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GESUNDHEIT

"Positiv" leben und darüber sprechen

Wer berät und aufklärt

Von Insa Moog und Till Opitz

Auch wenn die Zahl der Aids-Toten in Deutschlad im vergangenen Jahr gesunken ist: HIV bleibt ein lebensgefährlicher Virus. Und das Wissen, HIV-positiv zu sein, bedeutet nach wie vor einen tiefen Einschnitt, löst Ängste und manchmal Depressionen aus. Wichtige Ansprechpartner für Infizierte und ihre Angehörigen sind die örtlichen Vertreter von gemeinnützigen Vereinen und Selbsthilfegruppen. Neben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind es daher vor allem Organisationen wie die Deutsche Aids-Hilfe (DAH), die informieren, aufklären und beraten.

Aids schmeckt man nicht., Rechte: Aids-Hilfe Köln Bild vergrößern

Aids schmeckt man nicht.

"Aids gab's für mich nur in Afrika oder in den 1980er Jahren. Habe mir gedacht, guckst du dir die Leute vorher halt genau an. Leider ist das voll nach hinten losgegangen." Tom (Name geändert), 21, aus dem Ruhrgebiet, ist HIV-positiv. Er hat es vor einem halben Jahr erfahren, als er wegen einer anderen Krankheit zum Arzt ging. Der Azt stellte fest, dass Toms Immunsystem geschwächt war und empfahl ihm deshalb einen HIV-Antikörpertest. Das Ergebnis: Tom ist HIV-positiv.

"Dass da was im Busch war, habe ich schon geahnt. Doch kurz nachdem ich das Ergebnis bekommen hatte, stand ich erst mal unter Schock. Eine Woche später bin ich zusammengebrochen, zum Glück habe ich in meinem Freundeskreis sehr viel Halt und Unterstützung erfahren." Tom hat sich dann auch professionelle Hilfe bei einer Aidshilfe geholt und besucht heute eine Gesprächsgruppe von HIV-Positiven.

Kostenloser "AIDS-Test"

Heidi Eichenbrenner, Aids-Hilfe Köln

...über den HIV-Antikörpertest

Wer eine HIV-Infektion befürchtet, weil man zum Beispiel ugeschützten Sex hatte, kann sich durch einen HIV-Antikörpertest (umgangssprachlich 'AIDS-Test') Gewissheit verschaffen. Dazu wird etwas Blut abgenommen und in einem Labor untersucht. Der Test wird von den meisten Gesundheitsämtern in Nordrhein-Westfalen kostenlos und anonym angeboten. Das Ergebnis bekommt man in der Regel wenige Tage später.

Da die Nachricht einer Infektion folgenreich sein kann, sollte man sich am besten schon vor dem Test professionell beraten lassen. Anlaufstellen sind neben den Gesundheitsämtern auch die örtlichen Aids-Hilfen. Hier finden vor allem Aufklärung über die Krankheit, Beratung, Betreuung und Versorgung von Betroffenen statt. Und man bekommt auch Informationen zu speziellen Hilfsangeboten. Zum Beispiel für junge Schwule, heterosexuelle Positive oder zum Netzwerk HIV-positiver Frauen.

Tests sind keine Blankoschecks

Regelmäßige HIV-Antikörpertests bieten übrigens keinen Schutz vor HIV, wenn man sich weiter Ansteckungsrisiken aussetzt. Ein HIV-Test kann vielmehr die Chance eröffnen, über den eigenen Status Bescheid zu wissen, um frühzeitig zu handeln.

Der Welt-Aids-Tag

Den Welt-Aids-Tag gibt es seit 1988. Immer am 1. Dezember. Am Welt-Aids-Tag sollen Verantwortliche aus Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft - weltweit - daran erinnert werden, dass das HI-Virus noch längst nicht besiegt ist.

Wichtig ist, dass zwischen dem Zeitpunkt, zu dem ein Ansteckungsrisiko bestanden hat und der Abgabe einer Blutprobe mindestens drei Monate liegen. Erst dann hat unser Körper eine ausreichende Anzahl von Antikörpern gebildet, die dann im Falle einer bestehenden Infektion im Blut nachgewiesen werden können. Allgemein gilt: Je später eine HIV-Infektion entdeckt wird, desto schlechter sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Neben dem HIV-Antikörpertest gibt es in Essen beim Gesundheitsamt und in Köln beim Verein "Checkpoint" neuerdings auch die Möglichkeit, einen HIV-Schnelltest zu machen. Dieser war lange umstritten, weil er auch falsche positive Ergebnise liefern kann. Auch hier kann man sich vor dem Test beraten lassen. Das Ergebnis gibt es schneller als beim HIV-Antikörpertest, nach circa einer halben Stunde. Das Ganze erfolgt anonym, persönliche Daten brauchen nicht angegeben zu werden. In Köln kostet der Test zehn Euro.

