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ARBEIT 2007

Ausgebrannt oder zu Tode gelangweilt?

Von Carolin Ott

Depressionen, Magenschmerzen, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen - Symptome, mit denen man schnell mal zum Hausarzt geht. Möglicherweise kann der aber gar nicht helfen, denn der Ursprung solcher Symptome kann psychisch sein. Dann lautet die Diagnose möglicherweise: Burn-Out - oder das Gegenteil Bore-Out.

Frau sitzt müde auf Bürostuhl, Rechte: Mauritius Bild vergrößern

Ausgebrannt?

Die Anzeichen waren bei Thomas eigentlich sehr deutlich. "Ich war müde, lustlos und vor allem war ich total anfällig für Infekte. Ich war ständig krank." Aber die Warnungen seiner Hausärztin, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung sei, brachten wenig. "Ich hab das immer so abgetan nach dem Motto: Naja, ich hab halt viel Stress auf der Arbeit, was soll ich denn dagegen machen?" Thomas arbeitet am Telefon - und das in Wechselschicht. Eine enorme Belastung für ihn, die irgendwann zum Zusammenbruch führte. "Ich habe nur noch zu Hause rumgesessen, nichts mehr gemacht, wollte nichts mehr essen, keinen mehr sehen - ich hab mich völlig von meinen Freunden zurückgezogen. Und dann kamen Angstzustände dazu, ich habe nachts nicht mehr geschlafen, nur noch über die Arbeit nachgedacht - das ging so weit, dass ich zu weinen angefangen habe, wenn mein Telefon klingelte." Diagnose: Burn-Out. Thomas war nicht mehr fähig zu arbeiten, seine Ärztin schrieb ihn krank, und er machte vier Monate lang Pause, Antidepressiva und Therapie inbegriffen.

Erst nach dem Zusammenbruch geht's weiter

Dalai Lama gähnt, Rechte: dpa Bild vergrößern

Müde?

"Eigentlich passiert erst dann was, wenn die Leute zusammenbrechen", sagt die Kölner Psychologin Petra Jagow. "Deswegen ist es auch so schwer, Burn-Outszu bekämpfen. Die gefährdeten Personen treiben es ja so lange, bis sie umfallen, und erst dann sind sie in der Lage, einen neuen Weg einzuschlagen." Diesen neuen Weg können die Betroffenen zusammen mit Ärzten und Therapeuten finden, dabei geht es vor allem darum zu lernen, dass Auszeiten vom Job wichtig sind und dass man auch mal loslassen muss. Thomas hat aus seiner Therapie vor allem eins mitgenommen: "Ich muss mir selbst helfen und mich selbst schützen. Seit ich wieder angefangen habe zu arbeiten, hat sich nichts geändert in der Firma - es ist nicht so, als ob jetzt jemand hier mehr Rücksicht nehmen würde als vorher. Der Unterschied ist allerdings, dass ich inzwischen Stopp sage, wenn es mir zu viel wird!"

Stress? Langeweile!

Frau vor dem PC, Rechte: dpa Bild vergrößern

Deprimiert?

Was Thomas zu viel hat, haben andere zu wenig: Arbeit! Denn auch Langeweile im Job kann krank machen - das sogenannte Bore-Out -Syndrom. Für Petra Jagow kann diese Krankheit verschiedene Ursachen haben: "Entweder habe ich zu wenig Arbeit oder ich bin unterfordert. Es kann aber auch sein, dass ich zwar genug zu tun habe, meine Arbeit aber sehr monoton ist oder mir sogar sinnlos erscheint." Nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes sind nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer davon überzeugt, dass ihre Arbeit gut ist. 54 Prozent halten sie wenigstens für mittelmäßig und 34 Prozent finden ihre Arbeit schlecht. Zum Teil so schlecht, dass sie krank macht. Die Symptome sind ähnlich wie beim Burn-Out: Man verliert die Lust, ist schlecht drauf und hat keine Motivation mehr. Man denkt an alles Andere, nur nicht mehr an den Job - und man versucht trotzdem, so zu tun, als ob man sehr beschäftigt wäre. "Aus der Bore-Out-Falle wieder rauszukommen ist schwierig, denn anders als beim Burn-Out kommt nicht irgendwann der große Knall. Das ist ein ganz schleichender Prozess", sagt Petra Jagow.

Soll das alles sein?

Hilfreich kann es sein, sich im Gespräch mit Kollegen und vor allem mit dem Chef neue Aufgaben zu suchen. "Leider weiß ich aus meiner täglichen Arbeit, dass viele Chefs auf dem Ohr taub sind." Petra Jagow rät deswegen, sich zu überlegen, ob der Job eigentlich das richtige für einen ist. "Viele fragen sich irgendwann: Soll das alles gewesen sein?" Auch eine Fort- oder Weiterbildung kann helfen, neue Motivation für den Job zu entwickeln. Und das könnte auch im Interesse der Chefs sein: Das Potsdamer Gallup-Institut hat errechnet, dass der Wirtschaft jährlich rund 220 Millionen Euro Schaden durch niedrige Produktivität und fehlende Mitarbeitermotivation entstehen. Es könnte also durchaus auch im Interesse der Führungsetagen sein, dass Mitarbeiter weder ausbrennen noch sich zu Tode langweilen. Thomas Erfahrungen mit seinem Arbeitgeber waren da nicht sehr positiv: "Hier heißt es alles oder nichts. Langsam wieder in den Job einarbeiten war nicht drin. Aber immerhin hab ich ja gelernt, nein zu sagen."

Stand: 20.09.2007

PLAYLIST AKTUELL

Uhrzeit 17:05:13Uhr
InterpretKeri Hilson
Titel"I like"
Uhrzeit 16:56:43Uhr
InterpretCobra Starship
Titel"Good Girls Go Bad"

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