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Von Insa Moog
Über HIV und Aids sind
viele Halbwahrheiten und Vorurteile im Umlauf. Ist Aids nun
eigentlich heilbar und bedeutet die Diagnose "Viruslast unter
der Nachweisgrenze" auch, dass jemand nicht mehr ansteckend
ist? Wie stehen die Chancen, als HIV-positive Frau ein
"negatives" Baby zur Welt zu bringen? Was hat Syphilis
mit HIV zu
tun, wie lang muss man warten, um einen HIV-Test machen zu
lassen und kann man sich beim Tätowieren infizieren? Die
Antworten gibt's im 1LIVE-Aids-ABC.
Q wie Quatsch und Vorurteile
HIV gehört zu den schwer übertragbaren Krankheitserregern. Die üblichen Hygienemaßnahmen in Haushalt, Krankenhaus, Arztpraxen, bei Akupunktur, Frisör, Maniküre, Pediküre, bei Piercing, Tätowieren, in Schwimmbad oder Sauna reichen aus, um das Virus unschädlich zu machen. Wegen zu geringer Virusmengen kann man sich über Urin, Kot, Speichel, Schweiß und Tränenflüssigkeit nicht anstecken. Immer noch gibt es viele Vorurteile. Die Wahrheit ist, mit HIV kann man sich nicht anstecken über: Händedruck, Umarmen, Küssen, Streicheln, Anhusten, Anniesen oder der Benutzung der selben Teller, Gläser, Bestecke, Toiletten, Handtüchern oder Bettwäsche. Auch beim Zusammenarbeiten und -wohnen, Betreuen oder Pflegen von Menschen mit HIV /Aids besteht keinerlei Ansteckungsgefahr. Nur, wer sich bestimmten >Risiken aussetzt, kann sich anstecken. Fakt ist: Aids sieht man nicht, Aids riecht man nicht, Aids schmeckt man nicht, gegen Aids ist trotz vielleicht gutem Gesundheitszustand niemand immun und Aids ist weiterhin unheilbar.
R wie Risiken
Besonders ansteckend sind Blut, Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit, Menstruationsblut, Muttermilch, die Darmschleimhaut, Eiter (bei vorhandenen Geschlechtskrankheiten), die Flüssigkeit in Herpesbläschen und Syphilisgeschwüre von HIV-Positiven, weil die Virusmenge hier besonders groß ist. HI-Viren sind nicht nur im Sperma, sondern auch schon im Lusttropfen enthalten. Wirksamen Schutz bietet nur Safer Sex mit Kondom. Für jede/n Partner/in ein neues Kondom. Keine der genannten Körperflüssigkeiten in Mund, Augen, andere Körperöffnungen oder offene Stellen gelangen lassen. Das Ansteckungsrisiko richtet sich vor allem danach, wie und wo jemand lebt und welche Möglichkeiten er/sie hat und wahrnimmt, sich zu schützen. Weitere Faktoren sind die Viruskonzentration (>Viruslast ), die Menge der infektiösen Flüssigkeit, die aufgenommen wird und die Dauer der Kontaktzeit.
S wie Syphilis
Die Syphilis ist eine von Bakterien verursachte, hoch-ansteckende und ebenfalls sexuell übertragbare Krankheit, die wieder auf dem Vormarsch ist. Unbehandelt verläuft eine Syphilis in drei Stadien. Symptome können, müssen aber nicht auftreten. Am Infektionsort bildet sich eine Hautverhärtung oder ein dunkelroter Fleck. Es folgen schmerzlose Lymphknotenschwellungen, eine Vielzahl weiterer Erscheinungen sind möglich. Ohne Behandlung kann sie zu schweren bis lebensbedrohlichen Schädigungen von Organen, Rückenmark oder Gehirn kommen. Syphillis-Erreger können durch direkten Haut- und indirekten Kontakt über Gegenstände mit infektiösen Körperstellen übertragen werden. Eine bestehende HIV- oder Syphilis-Infektion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Erreger der jeweils anderen Erkrankung leichter übertragen werden.
T wie Test
Ein HIV-Test ist erst drei Monate nach dem Risikokontakt aussagekräftig. So lang braucht der Körper, um Antikörper (Abwehrstoffe) gegen das Virus zu bilden. HIV-positiv ist man erst, wenn beim Such- und Bestätigungstest Antikörper gegen HI-Viren nachgewiesen werden konnten. Ein positiver HIV-Test sagt nichts darüber aus, ob und wann mit schweren Immunschäden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen zu rechnen ist. Ein negativer HIV-Test bedeutet ebenso wenig, dass man gegen HIV immun ist, sondern dass man diesmal Glück hatte, sich aber das nächste Mal infizieren könnte. Beim Gesundheitsamt kann man sich kostenlos und anonym testen lassen. Eine Beratung gibt's obendrauf.
