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MAGAZIN

Pauken mit dem Pixel-Professor

In Second Life gibt es jetzt eine Uni

Von Boris Inanici

Rauschende Partys, heiße Flirts und clevere Geschäftsideen – alles virtuell, alles im Netz - das ist Second Life. Zumindest sind das die News, die bisher aus der virtuellen Parallelwelt zu uns durchgedrungen sind. Doch aufgepasst, jetzt hält der Ernst des Lebens - des wahren Lebens - Einzug: Ein Hochschul-Dozent hat eine Universität in die virtuelle Parallelwelt gesetzt. Wer virtuell feiern kann, kann schließlich auch virtuell lernen.

Figur in Second Life, Rechte: Linden

In Second Life kann jeder das Aussehen seines Charakters designen.

Abends, wenn die echte Mensa dicht macht, und auch der letzte Student aus dem Koma erwacht, wechselt Bernd Schmitz die Welten. Der Medienwirtschafts-Dozent unterrichtet im "ersten Leben" an der Rheinischen Fachhochschule in Köln - und jetzt auch im "zweiten" in Second Life. Seine Studenten in der virtuellen Welt sind die gleichen wie im normalen Leben, natürlich auch mit einem "zweiten Ich".

"Ein richtiger Hörsaal"

Die Vorlesungen finden in einer durchgestylten Uni statt, die Bernd Schmitz selbst designt hat. "Wir haben einen relativ schönen Ebenholz-Hörsaal der treppenförmig von oben nach unten runter führt. Ich habe unten ein kleines Podium, wir haben eine Beamer-Wand, ich habe ein Pult. Ein richtiger Uni-Hörsaal, so wie man sich einen Uni-Hörsaal vorstellt", beschreibt er seinen virtuellen Arbeitsplatz.

Die Studenten haben mehrere Möglichkeiten sich mit dem Pixel-Professor zu unterhalten. Am einfachsten geht es über die Tastatur, per Messenger oder aber auch per Headset. Der virtuelle Körper von Bernd Schmitz steht mit einem Mikro in der Hand auf dem Podium und erzählt etwas über Medienwirtschaft. Jeder kann jeden sehen und wer etwas sagen will, muss aufzeigen – so wie in der Uni. Nur: Das Ganze ist ein bisschen abgefahrener als im echten Hörsaal.

Rauchende Drachen im Hörsaal

Studenten in Second Life, Rechte: Linden

Das Leben in Second Life kann gemütlich sein.

Holger Sistig alias Carlo Cannonbal ist Student im 4. Semester und kommt mit seinen in Second Life gekauften Lackschuhen zum Unterricht. "Das ist natürlich sehr skurril", sagt Carlo, "der eine hat sich gerade in einen Drachen verwandelt, ich verteile Cocktails, andere Leute stecken sich eine Zigarre an!" In dem Fall greift der Dozent natürlich ein. Denn geraucht werden darf auch im virtuellen Hörsaal nicht. "Andererseits", meint Carlo, "ist die ganze Nummer aber auch wiederum gar nicht skurril." Es seien halt irgendwie doch echte Unterhaltung, echte Meinungen und vor allem echte Menschen hinter den Avataren.

Theoretisch könnten die "echten" Unis auf der "echten" Welt dicht machen. Das Second-Life-Programm bekommt jeder ganz einfach im Netz. Alles, was im normalen Unterricht geht, geht auch in Second Life. "Usergeneriertes Web" ist das Zauberwort. Jeder, der Second Life spielt, entwickelt die virtuelle Welt interaktiv weiter. Das einzige Problem ist das noch relativ jungfräuliche Programm. Bernd Schmitz hat für den aktuellen Stand der Technik einen schönen Vergleich: Second Life sei im Moment so ausgereift wie das alte BTX im Vergleich zum heutigen Internet. Second Life steckt also noch in den Kinderschuhen.

Marktforschung in der Parallelwelt

Die wichtigen Vorlesungen finden deshalb schon noch im richtigen Leben, an der richtigen Uni statt. Bisher gab es eher so etwas wie Nachhilfestunden im Netz.

Für die Zukunft kann sich Bernd Schmitz aber auf jeden Fall vorstellen, Klausuren in Second Life schreiben zu lassen, oder seine Studenten zur Marktforschung durch die Second-Life-Welt zu schicken. Auch Filme können die Studenten mit der richtigen Software in Second Life drehen. "Es gibt wirkliche Lernaufgaben. Lerngruppen können sich in der Hochschule treffen, eine Aufgabe erledigen und diese dann wiederum anderen Studenten in Second Life präsentieren – wie im echten Leben", schwärmt Schmitz.

Eine Frage bleibt am Ende allerdings ungelöst: Was wird aus den Studenten ohne Caféten-Kaffee und echtes Mensa-Essen? Pixelige Kohlrouladen könnten auf Dauer ein wenig fad schmecken.

Stand: 12.01.2007

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Uhrzeit 12:10:38Uhr
InterpretThe Raconteurs
Titel"Steady as she goes"
Uhrzeit 12:10:26Uhr
InterpretTrain
Titel"Drops of Jupiter (Tell me)"

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