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BERUF
Von Angie Reinhardt
Für die ersten 100 Tage im neuen Job gibt es Ratgeber en masse, aber keiner sagt einem, wie man die letzten sieben Tage beim alten Arbeitgeber übersteht. Hier kommen die besten Tipps für den stilvollen Abgang.
Was gehört alles zu einem rundum guten Abgang? Das haben wir die Karriere- und Berufs-Beraterin Gesa Ernst aus Düsseldorf gefragt. Hier ihre Antworten auf die häufigsten Fragen.
Schöne neue mobile Arbeitswelt: Für den Job von Köln nach Kiel, nach Berlin, nach Stuttgart, Leipzig, Ulm...
Frage 1: In welcher Reihenfolge informiere ich mein
Job-Umfeld über meinen Weggang?
Als erstes muss der Chef informiert werden, alles Andere
könnte zu hochnotpeinlichen Verwicklungen führen. Danach
kann man den Kollegen Bescheid geben, mit denen man am engsten
zusammenarbeitet - mit denen man den Schreibtisch oder das
Büro teilt. Das können, müssen aber nicht zwingend
die Kollegen aus der eigenen Fachabteilung sein.
Frage 2: Welche Sätze sollte ich mir in der Zeit vor
meinem Abgang tunlichst sparen?
Selbst wenn der alte Job noch so genervt hat: Sprüche wie
"Gut, dass ich hier endlich rauskomme" oder "Ein
Wunder, dass ich's hier so lange ausgehalten habe" sind
stillos und diskreditieren die Kollegen, die dableiben. Jeder ist
seines Glückes Schmied.
Frage 3: Was muss ich bei der Übergabe
beachten?
Frühzeitig planen! Viele denken viel zu spät darüber
nach, welche Aufgabe wem übergeben werden könnte.
Idealerweise macht man sich schon vor dem ersten Gespräch mit
dem Chef Notizen zu einer möglichen Übergabe.
Natürlich ist es im Endeffekt Chefsache, über die
Details zu entscheiden, aber man zeigt mit so einem groben Plan bis
zuletzt Umsicht und Verantwortungsbewusstsein.
Frage 4: Warum ist ein Abschied "im Guten" so
wichtig - für meine Seele?
Forscher haben herausgefunden, dass die Psyche krank wird, wenn
wichtige Dinge in der eigenen Biografie, also Lebensphasen,
Beziehungen und eben auch alte Jobs, nicht richtig abgeschlossen werden. Mit
einem Abgang "im Guten" tut man sich also auch
selbst einen Gefallen - das ist Seelenhygiene.
Frage 5: Und warum ist ein Abschied im Guten auch
wichtig für meine Zukunft?
Weil man gerade im Berufsleben nie sicher weiß, ob man sich
nicht doch ein zweites Mal trifft.
Ist garantiert unfähig zum Abgang mit Stil: Kult-Chef "Stromberg", gespielt von Christoph Maria Herbst
Frage 6: Wie verabschiede ich mich korrekt von meinen
Kollegen?
Grundsätzlich sollte man den Gepflogenheiten in dem
jeweiligen Unternehmen folgen. Recht üblich ist folgender
Ablauf: Ihr geht zu den wichtigsten Kollegen und bedankt euch
persönlich für die Zusammenarbeit und die gewonnene
Erfahrung. Sollten Rundmails mit ein paar kurzen Dankesworten üblich
sein, könnt ihr diese Mail gegen Mitte der letzten
Arbeitswoche schreiben. Am Ende der letzten Arbeitswoche spendiert
ihr dann einen kleinen Abschiedsumtrunk, der nicht zu lange dauern
sollte. Wenn ihr dort ein paar kurze Sätze zum Abschied sagt,
betont konsequent das Positive. Zeigt euch in Sachen Übergabe
so kooperativ wie möglich und bietet an, auch über den
letzten Arbeitstag hinaus für Rückfragen erreichbar zu
sein. Und last not least
– hinterlasst kein Chaos auf eurem alten Arbeitsplatz.
Frage 7: Wie verhält man sich als
"Zurückgelassener" korrekt?
"Reisende soll man nicht aufhalten", sagt der
Volksmund, also gilt auch für alle Zurückbleibenden:
Bleibt freundlich, höflich, hilfsbereit und wünscht dem
scheidenden Kollegen viel Glück für seine Zukunft.
Speziell für Chefs gilt: Egal, wie ungünstig der Abgang
des Mitarbeiters kommt – in so einer Situation die
"beleidigte Leberwurst" zu spielen kostet wertvolle
Punkte auf der Souveränitätsskala.
Frage 8: Wie reagiere ich, wenn mir der Chef und/oder
die Kollegen den Weggang übel nehmen?
Siehe Antwort auf Frage 6: Bloß weil Andere sich stillos
verhalten, müsst ihr das ja nicht auch tun.
Frage 9: Darf ich beim Abschiedsumtrunk dem Chef/den
Kollegen endlich mal final die Meinung geigen?
Nur wenn ihr vorhabt, die Branche zu wechseln und nach
Neuseeland auszuwandern. Alle Anderen lesen bitte die Antwort auf
Frage 5.
Frage 10: Darf ich beim Abschied heulen?
Ja. Definitiv. Das hat selbst Gerhard Schröder bei seinem
Abschied als Bundeskanzler getan.
Frage 11: Muss ich zum Abschiedsumtrunk einen Kuchen
backen?
Nur wenn ihr backen könnt. Sonst reichen auch ein
paar Schokoküsse oder so.
Frage 12: Darf man mich noch Wochen nach meinem Weggang
anrufen und um Rat fragen?
Darf man. Man könnte sogar sagen: Wer nachher ständig
angerufen wird, hat schlecht übergeben. Aber das hat
natürlich auch Grenzen. Nach mehr als drei Monaten
Telefonterror dürft ihr euch tot stellen – oder
über eine neue Nummer nachdenken.
Jobs und mehrDas Dossier bei wdr.de
Kann man Gehalt eigentlich wirklich verhandeln?Stand: 27.06.2008
