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TV-KRITIK
Von Angie Reinhardt
In Berlin wird der "Echo 2008" verliehen und die Gästeliste ist lang: Kylie Minogue, James Blunt und Herbert Grönemeyer kommen, Nelly Furtado auch - und man munkelt, dass die einen Echo schon sicher hat. Ob's stimmt? 1LIVE-Onlinerin Angie Reinhardt sieht zu und tickert - in jeder Werbepause gibt's hier ein Update.
18:30 Uhr: Die Glotze ist an, der Rechner summt, die Salzstangen stehen bereit und Frauke Ludowig füllt bereits RTL-Sendezeit, indem sie jeden, aber auch wirklich jeden (Gülcan! Dschungelcamp-Isabel!!) vom roten Teppich zerrt und nach seinem Befinden fragt - die Verleihung des ECHO 2008 kann also kommen. Statt Bierchen gibt's diesmal literweise Kaffee: Der Spaß zieht sich bis fast Mitternacht, und das ist auch für Profi-Gucker eher Langstrecke. Aber wenigstens die öden Werbepausen fallen diesmal weg - da wird nämlich hier getickert, was das Zeug hält.
Jetzt geht's los...
20:35 Uhr(sogar noch vor der ersten Werbepause): Olli "hallo, grüß dich" Geissen begrüßt uns, Co-Moderatorin Nazan Eckes (in schwarzer Tüllgardine) lächelt glamourös, die Kameras rotieren routiniert um die blau schillernde Bühne - soweit, so Award-Show-Standard.
Dann, ratzfatz, kommen wir auch schon zur ersten Kategorie "bester Künstler international" - schade, der geht nicht an All-Star-Produzent Timbaland, sondern an... James Blunt! Was der in seiner Dankesrede auf Deutsch zu sagen versucht, versteht kein Mensch. Naja, wenigstens hat er's gelassen, "Yaahu-hu-hu-hu-huu!" zu singen, oder wie sein aktueller Heuler heißt. Als Pausenclown kommt dann der unvermeidliche Michael Mittermaier, seine Witze ranken sich fast ausschließlich um RTL-Formate, und das Ganze ist viiiiel zu lang....
20:55 Uhr (sagt mal, haben die die Werbung abgeschafft?!!): Mark Medlock! Mark Medlock ist "bester Newcomer des Jahres" - unser Superbobbelsche. Der schreit "Ich hab des Drecksscheißding verdient!" ins Mikro und bedankt sich mit Pipi in den Augen bei "Dietersche" Bohlen mit einer Rede, die wahrhaft "gefühlsschwanger" ist. Muss Liebe schön sein. Danach geht's aber auch sofort weiter, Nebel wabert, Lichter werden geschwenkt, das Schokotörtchen der Saison Leona Lewis schmettert "Bleeding love". Nächster Pausenclown: Wasser-im-Zahn-Paul Panzer.
21:14 Uhr: Während die Werbespots flimmern, muss ich mich noch von diversen Schocks erholen - Schock 1: DJ Ötzi ist bis jetzt Abräumer des Abends, er holt nicht nur den Echo als "bester Künstler" in der Schlager-Sparte, nein, sein "Stern, der deinen Namen trägt" wird auch noch "Hit des Jahres". Dann Schock 2: Bushido gewinnt seinen dritten Echo in Folge ("da hab ich was mit Grönemeyer gemeinsam") und dankt ... seiner Mama. Schock 3: James Blunt singt doch "Yaahu-hu-hu-hu-huuu". Der Song heißt eigentlich "The Same Mistake", ich werde nie mehr denselben Fehler machen und das vergessen.
21:20 Uhr: Laudator Olli Pocher, verkleidet als Britney-Comeback-Klon im schwarzen BH und Hotpants, zeichnet die Fantastischen Vier als "beste Gruppe national" aus. Pikantes Detail dazu: Noch kurz vor der Preisverleihung kritisierte Smudo von den Fantas die Echo-Show als "Schickimicki-Popgala" und sagte gegenüber der BILD-Zeitung: "Seit RTL die Veranstaltung überträgt, geht es beim Echo mehr um Fernsehen als um die Musik. Vielleicht sollte man auch mal die Moderatoren auswechseln."
21:30 Uhr: Ich nehm alles zurück: James Blunt ist ein netter Kerl, er sieht gut aus, er kann mit einer Gitarre umgehen und zumindest sein erster Hit "You’re Beautiful" war echt okay. Warum also haben sie nicht James gebeten, ein ganzes Medley seiner Hits zu singen - warum DJ Ötzi!!?
