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BERUF

Guter Abgang

So übersteht ihr die letzte Woche im alten Job

Von Angie Reinhardt

Für die ersten 100 Tage im neuen Job gibt es Ratgeber en masse, aber keiner sagt einem, wie man die letzten sieben Tage beim alten Arbeitgeber übersteht. Hier kommen die besten Tipps für den stilvollen Abgang.

Was gehört alles zu einem rundum guten Abgang? Das haben wir die Karriere- und Berufs-Beraterin Gesa Ernst aus Düsseldorf gefragt. Hier ihre Antworten auf die häufigsten Fragen.

Vor der letzten Woche

Karte, Rechte: dpa Bild vergrößern

Schöne neue mobile Arbeitswelt: Für den Job von Köln nach Kiel, nach Berlin, nach Stuttgart, Leipzig, Ulm...

Frage 1: In welcher Reihenfolge informiere ich mein Job-Umfeld über meinen Weggang?
Als erstes muss der Chef informiert werden, alles Andere könnte zu hochnotpeinlichen Verwicklungen führen. Danach kann man den Kollegen Bescheid geben, mit denen man am engsten zusammenarbeitet - mit denen man den Schreibtisch oder das Büro teilt. Das können, müssen aber nicht zwingend die Kollegen aus der eigenen Fachabteilung sein.

Frage 2: Welche Sätze sollte ich mir in der Zeit vor meinem Abgang tunlichst sparen?
Selbst wenn der alte Job noch so genervt hat: Sprüche wie "Gut, dass ich hier endlich rauskomme" oder "Ein Wunder, dass ich's hier so lange ausgehalten habe" sind stillos und diskreditieren die Kollegen, die dableiben. Jeder ist seines Glückes Schmied.

Kollegen am Schreibtisch, Rechte: dpa Bild vergrößern

Sehr wichtig: Zeit genug für eine vernünftige Übergabe

Frage 3: Was muss ich bei der Übergabe beachten?
Frühzeitig planen! Viele denken viel zu spät darüber nach, welche Aufgabe wem übergeben werden könnte. Idealerweise macht man sich schon vor dem ersten Gespräch mit dem Chef Notizen zu einer möglichen Übergabe. Natürlich ist es im Endeffekt Chefsache, über die Details zu entscheiden, aber man zeigt mit so einem groben Plan bis zuletzt Umsicht und Verantwortungsbewusstsein.

Frage 4: Warum ist ein Abschied "im Guten" so wichtig - für meine Seele?
Forscher haben herausgefunden, dass die Psyche krank wird, wenn wichtige Dinge in der eigenen Biografie, also Lebensphasen, Beziehungen und eben auch alte Jobs, nicht richtig abgeschlossen werden. Mit einem Abgang "im Guten"  tut man sich also auch selbst einen Gefallen - das ist Seelenhygiene.

Frage 5: Und warum ist ein Abschied im Guten auch wichtig für meine Zukunft?
Weil man gerade im Berufsleben nie sicher weiß, ob man sich nicht doch ein zweites Mal trifft.

In der letzten Woche

Stromberg, Rechte: dpa Bild vergrößern

Ist garantiert unfähig zum Abgang mit Stil: Kult-Chef "Stromberg", gespielt von Christoph Maria Herbst

Frage 6: Wie verabschiede ich mich korrekt von meinen Kollegen?
Grundsätzlich sollte man den Gepflogenheiten in dem jeweiligen Unternehmen folgen. Recht üblich ist folgender Ablauf: Ihr geht zu den wichtigsten Kollegen und bedankt euch persönlich für die Zusammenarbeit und die gewonnene Erfahrung. Sollten Rundmails mit ein paar kurzen Dankesworten üblich sein, könnt ihr diese Mail gegen Mitte der letzten Arbeitswoche schreiben. Am Ende der letzten Arbeitswoche spendiert ihr dann einen kleinen Abschiedsumtrunk, der nicht zu lange dauern sollte. Wenn ihr dort ein paar kurze Sätze zum Abschied sagt, betont konsequent das Positive. Zeigt euch in Sachen Übergabe so kooperativ wie möglich und bietet an, auch über den letzten Arbeitstag hinaus für Rückfragen erreichbar zu sein. Und last not least – hinterlasst kein Chaos auf eurem alten Arbeitsplatz.

Kuchen, Rechte: dpa Bild vergrößern

Es muss keine Torte sein..

Frage 7: Wie verhält man sich als "Zurückgelassener" korrekt?
"Reisende soll man nicht aufhalten", sagt der Volksmund, also gilt auch für alle Zurückbleibenden: Bleibt freundlich, höflich, hilfsbereit und wünscht dem scheidenden Kollegen viel Glück für seine Zukunft. Speziell für Chefs gilt: Egal, wie ungünstig der Abgang des Mitarbeiters kommt – in so einer Situation die "beleidigte Leberwurst" zu spielen kostet wertvolle Punkte auf der Souveränitätsskala.

Frage 8: Wie reagiere ich, wenn mir der Chef und/oder die Kollegen den Weggang übel nehmen?
Siehe Antwort auf Frage 6: Bloß weil Andere sich stillos verhalten, müsst ihr das ja nicht auch tun.

Gerhard Schröder, Rechte: dpa Bild vergrößern

"I did it my way", sang Sinatra, und der scheidende Kanzler hatte Pipi in den Augen

Frage 9: Darf ich beim Abschiedsumtrunk dem Chef/den Kollegen endlich mal final die Meinung geigen? 
Nur wenn ihr vorhabt, die Branche zu wechseln und nach Neuseeland auszuwandern. Alle Anderen lesen bitte die Antwort auf Frage 5.

Frage 10: Darf ich beim Abschied heulen?
Ja. Definitiv. Das hat selbst Gerhard Schröder bei seinem Abschied als Bundeskanzler getan.

Frage 11: Muss ich zum Abschiedsumtrunk einen Kuchen backen?
Nur wenn ihr backen könnt. Sonst reichen auch ein paar Schokoküsse oder so.

Nach der letzten Woche

Frage 12: Darf man mich noch Wochen nach meinem Weggang anrufen und um Rat fragen?
Darf man. Man könnte sogar sagen: Wer nachher ständig angerufen wird, hat schlecht übergeben. Aber das hat natürlich auch Grenzen. Nach mehr als drei Monaten Telefonterror dürft ihr euch tot stellen – oder über eine neue Nummer nachdenken.

Stand: 27.06.2008

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