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Magazin | Netzthemen
Von David Schumann
In Deutschland sind offenbar mehr Menschen abhängig vom Internet als von Glücksspielen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, hat zum ersten Mal eine repräsentative Studie zu dem Thema vorgestellt. Insgesamt seinen demzufolge mehr als eine halbe Million Deutsche internetsüchtig. Die Anzahl der Glücksspiel-Abhängigen wird dagegen auf nicht mal halb so hoch geschätzt.
Genau gesagt sind rund 560.000 in erster Linie junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren von Facebook, SchülerVZ und Co. abhängig. Dabei handelt es sich vor allem um Mädchen, die den Sozialen Netzwerken mehr Aufmerksamkeit widmen als es gesund wäre, während internetsüchtige Jungen tendenziell mehr Zeit mit Online-Spielen verbringen. Für die vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie wurden 15.000 Menschen im Alter von 14 bis 64 Jahren am Telefon befragt. Gerade junge Internet-User zeigten dabei ein erhöhtes Suchtpotential: Von den 14- bis 24-Jährigen gelten rund 2,4 Prozent als internetsüchtig, während es bei der Altersgruppe zwischen 14 und 16 Jahren ganze vier Prozent sind.
Als Folge dieser Sucht vernachlässigen Betroffene häufig soziale Kontakte zu Familie und Freunden in der "realen Welt", einige gehen nicht mehr zur Schule oder zur Arbeit. Ähnlich wie bei anderen Suchtkrankheiten leiden auch sie unter Entzugserscheinungen wie schlechter Laune, Angst oder Reizbarkeit, wenn sie nicht online sind. Als "abhängig" gilt, wer täglich mehr als vier Stunden im Internet verbringt und mehrere Sucht-Symptome gleichzeitig aufweist. Laut Dyckmans seien die Folgen durchaus mit der einer klassischen Drogenabhängigkeit zu vergleichen, auch wenn es noch keine einheitliche Definition von "Internetsucht" gäbe: "Die Datenlage ist schwach. Wir wissen sehr wenig über die Verbreitung des Problems", so Suchtforscher Hans-Jürgen Rumpf.
In einer Folgestudie sollen jetzt ausführliche Interviews mit Betroffenen geführt werden um der Internetsucht weiter auf den Grund zu gehen. Außerdem kündigte Dyckmans an, das Thema nächstes Jahr zu einem Schwerpunkt der eigenen Arbeit machen zu wollen. So soll in Zukunft unter anderem die Therapie von Internetsüchtigen verbessert und verstärkt die Altersvorgabe von Computerspielen überprüft werden.
Stand: 26.09.2011
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