Skiplinks / Sprungmarken


Sie befinden sich hier: WDR.de 1LIVE Magazin My Second 1LIVE







SERIE

My Second 1LIVE

Folge 2: "Saving Private Ewing"

Von Angie Reinhardt

Ich bin Gina Ewing, ich bin für euch in 'Second Life' und zwei Wochen alt. Gestern hielt man mir eine Knarre an den Kopf. Und jetzt frage ich mich: Wie sicher ist mein zweites Leben?

Second Life, Rechte: WDR / Lindenlab Bild vergrößern

Gina Ewing, virtuelle 1LIVE Reporterin, riskiert ihr zweites Leben

Flammen überall, dazu das Rattern von Maschinengewehren. Der Boden vibriert vom Donnern unsichtbarer Explosionen, verwirrte Avatare flüchten ins Freie, wo sie von schwarzen Käfigen wie Schmetterlinge eingefangen und kilometerweit ins Nichts geschleudert werden. Irgendjemand brüllt einen Fluch. Es herrscht Panik.

Ein ganz normaler Tag in einem Gratiswarenhaus in Second Life. 

"Du kannst einen Avatar nicht töten oder verletzen. Du kannst ihn schlimmstenfalls erschrecken", hatte man mir versichert, als ich vor zwei Wochen als "Gina Ewing" in Second Life wiedergeboren wurde. Prinzipiell stimmt das auch – doch hält das die "dunkle Seite der Macht" nicht davon ab, uns auch das zweite Leben schwer zu machen.

Second Life, Rechte: WDR / Lindenlab Bild vergrößern

Wohin du auch gehst, Schmutz und Schund sind schon da.

Es gibt in Second Life Orte und Gruppen, von denen du dich besser fernhältst. Weil man dir da den Spaß verdirbt: Es nervt, wenn dein Avatar alle zwei Minuten festfriert, erblindet oder "stirbt" und für längere Zeit aus dem Spiel fliegt. Weil du dort abgezockt wirst: Prostitution und Glückspiel werden von Mafiabanden kontrolliert, blauäugige "Newbies " mit hinterlegter Kreditkarte sollen an virtuellen Spieltischen schon Tausende realer Dollar verloren haben. Weil deine Seele dort Schaden nehmen kann: Glaub mir, du schläfst besser ohne das Wissen, woran sich mancher Avatar aufgeilt – beziehungsweise sein Meister hinter der Pixelmaske. Und vielleicht dein Nachbar.

Böse kleine Skripte

Die größte Bedrohung sind Mafiosi und "Griefer" ("Spielverderber") allerdings für Shopbesitzer und andere Kleinunternehmer. Wenn dir jeder Hacker das Geschäft kaputt machen kann, indem er über ein böses kleines Skript deine Ladentür darauf programmiert, potenziellen Kunden ins Gesicht zu knallen, hört der Spaß auf. Und wo sich - wie in Second Life - virtueller und realer Geldfluss mischen, schadet er deinem Geldbeutel damit auch ganz direkt. 

Second Life, Rechte: WDR / Lindenlab Bild vergrößern

Dumm gelaufen: Gina will ein Motorrad klauen und landet - in der Hölle.

Es wird geschätzt, dass in virtuellen Welten wie Second Life maximal drei Prozent der User als "Griefer" ihr Unwesen treiben. Diese drei Prozent können jedoch ganze Kontinente lahmlegen, wie beispielsweise im Herbst 2006, als ein bösartiger Wurm mehrere Cyber-Quadranten, bestückt mit 5 Millionen Objekten, für Stunden crashte - inklusive allen virtuellen Lebens, welches sich dort tummelte. Nur wenige Wochen später dann das mittlerweile berühmte Penis-Attentat auf die Immobilienqueen Anshe Chung: Bei einer virtuellen Pressekonferenz wurde die erste Second-Life -Millionärin plötzlich von einem ganzen Schwarm fleischfarbener Dildos attackiert. Zugegeben: Subversive Aktionen wie diese entbehren nicht einer gewissen Komik. Chung fand es nicht so witzig. Und ob die hundert Avatare gelacht haben, die bei einem Grieferstreich Anfang Januar ihrer teuren Designerklamotten verlustig gingen und - so nackt wie Lindenlab sie schuf - durch die Landschaft irrten, ist nicht überliefert.

Entblöße ich mich im "Real Life" meist zum Vergnügen und immer aus freien Stücken, muss ich in der Parallelwelt mächtig leiden: Gina wurde in ihrem jungen Leben schon beschimpft, begrabscht, geschubst und beschossen. Einmal wurde sie gelähmt und stand wie eine Ölgötze in einem Stripclub herum, weil den Besitzern Ginas Filmerei nicht passte.  Ein andermal landete sie in einem Folterkeller, wo sie erst auf den zweiten Blick erkannte, dass dort in trautem Einvernehmen gequält wurde. Wie oft sie unbeteiligt in Schießereien marodierender Gangs geriet oder grundlos gepackt und durch die Luft geschleudert wurde, weiß sie nicht mehr. Sie war sogar in der Hölle. Jetzt geht sie nur noch bewaffnet "inworld". 

Gina rüstet auf

Second Life, Rechte: WDR / Lindenlab Bild vergrößern

"Hey! Terrorize this!"

