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SPECIAL
Von Stephanie Lachnit
Sie sind jung und interessieren sich für EU-Politik. Damit sind diese 24 eine Ausnahme. Denn die Mehrzahl der Jungwähler wird am 7. Juni 2009 vermutlich wieder nicht zur Wahl erscheinen. Schlecht, dachten die 24 und wollten was unternehmen. Also wurden sie zu Machern und haben den Wahl-O-Mat in Europa-Edition entworfen.
Wahl-O-Mat: Ab 11. Mai online
Den Wahl-O-Mat gibt es schon länger. Erfunden haben ihn die Niederländer, bevor er erstmals 2002 zur Bundestagswahl adaptiert wurde. Die Idee war damals bis heute, Parteiprogramme spielerisch vorzustellen.
Und das geht so: Der Wahl-O-Mat fragt nacheinander rund 40 politische Thesen ab. Sie handeln vom Ausstieg aus der Atomkraft bis hin zur Speicherung biometrischer Daten. Der User entscheidet per Mausklick ob er zustimmt, dagegen ist oder keine klare Meinung hat, also neutral dazu steht. Jede Antwort wird mit den Programmen der Parteien abgeglichen und am Ende erscheint eine Wahlempfehlung.
"Der Wahl-O-Mat ist ein Spiel und damit eine sehr einfach Form, um mal ein Parteiprogramm zu lesen", erklärt Peter Laffin. Er ist einer der 24, kommt aus Bad Honnef, ist gelernter Veranstaltungskaufmann. Insgesamt drei Mal hatten sich die 18- bis 26-Jährigen getroffen, um Parteiprogramm zu wälzen und griffige Thesen zu formulieren. 86 gingen am Ende per Post zu den Parteien, mit der Bitte um Stellungnahme.
Ende April: Das dritte und letzte Treffen der jungen Wahl-O-Mat Redaktion in Bonn. "Heute sind wir hier, um eine letzte Auswahl von 40 knackigen Thesen zu treffen", sagt Peter.
Die Gruppe steht vor drei Flipcharts, bepinnt mit zahlreichen Karteikarten, darauf die Thesen: Wahlrecht ab 16, EU-weites Tempolimit, aktive Sterbehilfe, zurück zur D-Mark. Welche bleibt, welche fliegt? Die Köpfe rauchen, die Luft ist dünn. Doch eines fällt auf: es wird sachlich diskutiert und rasch entschieden. Das fordert Kompromissbereitschaft.
Diskussionprotokoll: "Verschuldungsfrage. Das ist Maastrich. Raus oder rein?" - "Ich bin dafür!" - "Flugbenzin. Ich bin immer noch für Flugbenzin. Echt, das ist so eine gute These!" - "Aber warum denn?" - "Das weiß doch jeder, dass mein Flug billiger wird, wenn keine Steuer drauf ist." - "Ich würd die lieber raus lassen!" - "Und die D-Mark-These? Die ist doch reiner Populismus." - "Raus!"
"Wir müssen jetzt die auswählen, die besonders klar formuliert sind, aber auch dazu dienen, dass man eine Partei von der anderen unterscheiden kann", erklärt Peter. Und das ist knifflig. Denn erstmals will der Wahl-O-Mat alle 32 Parteien berücksichtigen. Zwei Statistiker und ein Politikprofessor helfen den 24 Jungredakteuren die sinnvollste Auswahl zu treffen.
Nach über fünf Stunde ist es geschafft, jetzt noch rasch die Reihenfolge bestimmen und auf zum Zug, nach Hause, quer durch Deutschland. Eine Erkenntnis nimmt Peter mit: "Es kam vor, dass wir eine These eins zu eins aus einem Parteiprogramm übernommen haben, weil sie so perfekt formuliert war. Im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass die zitierte Partei ihrer These nicht einmal zustimmt." Die Wahl-O-Mat-Macher haben also offenbar einen besseren Überblick über die Programm als manche Partei - und wieder bestätigen die 24 eine Ausnahme.
Stand: 05.05.2009
