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Obama Superstar?

Sieben Erfolgsfaktoren führen zum Kult

Von Angie Reinhardt

Da kommt ein US-Präsidentschaftskandidat nach Berlin, und Deutschland flippt aus. Barack Obama ist derzeit Medienthema Nummer eins, seine geplante Rede vor der Berliner Siegessäule wird stärker gehypt als ein Live-Aid-Konzert und es scheint fast, als wollten viele den "schwarzen Kennedy" am liebsten gleich hier behalten und gegen Angela Merkel eintauschen.

Barack Obama, Rechte: dpa Bild vergrößern

Barack Obama

Bei soviel Begeisterung quer durch alle Lager ist die Frage berechtigt: Was hat Barack Obama, was andere nicht haben? Was ist das Geheimnis seines Erfolges? Warum wirkt er auch in Deutschland so stark? Was macht ihn zum Polit-Popstar? Wir haben Experten gefragt - und am Ende stehen sieben Erfolgsfaktoren:

1. Popstar-Faktor: Leistung

Barack Obama, Rechte: dpa Bild vergrößern

Barack Obama

Barack Obama ist ein Selfmademan. Als Sohn eines Kenianers und einer Amerikanerin auf Hawaii geboren, wuchs er in bürgerlichen Verhältnissen auf und arbeitete sechs Jahre lang als Sozialarbeiter in Chicago, bevor er den Sprung an die Elite-Universität Harvard schaffte (Jura-Abschluss "summa com laude") . "Obama hat von Anfang an außergewöhnliche Leistung gezeigt", bestätigt der Soziologie-Professor und Obama-Experte Harald Wenzel von der FU Berlin, "er hat für diesen Erfolg sehr hart gearbeitet."

Fast alle großen Idole verfügen ebenfalls über den Popstarfaktor "harte Arbeit", darunter zum Beispiel die bekennenden Workaholics Olli Kahn, Bill Gates  und Madonna.

2. Popstar-Faktor: Anderssein

Barack Obama, Rechte: dpa Bild vergrößern

Jung, schwarz, Demokrat - Obama ist anders.

Barack Obama  ist anders als alle US-Präsidentschaftskandidaten zuvor - und das ist seine Stärke. Sandra Paule von der Künstleragentur "above the line", die unter anderem Stars wie Armin Rohde, Detlev Buck oder Nadia Uhl vermarktet, weiß auch warum: "Ein Manko macht unverwechselbar, und ein hoher Wiedererkennungswert ist heutzutage nicht nur bei Künstlern Gold wert." Barack Obama steht für das Anderssein, den "Change " mit seinen Slogans, seiner Biografie, seiner ganzen Person. Da sein Vater jedoch Kenianer, kein Afroamerikaner war, kann er sich gleichzeitig außerhalb der in den USA immer noch heiklen Rassenthematik bewegen. "Er ist eben kein lebendes Mahnmal für die Opfer der Sklaverei", sagt Obama-Experte Wenzel, "und das macht ihn zum stärkstmöglichen schwarzen Kandidaten."  

Andere, die ebenfalls trotz/dank ihres "Andersseins" zum Star wurden: Amy Winehouse, Kate Moss, David Bowie.

3. Popstar-Faktor: Glaubwürdigkeit

John F. Kennedy, Rechte: ap Bild vergrößern

Vorbild für Obama: Kennedy vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin 1963.

Eine der kostbarsten Raritäten im Polit-Business, die hofft man bei Barack Obama zu finden: Glaubwürdigkeit! Künstleragentin Sandra Paule spricht aus, was viele denken: "Der Mann hat so etwas Grundehrliches an sich. Man nimmt ihm ab, was er erzählt." Harald Wenzel bringt als Beispiel Obamas konsequente Ablehnung des Irak-Kriegs und bescheinigt ihm ebenfalls ein "hochkonsistentes Verhalten" - will heißen, da tut einer auch, was er verspricht. Ob Obama diesen strikten Kurs jedoch auch als "Mr. President " durchhalten kann, bezweifelt selbst der Experte. "Da wird es in den ersten 100 Tagen sicher Enttäuschungen geben."

