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Magazin | Kolumne

Occupy Oberhausen

Herr Nieswandt, die Kolumne in 1LIVE

Von Hans Nieswandt

1LIVE DJ und Kolumnist Hans Nieswandt war neulich in Oberhausen unterwegs. Zwischen prächtigen Bauten aus den Zeiten der Kohlebarone und überdimensionierten Bahnhöfen entdeckte er die Schattenseiten des schönen Ortes: kein Geld, kein Licht und Rost als Metapher für die gesamte hoch verschuldete Stadt. Occupy Oberhausen!

Demonstrant mit Occupy Oberhausen-Plakat, Rechte: dpaBild vergrößern

Bald auch in Oberhausen? Demonstranten

Optisch eindrucksvoll ist Oberhausen. Nein wirklich! Zumindest an manchen Ecken. Aber wer sich davon selbst ein Bild machen möchte, sollte dies tagsüber tun. Ich war neulich nachts da und weiß deshalb aus erster Hand: Dann ist es einfach zu dunkel. Das prächtige, im Stil des Backstein-Expressionismus gebaute Rathaus aus der guten alten Zeit der Kohlebarone ruht in Finsternis, den Weg vom Hotel zum Theater muss man sich ertasten, weil alle Laternen aus sind. Nur im Theater selbst, dem letzten Stolz der Stadt, brennt noch Licht, nur dort ist noch Party.

Und was für eine! Die Leute sind toll in Oberhausen! Jedenfalls die, die noch da sind. Man hat überall viel Platz in der Stadt, auf der Tanzfläche, vor allem aber auf dem überdimensionierten Bahnhof, der so viele Gleise hat, dass eines sogar komplett als Museumbahnsteig benutzt wird. Dort verrosten pittoreske Schaustücke aus der großen Zeit der Schwerindustrie – eine schöne Metapher für die ganze Stadt, die einen da direkt zur Begrüßung erwartet. Immerhin hat fast jeder Bahnsteig einen Aufzug. Nur der Bahnsteig für Fernverbindungen hat keinen. Das sagt einiges aus über die Bedeutung der Stadt als Ziel des internationalen Jetsets.

Hohe Schulden und Gigantische Kredite

Centro in Oberhausen, Rechte: dpaBild vergrößern

Dekadenz wohin man blickt in Oberhausen: Centro

Denn Oberhausen ist arm, Oberhausen hat die höchsten Schulden von ganz Deutschland. Oberhausen ist so arm, dass sie sich noch nicht mal ein Schild mit der Aufschrift "Schuldenhauptstadt" leisten könnte, wie eine Zeitung süffisant kommentiert. Oberhausen ist quasi das Griechenland von NRW, während die Nachbarn und Musterschüler Düsseldorf und Essen ein bisschen wie Deutschland und Frankreich daneben stehen und peinlich berührt sind. Was denn, wir sollen für die bezahlen? Hallo? Bloß, weil wir alles richtig machen? Das ist aber ein schlechter Anreiz! Dann wird das in Zukunft ja jeder so machen!

Damit will ich natürlich nicht behaupten, in Oberhausen wäre ähnlich ausgeflippt wie in Athen gewirtschaftet worden. Zwar nahm auch Oberhausen gigantische Kredite auf, zuletzt nochmal ca. 250 Millionen Euro; aber nicht, um damit die eigenen Schwimmbäder zu überheizen oder dekadente Bücherbusse herumfahren zu lassen. Das Geld wurde direkt nach Ostdeutschland weiterüberwiesen, wegen dem Soli. Das hört sich zugegebenermaßen ziemlich verrückt an. Man kann nur hoffen, dass von dem Geld wenigstens im Osten die Schwimmbäder beheizt wurden. Vielleicht ging es ja aber auch von Pasewalk direkt nach Piräus. Und von dort wahrscheinlich einfach wieder zurück an die Bank, die den Kredit ursprünglich abgewickelt hatte. Und damit den Betrag verdoppelt, plus fantastische Zinsen auf Jahre hinaus, wegen der schlechten Solvenz des Stadtkämmerers. Kann doch sein! Wer weiß das alles heute schon?

"Haircut" gegelter als "Schuldenschnitt"

Vielleicht sollte in dieser Perle des Reviers wie in New York, London und Frankfurt auch eine Protestfiliale gegen diese Zustände und Auswüchse gegründet werden: Occupy Oberhausen! Ein Camp muss her, solange, bis es auch in dieser Stadt endlich einen anständigen Haarschnitt gibt! Damit will ich niemanden in Oberhausen beleidigen - "Haircut" ist zur Zeit das absolute Finanzkrisen-Modewort. Es klingt einfach gegelter als Schuldenschnitt und damit sexier für die Business-Sensibelchen, deren kostbares und systemrelevantes Vertrauen auch von Oberhausen zurückgewonnen werden muss. Ein Zeltlager vor dem Rathaus wäre in dieser Angelegenheit mit Sicherheit hilfreich, hätte um diese Jahreszeit und bei der derzeitigen Beleuchtungslage allerdings ein kleines Problem: Die Aktion bliebe größtenteils im Dunkeln.

Stand: 22.10.2011

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