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KINO
Von Tom Westerholt
Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein begnadeter Dieb, der
absolut beste auf dem Gebiet der Extraktion, einer sehr
gefährlichen Form des Diebstahls: Cobb stiehlt wertvolle
Geheimnisse aus den Tiefen des Unterbewusstseins, wenn der Verstand
am verwundbarsten ist - während der Traumphase. Dank seiner
seltenen Begabung ist Cobb in der heimtückischen, neuen Welt
der Industriespionage heiß begehrt. Doch diese Existenz hat
auch ihre Schattenseiten, ähnlich wie bei einem klassischen
Film-Agent: er wird weltweit gesucht und hat alles verloren, was er
liebte.
Eines Tages, und somit zur einzigen Parallele, die dieser Thriller mit anderen "Verschwörungs-Filmen" hat, bietet sich ihm die Chance zur Rettung: Der klassische, letzte Auftrag könnte ihm zu seinem alten Leben zurück verhelfen, aber nur, wenn ihm das absolut Unmögliche gelingt: die so genannte "Inception". Statt eines perfekt ausgeführten Diebstahls müssen Cobb und sein Spezialistenteam das genaue Gegenteil vollführen. Ihr Auftrag lautet nicht, eine Idee zu stehlen, sondern eine einzupflanzen. Sollte ihnen das gelingen, wäre es das perfekte Verbrechen.
Eins vorab: Wer mit der Idee in diesen Film geht, einen netten Abend zu haben und nach über zwei Stunden leicht unterhalten aus dem Kino zu kommen, der gehe bitte einen Saal weiter in "Toy Story 3" oder "Karate Kid". "Inception" ist ein Film, auf den man sich ab der ersten Minute einlassen und ihm Sekunde für Sekunde folgen wollen muss. Sonst wird das nichts. Denn als Zuschauer sehen wir Cobb und seinen Leuten nicht einfach dabei zu, wie sie erkenntlich in die Träume einer Person einsteigen und ihre manipulative Arbeit machen.
Wir werden stattdessen ganz schnell vor eine schier nicht zu bewältigende Aufgabe gestellt: Wir müssen uns jederzeit fragen, in welcher Traumebene wir uns befinden. Die Schnitzeljagd beginnt, wenn wir feststellen, dass Menschen ja auch im Traum träumen können, sie hätten gerade einen Traum geträumt.
Um noch ansatzweise so etwas ähnliches wie einen Durchblick herzustellen, schickt uns Regisseur Christopher Nolan ("The Dark Knight") die so genannte Traumarchitektin (Ellen Page) ins Spiel. Und damit einher eine Art permanenten Erklärbär, der den Zuschauer an einer Leine zu führen versucht, die sich aber leider schon von Beginn an in hunderten Bäumen und Büschen dieses Traumdschungels verheddert zu haben scheint.
So kann man gar nicht anders als sich von der Nolan'schen Bildgewalt dieses immer spannenden Thrillers fangen und sich auf jedwede, mögliche Denkstruktur – und sei sie noch so absurd – einzulassen. Auf diese Art und Weise hat er uns vor Jahren ja auch schon mit seinem von hinten nach vorne gedrehten Thriller "Memento", wundervoll an diverse Grenzen getrieben. Bis man auch hier am Ende vor der Frage steht, ob das, was man über zwei Stunden gesehen hat, überhaupt stattgefunden hat. Ein Film für Hobby-Traumdeuter und Genießer gewaltiger Bildwelten mit einem ähnlich wie in "Shutter Island" angelegten, überzeugenden DiCaprio.
"Inception"
Science-Fiction/Thriller, USA 2010
Regie: Christopher Nolan ("Memento", "Batman Begins", "The Dark Knight")
Darsteller: Leonardo DiCaprio ("Romeo & Julia", "Titanic", "Aviator", "Catch Me If You Can", "Shutter Island"), Marion Cotillard ("Ein gutes Jahr", "La Vie En Rose", "Nine"), Joseph Gorden-Levitt ("500 Days of Summer", "Aus der Mitte entspringt ein Fluss", "Helloween H20"), Ellen Page ("X-Men: Der letzte Widerstand", "An American Crime", "Juno"), Tom Berenger ("Geboren am 4. Juli", "Die Indianer von Cleveland", "Training Day"), Michael Caine ("Gottes Werk und Teufels Beitrag", "Hannah und ihre Schwestern", "Batman Begins", "Flawless", "The Dark Knight")
Länge: 148 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

























Bewertungsschema




unterirdisch



mies



mäßig



okay



gut



genial!!!Stand: 28.06.2010
