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KINO
Von Simone von der Forst
Mit "Up in the
air" liefert Regisseur Jason Reitman nach "Thank you for smoking" und "Juno" seinen bisher
dritten Film ab. Der Mann hat wieder einen absoluten Volltreffer
gelandet - und das nicht nur wegen George Clooney in der Hauptrolle. Auch seine
Geschichte von einem Mann, der quer durch die USA fliegt, um
anderen die schlechte Nachricht von ihrer Kündigung zu
überbringen, ist mitten in einer Wirtschaftskrise mehr als
eine oft bissige und manchmal tragische Komödie. Und mit
Sicherheit nicht das, was man nach dem Angucken des Trailers
erwartet.
Ryan Bingham (George
Clooney) ist wohl das, was man einen "souveränen
Geschäftsmann" nennt. Die meiste Zeit des Jahres fliegt
er für seine Firma kreuz und quer durch die USA. Sein Job: Er
wird angeheuert, um in fremden Unternehmen Mitarbeitern
beizubringen, dass sie gerade ihren Job verloren haben. Bingham ist gut in seinem Job -
er verhält sich den bemitleidenswerten Betroffenen
gegenüber anständig. Gleichzeitig ist er aber auch sehr
gut darin, die Schicksale seiner Gegenüber schnell wieder
abzustreifen. Der Einzelgänger hat nebenbei sogar noch ein
Buch geschrieben. Der Lebensratgeber handelt davon, dass Menschen
seiner Meinung nach zu viel Ballast mit sich rumschleppen. Bingham selbst hat alle
lästigen Kontakte abgebrochen - seine Familie sieht er kaum
noch, seine Wohnung in Oklahoma ist karg - Besitz ist unwichtig.
Ein Ziel hat Bingham
allerdings. Der Vielflieger will es schaffen, von seiner
Lieblingsfluggesellschaft eine ganz besondere Frequent-Traveller-Karte zu
bekommen. Dazu muss er 10 Millionen Flugmeilen sammeln. Er
wäre der siebte Mensch überhaupt, der das schafft.
Verständnis findet Bingham bei der Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga), die er an
einem Flughafen kennenlernt. Mit ihr startet er eine unkomplizierte
Affäre, die ihm schnell mehr bedeutet als er zugeben will.
Gleich nach dem ersten spontanen Date gleichen die beiden ihre Terminkalender ab.
Doch bei der Rückkehr ins Büro erwartet Bingham eine böse
Überraschung. Ausgerechnet eine 23-jährige Collegeabsolventin droht Binghams Pläne zunichte zu
machen. Natalie (Anna
Kendrick) will die Arbeitsweise seiner Firma reformieren, so
dass alle seine Geschäftsreisen in Zukunft wegfallen
würden. Bingham hat
nicht die geringste Lust, sich von einer Anfängerin seinen
Lebensstil versauen zu lassen. Aber sein Chef (Jason Bateman) bleibt hart:
immerhin darf Bingham noch
eine Weile unterwegs bleiben - allerdings muss er Natalie mitnehmen. Sie soll von
dem alten Hasen lernen, wie der Job läuft. Bingham lässt sich drauf ein
- und dann gerät erst recht alles aus den Fugen.
Auch wenn es im Kinotrailer und vielen Beschreibungen von "Up in the Air" heißt, der Film sei eine Komödie - so ganz trifft es das nicht. Wer eine Story a la "Ocean's Eleven" erwartet, ist hier falsch verbunden. Dazu hat Ryan Binghams Geschichte zu viele ernste Untertöne. Denn sehr schnell ist klar, dass der vermeintliche Gewinnertyp Bingham eigentlich eine arme Wurst ist. Keine sozialen Beziehungen, kein Zuhause, kein Rückhalt. Und nach und nach entlarvt Bingham mit seinen coolen Sprüchen und seinem selbstsicheren Verhalten sich komplett selber. Dabei bleibt einem im Kinosessel dann schon manchmal das Lachen im Halse stecken - was auch daran liegt, dass George Clooney die perfekte Besetzung für diese Rolle ist. Dem Typ, für den Millionen Frauen auf der Welt sich eine Hand abhacken würden, dabei zuzugucken, wie sich seine sauber zurechtgelegten Lebensweisheiten zerknittern wie seine sauber gefalteten T-Shirts, ist eine Offenbarung. Und beweist einmal mehr, dass Clooney eben doch mehr ist als ein gut aussehender Werbeträger für Kaffee.
