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MAGAZIN
Von Angie Reinhardt
Fernsehen kann wehtun: Draußen ist Biergartenwetter, doch man sitzt mit ein paar trash-erprobten Leuten vor der Glotze und beobachtet VIVA-Maus Gülcan Karahanci (24) und Bäcker-Erbe Sebastian Kamps (25) dabei, wie sie ihre Hochzeit zu Markte tragen.
Das ist schlimm genug - noch schlimmer allerdings ist, dass man dann noch nicht einmal Trash serviert bekommt! Stattdessen sieht man vor allem Mutter und Oma Kamps dummschwätzen, Gülcans Terrier "Chappi" durchs Bild hopsen - und Gülcan selbst, wie sie versucht, sich den Düsseldorfer Schnösel Sebastian Kamps schönzureden ("Hihi, so kurz nach dem Aufstehen, da ist er ein richtiger kleiner Teufel").
Gülcan über ihren "kleinen Teufel"
Sebi Kamps sieht aus wie ein schlaffer Händedruck und trägt Polohemden mit hochgestelltem Kragen. Er hat mal Bäcker gelernt, ist von Beruf aber vor allem Sohn. Seine Vorstellung von Freiheit und Abenteuer erschöpft sich in einer Autorallye, die sein ebenso schnöseliger Kumpel Dennis für den Hersteller eines Energydrinks veranstaltet. Wenn er Gülcan küsst, tut er das mit spitzen Lippen. Die schwärmt vor laufender Kamera, beim Heiratsantrag sei er "so süß wie ein Hamster" gewesen. Und auf seiner eigenen Hochzeit könnte er sofort als Bauchtänzer auftreten.
Wen stört's, er ist schließlich Millionenerbe, gell?
Sebis Papa Heiner Kamps tauchte bei "Gülcans
Traumhochzeit" bisher zwar nicht auf, dafür ist sein Geld
umso präsenter. In der Luxuswohnung des Pärchens mit der
goldverzierten Versace-Essgruppe und den Sofas aus Zebrafell. Im
Kö-Blond der frisch gesträhnten Mutter Petra Kamps. Im
Verhalten des Sohnes, der vermutlich deshalb so fürchterlich
nuschelt, weil jemand vergessen hat, dem Jungen endlich mal den
Goldlöffel aus dem Mund zu nehmen.
Man hockt also feist im Millionärsviertel Oberkassel,
hält die Kamera drauf und sucht händeringend nach Dramen.
Dafür ist Mutter Kamps zuständig, die Kassandra der
Serie. Im Penthouse gibt's Wasserflecken an der Decke? Eine
tickende Zeitbombe, "man weiß ja nie, was da dann noch
alles runterkommt: Schimmel! Tiere!" - Der Sohnemann hat eine
dicke Backe? Ab in die Klinik, denn "Oh Gott, das kann alles
sein! Eine Zyste! Ein Tumor!" – Was? Die Backe ist nur
'ne Mittelohrentzündung? Petra Kamps weiß es besser:
"Das geht erst ins Ohr, dann ins Gehirn, und dann wird's
böse!"
Kaum sind diese bangen Momente überstanden, droht schon das
nächste Unglück: Gülcans Clan reist an zur
großen Familienzusammenführung. Fatma und Kemal
Karahanci sind nette Leute, sie wohnen in Travemünde in einer
profanen Etagenwohnung und hoffen, dass sie vor der Kamera nicht
allzu verstört wirken. Die Karahancis sind stinknormal –
und sie sind Türken.
Meine Güte, was soll man denen bloß kochen?! Oma Kamps,
immer für einen Witz gut, schlägt "Königsberger
Klopse" vor. Andererseits: "Die essen ja vielleicht nicht
alles", und dann muss man "den Rest wegwerfen".
Schwierig, Schwierig. Auch wenn man sich im Hause Kamps gern
hemdsärmelig gibt ("Es muss ja nicht immer
maßgeschneidert sein, man kann auch einfach mal auf der
Kö einkaufen") alles hat Grenzen – auch die
Integration: "Ich hab' mal einen Japaner zum Essen da
gehabt, das war das Letzte." Na denn prost Mahlzeit und
"sayonara" bis nächste Woche.
Ergebnis einer garantiert unrepräsentativen Blitzumfrage unter anwesenden Mitguckern: "Gülcan & Sebi" sind ungefähr so spannend wie Wasserflecken in Oberkassel. Die Serie ist ein spießiger Abklatsch der "Osbournes" und "Hogans" und noch nicht einmal unfreiwillig komisch. Selbst Sarah Connor und ihr Boygroupie waren besser. Klar, "Chappi" hätte die Show noch retten können - aber die Töle pinkelt kein einziges Mal in die Ecke.
Stand: 20.06.2007
