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Das Ende der Show

20 Jahre "Nevermind"

Von Jochen Schliemann

Nirvana heißt "Nevermind" heißt Seattle heißt Grunge. So wird es zum 20-jährigen Jubiläum des Albums vielerorts gesagt werden. Dabei stand das Album stellvertretend für eine Bewegung von Bands, die so viele Emotionen in Rockmusik packten, wie kaum jemand vor ihnen. 1LIVE-Redakteur Jochen Schliemann über Bedeutung und Folgen von "Nevermind".

Nevermind Cover, Rechte: UniversalBild vergrößern

Cover: "Nevermind"

Ich weiß noch, was neben unseren Plattenspielern und CD-Playern stand, als wir das erste Mal das fast schon türkise Cover mit dem Baby unter Wasser und dem Dollarschein am Angelhaken in den Händen hielten. Guns'N'Roses, Metallica, Depeche Mode, Faith No More, Dead Kennedies, The Cure hießen unsere Lieblingsbands, aber nichts war wie das. Nichts klang so klar und doch so schmutzig, nichts hat uns derart aus den Sitzen gerissen und traf uns mitten ins Herz, obwohl wir die Texte nicht verstanden. "Nevermind" bestimmte von diesem Moment an unseren Alltag. Schul-Partys wurden damit gesprengt, die Haare wachsen gelassen, die Songs gelernt - denn schwer zu spielen waren sie nicht. Aber irgendwie ist trotzdem nie zuvor einer auf sie gekommen.

"Nevermind" füllte eine Lücke

"Nevermind" füllte rückblickend eine erstaunlich offensichtliche Lücke. Vorher bedeutete erfolgreicher Rock entweder Metal oder Dicke-Hose-Stadionrock. Auf der einen Seite standen Slayer und Metallica, auf der anderen posierten Aerosmith und Bon Jovi. Klar gab es Indie- oder Punk-Bands wie die Melvins, Pixies, Mudhoney, aber die fanden in bestimmten Szenen statt. Klar gab es Pop, Techno, Indie, aber in Sachen harter Musik? Schien alles, was nicht plakativ war, zum Nischendasein verdammt. "Nevermind" änderte das. Es gab Abende, da sprang die Nadel auf der Platte innerhalb von zehn Sekunden bis zum Ende der Seite, weil komplette Disco-Säle gleichzeitig ausrasteten, als die ersten Töne von "Smells Like Teen Spirit" ertönten. Sogar der bis dahin allmächtige Michael Jackson wurde von Platz eins der Charts gekickt.

Eine neue Musikwelt

Vor allem aber öffnete "Nevermind" das Tor zu einer neuen Musikwelt, eben jener, der irgendwann das Prädikat "Grunge" aufgedrückt wurde und deren Vorreiter allesamt aus Seattle stammten. Angefangen natürlich bei Nirvana. Hinzu kamen Pearl Jam, deren Debütalbum "Ten" sogar einen Monat vor "Nevermind" erschien. Soundgarden veröffentlichten "Badmotorfinger", und es gab Alice In Chains, die vierte große Band aus Seattle: dunkel, psychedelisch und mit einem fast größeren Einfluss als Nirvana. Metallica, Queens Of The Stone Age - alle nennen sie Alice In Chains Album "Dirt" als eines ihrer wichtigsten.

Introvertiertes Seattle

Kurt Cobain, Rechte: WDRBild vergrößern

Kurt Cobain

Was aber eint all diese Bands, wenn es schon nicht der von den Musikern selbst verpönte Begriff Grunge ist? Ihre Herkunft Seattle, eine verregnete Stadt im Nordwesten der USA. Und sonst? Es ist auf jeden Fall etwas, das nicht leicht in Worte zu fassen ist. Vielleicht ist es das Ende der Show. Ein Haufen Künstler, die man auf der Straße nie als solche erkannt hätte, die auf der Bühne genauso aussahen wie abseits davon und dennoch so viele Emotionen in Rockmusik packten wie kaum jemand anderes. Und es waren nicht nur plakative Gefühle wie Hass, Liebe oder Freude. Wer diese Platten heute hört, hört suchende Menschen, (ver-)zweifelnde Menschen, mal euphorische Menschen. Das Entscheidende war, dass Seattles Bands diese Emotionen zuließen und sie mit einer musikalischen Leidenschaft auslebten, als gäbe es kein Morgen.