HIV und der Job

Aids sieht man nicht., Rechte: Aidshilfe Köln Bild vergrößern

Aids sieht man nicht.

Eine HIV-Infektion sieht man heute meistens niemanden mehr an. Dank der verschiedenen Therapien sind die typischen äußeren Krankheitserscheinungen, wie völlige Abmagerung sowie Hauterkrankungen, weitestgehend verschwunden. Trotzdem kämpfen viele HIV-Positive mit Nebenwirkungen. Diese reichen von Durchfall bis zu einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko. "Am Anfang habe ich durch die HIV-Medikamente Durchfall bekommen, jetzt nehme ich ein zusätzliches Medikament und kann eigentlich ganz normal arbeiten", berichtet Tom.

Ein Job und geregelte Alltagsstrukturen unterstützen sogar die pünktliche Einnahme der Tabletten. Aus Gründen des Datenschutzes muss man den Arbeitgeber auch nicht über eine HIV-Infektion informieren. Auch Tom verschweigt im Büro seine Krankheit, weil er Angst vor Diskriminierung hat. Heidi Eichenbrenner von der Aids-Hilfe Köln kennt die Probleme am Arbeitsplatz: "Es ist manchmal noch so, dass Kollegen oder Arbeitgeber Ängste entwickeln. Da hat sich seit den 1980er Jahren nicht viel geändert. Obwohl Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten weitgehend bekannt sind - wenn man mal persönlich mit jemandem Kontakt hat, wird es plötzlich kritisch und viele fangen wieder an zu überlegen: 'Stimmt das eigentlich alles, was ich über Aids weiß?'" In diesem Fall kann die Aids-Hilfe aktiv werden, Fortbildungen abhalten und Gespräche mit Betroffenen, Kollegen und/oder Arbeitgebern führen, denn nicht jeder ist gleich aufgeklärt. "Das tödliche Aids gibt es so nicht mehr, wohl aber die Stigmatisierung und Ausgrenzung", so Eichenbrenner.

Große Präventions-Kampagnen

Heidi Eichenbrenner, Aidshilfe Köln

...über die Bedeutung von Aufklärung

Im Jahr 2008 hat die Deutsche Aids-Hilfe das Webportal "Ich weiß, was ich tu" ins Leben gerufen. Die Seite richtet sich speziell an schwule und bisexuelle Männer, die nach wie vor eine der Hauptbetroffenengruppen darstellen. An die gesamte Bevölkerung richtet sich die "Gib Aids keine Chance"-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), die 2008 mit weiteren Gemüse-Motiven an den Start ging. Über Gurken, Porree und Co abgerollte Kondome sollen daran erinnern, dass Kondome am besten vor HIV schützen.

Geplant sind künftig auch Kampagnen, die über andere sexuell übertragbare Krankheiten aufklären, sagt die BzgA-Chefin Elisabeth Pott: "Wir beobachten in letzter Zeit einen Anstieg anderer sexuell übertragbarer Krankheiten, wie zum Beispiel der Syphilis. Wen man so eine andere sexuell übertragbare Krankheit hat, ist die Gefahr einer HIV-Übertragung um ein Vielfaches erhöht." Und auch Promis unterstützen den Kampf gegen AIDS: Anni Friesinger, Samy Deluxe und Philipp Lahm werben im aktuellen Spot der BzgA zum Weltaidstag für Safer Sex.

Schwierig gestaltet sich der Kontakt zu Menschen, die sich in ihren Herkunftsländern angesteckt haben und bereits infiziert nach Deutschland kommen. Kulturelle und Sprachbarrieren erschweren hier oft die Aufklärungsarabeit. Drogenkonsumenten können heute in jeder größeren Stadt an bestimmten Ausgabestellen steriles Spritzbesteck abholen. Die meisten Kampagnen und Präventionsmaßnahmen setzen aber bisher bei der Aufklärung und Information über Safer Sex bei homo- und heterosexuellen Kontakten an.

Die örtliche Aids-Hilfe erreicht man unter der einheitlichen Telefonnummer 19411.

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Stand: 26.11.2008

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Uhrzeit 09:26:06Uhr
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Uhrzeit 09:24:23Uhr
InterpretMr Hudson feat. Kanye We
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