U wie Umverteilung des Körperfetts (Lipodystrophie)
Die HIV-Infektion selbst oder auch die HIV-Medikamente können zu körperlichen Veränderungen führen. Bei einem kleinen Teil der Infizierten treten Umverteilungen des Körperfetts auf. Dabei kommt es zu einem abgemagerten Aussehen im Gesicht, gleichzeitig werden aber z.B. im Bauch- oder Nackenbereich vermehrt Fettpolster angesetzt. Diese >Nebenwirkungen treten vor allem bei älteren, heute weniger gebräuchlichen >Medikamenten auf. Die langfristigen Auswirkungen des Phänomens sind derzeit nicht bekannt. Fakt ist, ein abgemagertes Gesicht kann auch ganz andere Ursachen haben als eine HIV-Infektion, wie den normalen Alterungsprozess, Veranlagung oder andere Erkrankungen.
V wie Viruslast
Die Viruslast (Englisch: "viral load ") bezeichnet die Anzahl der Viren im Blut. Wenn die Viruslast im Blut sehr hoch ist, wird das Immunsystem stärker geschwächt. Um den Verlauf einer HIV-Infektion, den Zustand des Immunsystems, die Wirkung und Verträglichkeit der gegebenen Medikamente zu überwachen, werden bei Betroffenen in regelmäßigen Abständen Blutuntersuchungen durchgeführt. Wenn mit den heutigen Messmethoden keine Viren im Blut mehr nachgewiesen werden können ("unter der Nachweisgrenze"), sagt das nichts darüber aus, wie hoch die Virusmenge beispielsweise im Sperma ist, sondern nur, dass die Menge der HI-Viren im Blut so gering ist, dass der Test sie nicht mehr erfassen kann. Diese Werte sind reine Momentaufnahmen. Die Viruslast kann sich bei einer Erkältung oder Magen-/Darmgrippe kurzfristig wieder erhöhen. Eine geringe Viruslast kann ein Ansteckungsrisiko senken, niemals aber ausschalten!
W wie Wunderheilung gibt's nicht
Auch wenn die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt, ist der/die HIV-Positve nicht "virusfrei". Trotz der guten Therapiemöglichkeiten sind HIV und Aids weiterhin unheilbar.
X wie X-Faktor
Eine HIV-Infektion kann man niemandem direkt ansehen. Wer meint, "kränkliches Aussehen" sei ein eindeutiges Anzeichen für eine HIV-Infektion, der irrt sich. Genausowenig kann "gesundes Aussehen" eine Sicherheit geben. Gerade Menschen, die besonders frisch infiziert sind und noch nichts von der Infektion wissen, sind besonders ansteckend. Beim Sex mit Unbekannten auf das eigene Bauchgefühl oder die Ehrlichkeit des Anderen zu vertrauen und auf Safer Sex zu verzichten, heißt, sich einem ungewissen Ansteckungsrisiko auszusetzen.
Z wie Zahlen
In Deutschland sind vor allem Männer, die Sex mit Männern haben (nicht alle davon bezeichnen sich auch offiziell als schwul), Migrant(inn)en aus Weltregionen mit besonders starker HIV-Verbreitung, sowie Drogengebraucher/innen infiziert. Ende 2006 leben ca. 11.900 Menschen mit HIV/Aids in Nordrhein-Westfalen. Nach Infektionsrisiko unterschieden sind dies:
ca. 7.100 Männer, die Sex mit Männern haben
ca. 1.300 Personen mit heterosexuellen Kontakten
ca. 1.900 Personen mit Migrationshintergrund, die sich bereits in ihren Herkunftsländern infiziert haben
ca. 1.400 Drogengebraucher
ca. 150 Infizierte durch Bluttransfusionen
ca. 80 Infizierte durch Mutter-Kind-Übertragung
Die Zahlen beruhen auf Statistiken und Schätzungen des Robert-Koch-Instituts. Da es aber sowohl regional wie auch Betroffenengruppen-bedingte Ungleichverteilungen in der Meldepraxis und tatsächlichen Erfassung von HIV-Infektionen gibt, sind die Schätzung teilweise mit Unsicherheit behaftet und könnten vor allem bei der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund noch höher liegen.
Stand: 17.07.2007