Erst seit Seattle, so scheint es manchmal, kann eine Rockband wirklich machen, tragen, singen und hören, was sie will. Dass all das zu einem Trend wurde, dass Klamottendiscounter fortan Karohemden und kaputte Hosen in Massen absetzten, dass es in Frauen- und Jugendzeitschriften den "Grunge"-Look zum Selbermachen gab, dass in den Folgejahren zunächst in den USA und dann weltweit Bands mit genau diesem Sound auftauchten, war nicht überraschend: Die Musikindustrie hat bisher noch jeden Trend ausgeschlachtet. Neu war aber, dass damit exakt das Gegenteil passierte von dem, was das introvertierte Seattle auszeichnete. Die schlichte Haltung, einfach so zu sein wie man ist, wurde hochstilisiert zu einer Uniform. Uniforme Musik, uniforme Kleidung, uniforme Menschen. Kategorisiert, Mainstream. Wenn eine Lady Gaga heute mit der Medienwelt spielt, wenn Britpop-Künstler sich damals gut anzogen oder sich asozial benahmen, selbst wenn Metal-Bands ganz bewusst gegen die Norm wettern - es ist immer noch ein offensiverer Umgang mit Öffentlichkeit als Seattle in seinen Anfangstagen, in denen schlaksige Typen mit abgehangenen Klamotten sich einzig durch die Musik auszeichneten.

Verweigerung, Exzesse und Trennungen

Seattle wehrte sich gegen den Mainstream und das Beschreien einer Szene. Nirvanas Musik wurde immer sperriger (die Folge war unter anderem das tolle Album "In Utero"), als wollten sie ihre Fanschar gewaltsam verkleinern. Alice In Chains machten immer weniger Musik zusammen und wenn dann extrem dunkle. Teile der Band flüchteten in Drogenexzesse. Pearl Jam gaben schon seit ihrem zweiten Album, verschreckt vom Medienrummel, keine Interviews mehr und drehten keine Videos. Und Soundgarden lösten sich 1997 im Streit auf. Sie waren nicht die einzigen, die den Kampf irgendwann verloren. Nirvanas tragische Geschichte ist bekannt. Auch Alice-In-Chains-Sänger Layne Staley wurde im April 2002 tot in seiner Wohnung gefunden. Er war an einer Überdosis gestorben, und wurde erst Wochen nach seinem Tod entdeckt. Lediglich Pearl Jam existieren noch. Vielleicht weil sie sich so sperrten. Abseits der Hitparaden und Medien genießen sie mit einer treuen Fanschar als einzige ein Leben als Band. Die Auswirkung dieser Musikrevolution Anfang der Neunziger sind bis heute zu spüren. Der Preis dafür war hoch. Dabei wollten alle Beteiligten eigentlich nur so sein wie sie sind.

Drei ebenfalls essentielle Platten der "Seattle"-Zeit

Screaming Trees: "Sweet Oblivion"
Die fünfte Band der Seattle-Zeit, oft vergessen, weil sie schlicht nicht so griffig war, aber mit einem Mann am Mikro, der bis heute beeindruckt. Mark Lanegan, später Queens-Of-The-Stone-Age-Mitglied und viel beachteter Solo-Künstler mit einer unfassbar tiefen Stimme.

Temple Of The Dog: "Temple Of The Dog"
Die unfreiwillige All-Star-Band Seattles. Noch vor der Explosion nahmen Soundgarden- und Pearl-Jam-Mitglieder dieses Album für ihren verstorbenen Freund Andrew Wood (Sänger von Mother Love Bone) auf. Eine melancholische, bewegende Platte.

Mad Season: "Above"
Die verspätete All-Star-Band Seattles. Angeführt von Alice-In-Chains-Sänger Layne Staley und begleitet von Pearl-Jam- und Screaming-Trees-Mitgliedern, ist das hier eine sehr ruhige, teils dunkle Platte, die von der breiten Masse kaum wahrgenommen wurde.

Stand: 22.09.2011

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