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Magazin | Netz-Thema
Von Tobias Wienke
Spielen ist schon lange nicht mehr nur das Hobby pickeliger Jungs im Keller bei Mama und Papa. Laut Branchenverband BIU spielen 25 Millionen Menschen, davon sind elf Millionen weiblich - Tendenz steigend. Aber auf der anderen Seite des Monitors sitzen meistens Männer. Die Spielebranche sucht deshalb händeringend nach weiblichen Spiele-Entwicklerinnen.
Rund 40 Prozent der Spieler sind mittlerweile weiblich. Den größten Zuwachs gibt's bei Online- und Casual-Games, also Wimmelbild-Spielen, Adventures oder Match-3-Spielen, bei denen man zum Beispiel drei gleiche Diamanten oder Blumen zusammenpuzzeln muss. Auch Social-Online-Games wie Farmville und ähnliche werden sehr oft von Frauen gespielt. Die Spiele-Firmen glauben, dass sie einen besseren Draht zu den Gamerinnen bekommen und neue Zielgruppen erschließen können, wenn an den Entwicklungsmonitoren eben nicht nur Kerle sitzen. Und beim steigenden Fachkräftemangel muss auch die Gamesbranche darauf achten, nicht nur für ein Geschlecht attraktiv zu sein.
Es sind die alten Rollenbilder, die oftmals dafür sorgen, dass Frauen sich nicht für einen sogenannten "MINT"-Beruf entscheiden - MINT bedeutet Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik. Christina Haaf von der Initiative "Komm, mach MINT" sagt, Schülerinnen fehle beim Fach Informatik zum Beispiel der Bezug zum "wahren Leben". Oftmals ist ihnen auch nicht bewusst, welche vielfältigen Berufsbilder hinter den Spielen stecken.
Allerdings sieht sie den Trend auch im Wandel: Mehr Studienanfängerinnen entscheiden sich zum Beispiel für das Fach Informatik, und somit könnten auch demnächst mehr Frauen in den Spieleschmieden mitwirken. Das würde auch der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware begrüßen.
Außerdem gibt es in der Games-Branche sehr viele unterschiedliche Berufsbilder: Vom klassischen Programmierer über den Grafiker, Produzenten oder Game-Designer sind die Jobs vielfältig. Technisches Know-How ist sicherlich sehr hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. "Es ist kein hammerharter Männerberuf wie Stahlarbeiter oder Schweißer. Es ist ein kreativer Prozess", sagt Game-Designer Jörg Henseler. Er selbst hat auch nicht Informatik studiert, sondern sich als Quereinsteiger selbstständig gemacht.
Es gibt auch Gegenbeispiele, zum Beispiel Roberta Williams. Zusammen mit ihrem Mann Ken gründete sie in den 80er Jahren die Spielefabrik "Sierra On-Line" und hat mit "Mystery House" das erste richtige Grafik-Adventure der Spielegeschichte entwickelt. Also hat eine Frau im Grunde ein ganzes Genre erfunden.
Stand: 20.12.2012
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