nicht auf Minderheiten ab, sondern vielmehr auf zwei andere Dinge: 1. das voyeuristische Mediengeschäft selbst und 2. auf gesellschaftliche Vorurteile.
1LIVE-Reporter Sebastian Halm stellt die DVD in 1LIVE vor.
Im Bonusmaterial der DVD finden sich haufenweise Szenen, die rausgeflogen sind, weil sie zu lang oder eben zu krass waren. Darunter auch der Moment als Brüno eine Mutter sucht, die ihm ein Baby für einen Videoclip leiht. Beim Casting fragt er die Frau: "Hat ihr Kind ein Problem damit, wenn wir es aus dem vierten Stock werfen?" Die Mutter überlegt kurz und sagt: "Vielleicht würde sie sich erst etwas erschrecken, aber damit kommt sie klar!" Gibt es ein schockierenderes Zeugnis dafür, wie weit Menschen gehen würden, um im Fernsehen zu landen? Auch die Ausmaße an Intoleranz, die Brüno in sexistischen "christlichen" Vereinigungen offen legt, lassen einen mit dem Kopf schütteln.
Die DVD ist ein lohnender Kauf: Sie bietet Extras, die mit über 100 Minuten Laufzeit länger sind, als der Film selbst. Mal abgesehen davon, dass man - trotz gelungener deutscher Synchronisation - erst in Originaltonspur die volle Krassheit des Dargestellten erfassen kann. Und schlichtweg phänomenal ist der Audiokommentar von Sacha Baron Cohen. Denn hier gibt es erstaunlicherweise Funktionen, die man sonst nur von BluRay-Discs kennt. Beispielsweise hält der Film manchmal an, das Bild friert ein und der Audiokommentar zur angehaltenen Szene geht weiter, während Cohen auf Details der Szene eingeht, die man gerade im Standbild sieht. Oder es öffnet sich ein Bild im Bild, in dem kleine Dokus laufen, während man den Audiokommentar zum Film weiterhört.
Daher ist "Brüno" ganz zweideutig eine Kaufempfehlung unter Vorbehalt. Mit seinen deftigen, fäkalhumorlastigen Peinlichkeiten ist der Streifen nicht wirklich das, was man eine Komödie für die ganze Familie nennt! Doch wer vor politischer Unkorrektheit keine Angst hat, bekommt eine meisterhafte Satire auf unsere Topmodel-, Superstar- und C-Promi-Welt - mit einer vorbildlichen Fülle an informativen, lustigen und derben Extras. Wenn ihr jemanden kennt, der behauptet: "Verrückt nach Mary", "American Pie" oder "Hangover" wären gewagte Filme gewesen, dann schenkt ihm "Brüno". Aber erwartet nicht, dass ihr jemals wieder von ihm hört.
"Brüno" - (OT: Brüno)
Komödie, USA 2009
Regie: Larry Charles ("Religolous",
"Borat")
Darsteller: Sacha Baron Cohen ("Ali G in da house",
"Borat", "Sweeney Todd"), Gustaf Hammarstein
("Henning Mankell - Mittsommermord")
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch
Tonformat: Dolby Digital 5.1.
Spieldauer: 78 Minuten
VÖ: 26. November 2009
FSK: ab 16 Jahren
Preis: ab 15 Euro
Bonusmaterial: Alternative Szenen, unveröffentlichte Szenen, ungekürzte Szenen, Interview mit Lloyd Robinson, Filmkommentare















Bewertungsschema




unterirdisch



mies



mäßig



okay



gut



genial!!!Stand: 23.11.2009
