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Magazin | Netzthemen
Von Anna Maria Beekes
Von albernen Katzenbildern zum Kampf gegen Acta: Anonymous hat sich von einer Spaßbewegung zu einem weltweiten Kollektiv von Internetaktivisten entwickelt. In "We Are Anonymous" geht Spiegel-Online-Redakteur Ole Reißmann zusammen mit seinen Kollegen Christian Stöcker und Konrad Lischka den Ursprüngen von Anonymous auf den Grund und erklärt, was von der Gruppe in Zukunft zu erwarten ist.
Eine der "Regeln" von Anonymous lautet, "nicht darüber zu reden". "In Wirklichkeit tun das natürlich trotzdem alle", sagt Ole Reißmann. Er hat an dem Buch über die Bewegung mitgeschrieben, weil er zeigen will, woher Anonymous kommt, und dass es nicht "die große böse Hackerarmee oder eine elitäre Gruppe ist, sondern eher eine Subkultur, eine Idee."
Jeder ist Anonymous. Oder kann es zumindest sein, wenn er will. Das gehört für Ole Reißmann zum Grundgedanken der Bewegung. Was Anonymous erreichen – oder anrichten – kann, wenn sich genug Anhänger für eine Idee finden, beweisen Aktionen wie die Hackerangriffe auf Kreditkartenfirmen, Sony, die Telekom oder die Deutsche Bank.
Weil Anonymous offen für jeden ist, ist die Bewegung auch angreifbar. Die Gefahr, dass Anonymous ausgenutzt oder unterwandert werden könnte, sieht Ole Reißmann aber nicht. "Der einzige gemeinsame Nenner der Bewegung ist die Internetfreiheit", sagt er. "Da gibt es nichts, was man unterwandern könnte, weil das Ganze auf einer Spaßkultur aufbaut und die Anhänger sich ständig über sich selbst lustig machen. Es gibt nicht viel, was die schockieren oder erschüttern könnte."
Die Spaßkultur zeigt sich immer wieder. So wurden etwa schon Unmengen von Pizza auf fremden Namen bestellt, um bestimmte Personen zu ärgern, oder es werden Bilder von Katzen, den "Lolcats" verbreitet, die mit albernen Sprüchen im Internetslang versehen sind. "Wie in jeder Subkultur gibt es auch bei Anonymous eine eigene Sprache und Insider-Witze, die man nur versteht, wenn man 'drin' ist", erklärt Ole Reißmann.
Scheinbar im Gegensatz zu diesen "lulz", den Streichen, mit denen Anonymous angefangen hat, stehen Anhänger, die an Occupy-Demos teilnehmen oder sich für Wikileaks und gegen Acta einsetzen. Für Ole Reißmann ist das kein Widerspruch. "Wir haben mit vielen Anhängern gesprochen, die uns erzählt haben, warum sie mitmachen", sagt er. "Die einen wollen nur Witze machen, andere kämpfen für Internetfreiheit, wieder andere gegen Scientology oder Drogenkartelle in Mexiko." Diese große Bandbreite sei es gerade, die die Bewegung ausmache. Völlig unpolitisch könne man Anonymous aber ohnehin nicht nennen: "Das Anliegen, Internetfreiheit zu verteidigen, ist, glaube ich, per se politisch", sagt Ole Reißmann.
In einem Youtube-Video mit dem Titel "Wer ist Anonymous?" heißt es: "Anonymous hat es schon immer gegeben." Diese philosophisch anmutende Äußerung kann Anonymous-Experte Ole Reißmann unterschreiben. Er verweist auf den amerikanischen Internetaktivisten Jacob Appelbaum, der wegen seiner Unterstützung von Wikileaks von den US-Behörden überwacht wird. "Appelbaum hat kürzlich darauf hingewiesen, dass sich in den USA schon vor langer Zeit, lange bevor es das Internet gab, Bürgerrechtsbewegungen organisiert haben, die in Büros des FBI eingebrochen sind Akten geklaut haben, aus denen hervorgeht, mit welchen Methoden die Bundespolizei damals gegen vermeintliche Kommunisten vorgegangen ist", sagt er. "Diese Leute wurden nie geschnappt. Und Appelbaum sagt: Diese Leute waren schon Anonymous."
Eines der Markenzeichen von Anonymous sind die Guy-Fawkes-Masken, die die Anhänger oft auf Demos tragen und mit denen sie zum einen ihre Anonymität und zum anderen ihre Zusammengehörigkeit ausdrücken. Ironischerweise verdient der Medienkonzern Time Warner, der die Masken als Merchandise-Artikel des Films "V wie Vendetta" vertreibt, jedes Mal mit, wenn ein Anonymous-Anhänger eine solche Maske kauft. Und das ist oft: Bei Amazon rangieren die Masken auf Platz zwei und drei der Spielzeug-Verkaufscharts.
Laut Ole Reißmann haben die Aktivisten inzwischen kreative Lösungen gefunden, um das zu umgehen: "Entweder sie pressen die Masken aus Planplastikplatten in einem Unterdruckverfahren selbst, oder sie drucken sie einfach aus und kleben sie auf Pappe", erzählt er. Viele suchten auch schon nach neuen, eigenen Symbolen für die Bewegung.
Stand: 21.02.2012
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