Doch nicht nur das Klischee des männlichen Siegertypen im schicken Anzug wird in "Up in the Air" sauber entlarvt. Regisseur und Mit-Autor Jason Reitman nimmt sich auch die Frauen vor: Binghams vermeintlich karriereversessene Kollegin Natalie beispielsweise. Auch sie entpuppt sich als Mogelpackung: denn ihre Karriere in Oklahoma ist nur ein Wartezimmer. Sie ist lediglich ihrem Freund in die Stadt gefolgt - und sie gesteht: sobald der sie heiratet und sie Kinder bekommen, ist ihr die Karriere herzlich egal. Dann wäre da noch Binghams coole und unverbindliche, aber warmherzige Freundin Alex, die offen zugibt, dass sie von einer Beziehung mehr erwartet, als das was sie mit Ryan hat. Oder doch nicht? Wie eine Zwiebel entpackt Reitman seine drei Hauptfiguren - und ihre Charaktere werden von Minute zu Minute interessanter - bis zu einem der besten Film-Schlusssätze seit langer Zeit.
Bei den vielen Nebendarstellern verlässt sich Reitman im übrigen nicht nur auf großartige bekannte Schauspieler wie J.K. Simmons ("Juno") oder Zach Galifianakis ("Hangover"). Reitman holte auch Menschen vor die Kamera, die in der Wirtschaftskrise gerade tatsächlich ihren Job verloren hatten und hielt fest, was sie am Tag ihrer Entlassung tatsächlich gesagt hatten. Einen Golden Globe für das beste adaptierte Drehbuch hat Reitman schon - wäre schön, wenn ein Oscar dazu käme.
"Up in the Air"
Komödie/Drama
USA, 2009
Regie: Jason Reitman ("Thank you for smoking", "Juno")
Darsteller: George Clooney ("Ocean's 11", "Ocean's 12", "Ocean's 13", "Michael Clayton", "Burn after reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?", "From dusk til dawn") Vera Farmiga ("Der Junge im gestreiften Pyjama", "Departed - Unter Feinden", "Der Manchurian Kandidat"), Anna Kendrick ("Star Camp", "Twighlight - Biss zum Morgengrauen", "New Moon - Biss zur Mittagsstunde"), Danny McBride ("Ananas Express", "Tropic Thunder"), Jason Bateman ("Juno", "Hancock", "Mr. Magoriums Wunderladen", "Operation: Kingdom", "Smokin' Aces", "All inclusive"), Melanie Lynskey ("Away we go - Auf nach irgendwo", "Der Informant!", "Flags of our fathers"), Amy Morton ("Backdraft - Männer, die durchs Feuer gehen", "Falling down - Ein ganz normaler Tag"), Sam Elliot ("Haben Sie das von den Morgans gehört?", "Ghost Rider", "Hulk", "Der goldene Kompass"),J.K.Simmmons ("Juno", "Spiderman 1-3", "Burn after reading - wer verbrennt sich hier die Finger?", "Thank you for smoking"), Zack Galifianakis ("Hangover", "Love Vegas", "In die Wildnis - Allein nach Alaska"),Chris Lowell (TV: "Private Practice", "Veronica Mars")
Länge: 110 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Startdatum: 4. Februar 2010

























Bewertungsschema




unterirdisch



mies



mäßig



okay



gut



genial!!!Stand: 03.02.2010
