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Magazin | Interviews

Wenn Facebook vor der Tür steht

Interview mit Max Schrems - Gründer der "Europe versus Facebook"-Initiative

Von Michael Dietz

Max Schrems ist Jurastudent und Gründer der Studenteninitiative "Europe versus Facebook". Er setzt sich aktiv gegen die Verstöße von Datenschutzbestimmungen bei Facebook ein. Nachdem er 22 Anzeigen an Facebook nach Dublin geschickt und seine kompletten Daten eingefordert hat, statteten deutsche Vertreter von Facebook ihm einen Besuch ab. Wie das gelaufen ist und welche Rechte Facebook-User eigentlich konkret haben, erzählt er im 1LIVE-Interview.

1LIVE: Wie hat deine Revolte gegen den Umgang mit deinen Daten bei Facebook angefangen?

Max Schrems: Bei meinem Studium in den USA bin ich auf einen Vertreter von Facebook gestoßen, der die europäischen Datenschutzbedingungen erklärt hat. Ich habe schnell gemerkt, dass seine Ausführungen weit weg vom europäischen Verständnis von "Datenschutz" waren. Daraufhin habe ich ein Paper zu dem Thema geschrieben und daraus haben wir dann Anzeigen gegen Facebook entwickelt und die nach Irland geschickt (In Irland sitzt die europäische Zentrale von Facebook; Anmerkung der Redaktion).

Facebook und Datenschutz, Rechte: dpaBild vergrößern

Facebook und der Datenschutz

1LIVE: Was sind die konkreten Punkte, die dich an den Datenschutzbestimmungen von Facebook stören?

Max Schrems: Ich habe mir von Facebook meinen Datensatz zuschicken lassen und das Spannende daran war, dass in Facebook Aktionen von mir auftauchten, die ich eigentlich gelöscht hatte. Anstupser beispielsweise. Facebook sagt an keiner Stelle, dass sie diese gelöschten Daten behalten. Das verletzte quasi die zwei wichtigsten Aspekte im Datenschutz: Transparenz und Nutzerkontrolle. Wenn ich etwas lösche, möchte ich auch, dass es weg ist.

1LIVE: Du hast die gesammelten 22 Anzeigen nach Irland geschickt, wie war dort die Reaktion?

Max Schrems: Eigentlich hat Facebook relativ konstruktiv reagiert. Das Problem liegt bei den irischen Behörden, die eher lax mit den solchen Forderungen umgehen. Es kam bisher auch noch zu keiner formellen Entscheidung und wir müssen weitere Anträge stellen.

1LIVE: Du hast dich nun mit Facebook-Vertretern getroffen. Wie war der Besuch?

Max Schrems: Das Gespräch war eigentlich ganz angenehm. Man hat nur schnell gemerkt, dass die auf meine konkreten Fragen schwer Antwort geben konnten. Vor allem bei rechtlichen Fragen, wenn es um die Zustimmung des Nutzers ging, wurde nicht genau geantwortet. Mir schien es, als hätten die nicht soviel Ahnung von dem was sie tun.

Facebook und Datenschutz, Rechte: dpaBild vergrößern

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind eigentlich gegeben.

1LIVE: Haben die denn Einsicht gezeigt?

Max Schrems: Die Mitarbeiter, die im Policy Team bei Facebook sind, wissen genau, wie illegal ihr Umgang mit den Daten ist. Und sie wissen auch, dass was getan werden muss. Das Technik Team wiederum sagt, neue Datenschutzbedingungen sind schwer umzusetzen und das Marketing Team sieht darin Geldverluste. Und die beiden Teams sitzen dann zusammen und einigen sich irgendwie. Meiner Meinung nach ist der Rechtsrahmen gegeben, es gibt im Grunde genommen nur eine richtige Lösung, aber noch zu viele interne Unstimmigkeiten.

1LIVE: Was muss denn deiner Meinung nach passieren?

Max Schrems: Die neuen Datenschutzregeln in Deutschland finde ich an sich nicht schlecht. Das Problem ist die Durchsetzung. Die Behörden haben zu wenig Personal, es gibt zu lasche Strafen. Der Benutzer kann bisher die Rechte einfach nicht einfordern, die auf dem Papier stehen.

1LIVE: Was hat der Nutzer denn überhaupt für konkrete Rechte?

Max Schrems: Jeder Facebook Nutzer hat das Recht auf Auskunft. Er kann also bei Facebook eine Kopie seiner Daten einfordern. Außerdem darf Facebook nur meine Daten verarbeiten, wenn sie mich aufklären was sie genau tun und ich zustimme. Das steht so klar im Gesetz, wird aber definitiv nicht durchgezogen!

Stand: 07.02.2012

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