Skiplinks / Sprungmarken
1LIVE FERNWEH
Von Steffi Lachnit
So stellt man sich den Job eines Reiseführer-Autors vor: Er jettet um die Welt, testet angesagte Clubs und chillt an den schönsten Stränden Probe. "Damit ist es natürlich nicht getan", rückt Johannes Beck das Bild von seinem Berufsstand zurecht. Aber wie entsteht er dann, der Reiseführer?
Johannes Beck schreibt seit seiner Studentenzeit für den Müller-Verlag. Sein Auftrag: Den Reiseführer für Lissabon und Umgebung frisch und aktuell zu halten. Das macht der Kölner alle zwei Jahre und mittlerweile arbeitet er an der fünften Auflage seines Reiseführers. "In der Erstausgabe – obwohl es nur eine einzige Stadt ist - stecken mindestens sieben Monate Arbeit. Und für jede Neuauflage bin ich immer mindestens vier Wochen in der Stadt", erklärt der freie Buchautor und Journalist. Dass er von zu Hause übers Internet immer wieder Fahrpläne von Bussen recherchiert und Hotelpreise nachprüft, gehört zum Job dazu.
Das Buch schreibt der Autor. Der Verlag bringt es heraus. Ob alle Angaben darin korrekt sind, ist Vertrauenssache. "Es wäre unmöglich, ja unbezahlbar, wenn der Verlag nochmal alles gegen checken würde", weiß Johannes. Prüfer gibt es dennoch: Die Kunden. Sie mailen den Autoren, sobald ihnen eine fehlerhafte Angabe auffällt. "Bei mir beschweren sich die Leser zum Beispiel, wenn die Fahrpreise um fünf Cent angehoben werden. Kostet die Busfahrt jetzt 1,30 und nicht mehr 1,25 Euro, dann bekomme ich schon Zuschriften", erzählt er.
Michaela Lienemann: "Wir vertrauen unseren Autoren."
Welcher Club cool genug fürs Buch ist, welches Hotel die schönste Aussicht hat und wo man den frischesten Fisch auf den Teller bekommt, das entscheiden die Autoren. Das Prinzip gilt sowohl bei den detailverliebten Reiseführern Marke Rucksackreise, wie auch bei den handlichen Trend- und Szeneguides.
Marktführer Marco Polo ist bekannt für seine Insider-Tipps. Auch die liefern die Autoren und sind nicht etwa von den gelisteten Clubs oder Restaurants erkauft, versichert Chefredakteurin Michaela Lienemann. "Unsere Autoren empfehlen nach dem Motto: rein kommt, was ich meinem besten Freund empfehlen würde. Und 80 Prozent unserer Autoren leben in dem Land über das sie schreiben und wir vertrauen ihnen."
Doch natürlich vertraut ein großer Verlag nicht nur auf den Geschmack des Autors. Dahinter steckt auch professionelle Marktforschung. Die findet heraus, wer wie reist. Mit dem Wissen werden Reiseführer ganz gezielt auf die gewünschte Zielgruppe hin getextet und gelayoutet.
Ein Reiseführer wird selten zum Bestseller. Entsprechend ist der Verdienst. Denn entweder bezahlt der Verlag ein fixes Honorar für jede Neuauflage oder der Autor erhält eine Verkaufsbeteiligung. So läuft das bei Johannes. Er erhält pro verkauftem Buch gut einen Euro und im Schnitt werden rund 7.000 Exemplare eines Müller-Reiseführers aufgelegt.
Das bedeutet für Johannes zwar einige Tausend Euro Umsatz. Doch davon gehen die gesamten Reisekosten, die Spesen und das Testen der Restaurants oder das der Clubs ab. "Ich selber probiere jedes Restaurant, das ich empfehle, auch selbst aus. Das heißt, ich habe mindestens einmal dort gegessen. Das ist nicht unbedingt Standard bei allen Reiseführern, auch nicht bei meinem Verlag. Aber ich versuche für mich selber ein möglichst authentisches Bild zu übermitteln", meint Johannes Beck, "und ich glaube, das geht auch nur, wenn man wirklich mal dort war."
Stand: 19.05.2008