Waffenhandel boomt in Second Life. In einer Welt ohne Polizei oder Gerichte regiert in vielen Bereichen das Gesetz der Wildnis - der virtuelle "Tod" kann hinter jeder Straßenecke lauern. Einfache Waffen gibt es schon kostenlos: Gina hat sich in dem anfangs erwähnten Gratiswarenhaus eingedeckt und trägt jetzt in finsteren Ecken wie "Carduccis Ghetto" oder den Kampfzonen "Jessie " und "Rausch" ein römisches Kurzschwert. Sollte das nicht reichen, kann sie mit einem schnellen Griff in die Hosentasche zur Kalaschnikow oder Panzerfaust wechseln.

Fortgeschrittene tragen statt sichtbarer Waffen einen Schutzschild aus verborgenem Code. Ansonsten gibt es schlichtweg alles, was in der Geschichte der wirklichen Welt jemals als Waffe benutzt wurde. Dazu ein paar extrafiese Werkzeuge, die nur jenseits physikalischer Grundgesetze funktionieren - dort dafür umso eindrucksvoller.

Stalinorgel, Sprengstoffgürtel, Atombombe oder Giftgas: "You name it, we've got it." Jeder Warlord Afrikas wäre entzückt über die schier grenzenlose Produktvielfalt auch des popeligsten "Armory Shop" in Second Life.

Second Life, Rechte: WDR / Lindenlab Bild vergrößern

Gewalt regalmeterweise

Das Metaversum rüstet und formiert sich: Wer in der Suche Begriffe wie "Army" oder "Police" eingibt, erhält jeweils mehrere Dutzend Einträge zu Gruppen, die gern Ordnungshüter spielen. Als coolste Truppe gilt derzeit das "Police SWAT" und wer etwas länger sucht, entdeckt sogar die "Modern German Army". Neben reinen Juxpolizisten gibt es auch noch die Kämpfer mit Mission: Derzeit macht die "Second Life Liberation Army" (SLLA) Schlagzeilen. Die virtuelle Terroristentruppe sieht sich als Befreiungsorganisation und fordert politische Rechte für Avatare: "The only response to injustice is to fight!" Um dem Nachdruck zu verleihen, zündete die SLLA vor ein paar Monaten unter großem Medien-Tamtam zwei virtuelle Atombomben vor den Second-Life-Filialen von Reebok und American Apparel.

Second Life, Rechte: WDR / Lindenlab Bild vergrößern

Emblem der "Second Life Liberation Army"

Wer Atombomben hat, den muss man ernstnehmen – das sehe ich im zweiten Leben nicht anders als im ersten. Also ließ ich Gina beim Hauptquartier der SLLA anklopfen mit dem vagen Plan, einmal als "embedded journalist" eine ähnliche Aktion zu begleiten. Es ist nämlich auch im Sinne der filmischen Dokumentation meines zweiten Lebens äußerst lästig, nächtelang mit offenem Objektiv hinter irgendeinem Avatar in martialischer Aufmachung herzuschleichen - immer in der Hoffnung, dass er vielleicht zufällig auf dem Weg zu einem kleinen Weltkrieg ist und man ein paar gute Bilder bekommt. Und dann geht Terminator meditieren oder in den Zoo!

Second Life, Rechte: WDR / Lindenlab Bild vergrößern

Monster und Rebellen

Die "Second Life Liberation Army" hatte leider bis auf weiteres geschlossen. Aber ein Monster, das ich zufällig vor dem Tor traf, entpuppte sich als sehr hilfsbereit und zeigte Schauspieltalent: Ich hielt die Kamera drauf, zählte bis drei - und es rannte mich um.

Stand: 08.03.2007

PLAYLIST AKTUELL

Uhrzeit 16:36:11Uhr
InterpretDonots
Titel"Calling"
Uhrzeit 16:31:29Uhr
InterpretOwl City
Titel"Fireflies"

AKTION

Gewinne für's Leben

Schuh; Rechte: WDR, Schenk

Schokolade, Jeans, Cabriolet... 1LIVE schenkt Lebensrationen. Anrufen! [Gewinnen]


SENDUNGEN

1LIVE Sportplatz

Fußballplatz; Rechte: dpa

Ob Bundesliga, Trendsport oder Arschbomben-WM: Der 1LIVE Sportplatz hält euch auf dem Laufenden. [mehr]


1LIVE SCHULDUELL

Holt Silbermond an eure Schule

Silbermond; Rechte: Olaf Heine

Den ganzen Tag sitzen: im Unterricht oder zu Hause am Schreibtisch. Dazu Klausuren und Referate. Höchste Zeit für eine Auszeit. Gewinnt das 1LIVE Schulduell und holt Silbermond an eure Schule! [Zur Anmeldung]


1LIVE FERNSEHER

Fragenhagel

Uwe Wöllner im 1LIVE fragenhagel; Rechte: WDR

Nicht groß nachdenken, blitzschnell antworten: Darum geht's beim 1LIVE Fragenhagel. [Videos]


KINO/DVD

Läuft!

Kinosaal; Rechte: WDR

Unsere 1LIVE-Kinoexperten versorgen euch jede Woche mit den neusten Kinofilmen und DVDs. [mehr]


BLOG

Der Kiwi-Blick

Collage: Louisa vor Blog-Grafik; Rechte: WDR

1LIVE-Reporterin Louisa von Reumont kommentiert aus Neuseeland das Geschehen im Sektor. [mehr]



Skyline Mediapark mit 1LIVE Logo; Rechte: 1LIVE/WDR

Startseite WDR.de

1LIVE/WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.

©WDR 2010