21:50 Uhr: Kylie Minogue (mit glattgebügelten halblangen Haaren seltsam gealtert) bringt endlich mal ein bisschen Glamour in die bis jetzt ohne große Höhepunkte dahinplätschernde Veranstaltung. Dann kommt (wieder) Grönemeyer und eine lange, laaange Laudatio von Ralph Siegel an Dieter Thomas Heck der einen "Sonder-Echo" bekommt.
22:15 Uhr: Dieter Thomas Heck bekommt immer noch seinen Sonderpreis - währenddessen tröten im Hintergrund die ganze Zeit die Echo-Award-Fanfaren, die RTL entweder bei "Gladiator" oder "Star Trek Voyager" geklaut hat.
22:30 Uhr: Nach kurzer Werbepause wieder
zurück. Zwei Schnuckelmädels (Soapies?) in modischen
Hängerchen präsentieren den Echo für das
"beste Musikvideo" - der geht nicht an die Fantas,
nicht an die Beatsteaks, sondern an ... Tokio Hotel und ihr Video
zu "Spring nicht". Tokio Hotel grüßen nur
kurz und lässig per Video-Botschaft aus "El
Äii", wo sie grad auf Tour sind, dafür
müssen wir uns dann aber auch das Video nicht
ansehen.
22:44 Uhr: "Prinzesschen" LaFee gewinnt
den Echo in der Kategorie "Künstlerin national",
freut sich riesig und küsst Laudator Matthias
Schweighöfer (wieder mal sehr niedlich mit seinen
blonden Locken), als hätten die beiden schon mal mehr als ein
paar nette Worte gewechselt, huiii! Aber leider, grad wo's mal
spannend wird, schalten die schon wieder Werbung...
23:00 Uhr: Jetzt ist die Jazz-Ecke dran. Präsentiert wird sie von Roger Cicero, der in seiner Laudatio fast verzweifelt immer wieder betont, dass die nominierten Jazzer alle "riesige Hallen" füllen und auch "total sexy" sein können. Hey Roger, lass das doch: Jede Frau, die Augen im Kopf hat und Preisträger Till Brönner sieht, weiß das auch so! Und das sogar, ohne eine einzige seiner Platten zu hören (und sorry, auch ohne, dass sexy Till mal wieder sein Hemd fast bis zum Nabel aufknöpft).
23:06 Uhr: Owei, grad haben die Kastelruther Spatzen ihren Volksmusik-Echo bekommen und jetzt soll Mark Medlock seinen neuen Hit singen - bitte nicht böse sein, aber für Langstecken-TV-Gucker ist das die Gelegenheit, um mal eben auf's stille Örtchen zu flüchten...
23:20 Uhr: Wir kommen zum Ende der Show: Standing Ovations für Rolf Zuckowski, den meisten von uns noch aus frühester Kindergartenzeit als "Rolf und seine Freunde" kennen. Zuckowski bekommt den Echo für sein Lebenswerk - und ich den ollen Ohrwurm "all das mag ich ... und ganz doll mich" nicht mehr aus dem Kopf.
23:40 Uhr: So, Schluss jetzt, die Show ist
vorbei, die Promis hauen ab zur Aftershow-Party und auch die
härtesten Profi-Gucker werden mal müde. Fazit: Eine
Familien-Show war dieser "Echo 2008" schon - von Tokio
Hotel bis Dieter Thomas Heck war für alle Generationen
was dabei. Aber der Glamour, der fehlte irgendwie. Eine Leona Lewis ist eben keine Beyoncé, ein Bushido kein
Kanye
West.
Und, bitte: Wer sich jetzt wundert, wo denn
Künstler X oder Kategorie Y in diesem Ticker abgeblieben ist,
warum denn der tolle Auftritt von Z hier nicht auftaucht oder was
auch immer, dem sei versichert - sorry, dahinter steckt keine
böse Absicht, das sind nur leichte Ausfälle beim
hektischen Tippen. Alle Details, alle Gewinner und alle Bilder von
der Verleihung (auch das ganz fiese Bild von Olli Pochers
Speckröllchen) gibt es aber hier auf 1LIVE.de in der
Bildergalerie "Echo '08 - die Gewinner" - gleich.
Stand: 15.02.2008