Unter den Pop-Größen leben vom Erfolgsfaktor "Glaubwürdigkeit" vor allem Sänger wie Sting und Bono, die Neo-Feministin Charlotte Roche - und alle Gitarrenbands vor dem ganz großen Durchbruch.

4. Popstar-Faktor: Überlebensgröße

Barack Obama, Rechte: afp/Khuzaie Bild vergrößern

"Lichtgestalt" Obama

Menschen lieben Märchen - und "der amerikanische Traum" ist das größte Märchen unserer Zeit. Barack Obama verkörpert diesen Traum von der Machbarkeit des eigenen Schicksals und wird so zum mythischen Helden. "Bigger than life ": Darauf stehen die Amerikaner - und nicht nur die.  

Überlebensgröße ist ansonsten eigentlich eher eine Domäne alter Hollywoodlegenden, kubanischer Revolutionäre und 80er-Pop-Idole: Frank Sinatra, Che Guevara, Michael Jackson und Prince.   

5. Popstar-Faktor: Telegenität

Obama-Besuch, Rechte: dpa Bild vergrößern

Perfekte Show: Obamas Berlin-Besuch

Smart, attraktiv, sexy: So wird der Medienliebling Barack Obama von Experten beschrieben. Und Obama kennt seine Wirkung genau, auch bei seiner Rede vor der Siegessäule werden er und sein "exzellenter Stab" wieder alles daran setzen, vor allem im Fernsehen zu punkten. "Achten Sie mal auf Obamas Körpersprache", sagt Harald Wenzel. "Seine Gestik ist betont ruhig und reduziert, genau wie übrigens seinerzeit auch die Gestik von John F. Kennedy. Das ist Absicht. Denn was bei den Zuhörern vor Ort in Berlin vielleicht etwas statisch rüberkommt - wirkt optimal auf das Multimillionenpublikum vor den TV-Bildschirmen daheim in den USA."

In der heutigen Medienwelt geht in Sachen Prominenz nichts mehr ohne entsprechende Telegenität, einzelne Beispiele hervorzuheben erübrigt sich also.

6. Popstar-Faktor: Hohe Identifikation

Barack Obama, Rechte: dpa Bild vergrößern

Einer von uns, mitten unter uns.

"Barack ist einer von uns", sagen viele US-Amerikaner. Barack, das ist der Halb-Kenianer, der mit einem indonesischen Stiefvater in Jakarta und Hawaii aufwuchs. Der als Moslem geboren wurde und dann zum Christentum konvertierte. Der zu seiner "wilden Jugend" steht - Experimente mit Drogen inklusive. Barack Obama ist also zugleich "bigger than life" und trotzdem ein ganz normaler Mensch voller Schwächen und Fehler - das macht ihn zur perfekten Identifikationsfigur.

"Einer von uns": Diese Karte zücken bevorzugt linke Politiker und Castingshow-Gewinner. Und mit diesem Etikett kickten sich Lukas Podolski und "Basti Schweini" Bastian Schweinsteiger in den Rang echter Fußballidole.

7. Popstar-Faktor: Coolness

Barack Obama, Rechte: ap/Anonymous Bild vergrößern

Obama bewahrt immer Haltung.

Tja, Coolness - wie definiert man die? Charisma, Ausstrahlung, dieses "je ne sais quoi" lässt sich kaum erklären. Der Soziologe Harald Wenzel versucht es trotzdem: "Wer cool ist, strahlt aus, dass er mit allem, was da kommen mag, emotional fertig wird. Coolness ist Contenance, Haltung - und diese Haltung hat Barack Obama bisher in allen schwierigen Situationen stets gewahrt." Für Obamas Rede vor der Berliner Siegessäule hat Wenzel trotzdem einen coolness-bewahrenden Tipp: "Er wird sicher etwas direkt zu den Berlinern sagen wollen - und das sollte er lieber nicht auf Deutsch versuchen."

Weitere Träger der begehrten Auszeichnung "King of Cool" waren bisher unter anderem die Schauspieler Steve McQueen und Michael Caine sowie die Jazz-Legenden Miles Davis und Chet Baker.

Mehr zum Phänomen Barack Obama:

Stand: 24.07.2008

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Uhrzeit 16:36:11Uhr
InterpretDonots
Titel"Calling"
Uhrzeit 16:31:29Uhr
InterpretOwl City
Titel"Fireflies"

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