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Musik | Extras
Von Jochen Schliemann
Als Nirvanas "Nevermind" vor genau 20 Jahren im Jahr 1991 erschien, war das eine Revolution. Michael Jackson wurde von Platz eins verdrängt, Rockstars durften fortan aussehen wie normale Menschen, das Ende der Show war endlich da, doch bei aller Feierei: Ein wenig überstrahlen Nirvana den Rest eines Jahres, das auch in vielerlei anderer musikalischer Hinsicht wichtig war.
So wurden 1991 die Weichen gestellt für einige der heute größten Bands der Welt. Und damit sind nicht nur Seattle-Acts wie Nirvana, Pearl Jam oder Soundgarden bzw. Chris Cornell gemeint. Ebenfalls erschien das so genannte "schwarze Album", genauer gesagt "Metallica", das fünfte Album einer bis dato zwar bereits in ihrer Szene großen, aber eben auch progressiven, epischen Extrem-Band, die zu sperrig war für die breite Masse.
Erst mit "Metallica" machten Metallica Heavy Metal salonfähig. Sie suchten neue Wege und fanden harte aber schlüssige Songs, die jeder begreift. Wie "Enter Sandman" oder natürlich "Nothing Else Matters", eine der wenigen Balladen, die bis heute nicht nerven. Bis heute verkaufte sich die Platte weit über 20 Millionen Mal.
Auf ihrer dreijährigen Tour spielten Metallica unter anderem zusammen mit einer Rockband, die ebenfalls 1991 ihr üppigstes und, was keiner wissen konnte, letztes ernstzunehmendes Werk veröffentlichte. "Use Your Illusion" Teil 1 und 2 von Guns N' Roses erblickte die Welt. Für die im Hardrock beispiellose Kreativität auf diesen beiden Platten spricht auch der Umstand, dass die Band sich danach Stück für Stück auflöste und die Posse um den Nachfolger "Chinese Democracy" begann, das erst 17 Jahre später, 2008, veröffentlicht werden sollte – und maßlos enttäuschte.
Einen Wendepunkt in ihrer bis dato eher überschaubaren Karriere erfuhren 1991 auch R.E.M.. Die Band um Sänger Michael Stipe gab es bereits damals schon seit mehr als zehn Jahren, über lange Zeit hatte sie sich einen hervorragenden Ruf in der Indie-Szene erarbeitet. Doch dann, 1991, kam "Losing My Religion". Ein schlichtes, eigentlich recht trauriges Lied ohne wirklichen Refrain wurde zum Welthit. "Out Of Time" heißt das dazugehörige Album und bietet mit "Shiny Happy People" einen weiteren Song, den jeder kennt. Seit dieser Platte gehörten R.E.M., bis zu ihrer Auflösung dieses Jahr, zu den größten Bands der Gitarrenwelt.
In Los Angeles wurde derweil eine Platte aufgenommen, die eine weitere Band, die es schon länger gab und irgendwie ganz gut war, zu einer der bis heute eigenständigsten und besten machte: "Blood Sugar Sex Magik". Die Red Hot Chili Peppers wagten den Schritt aus dem Funk in Richtung Popsong und eroberten mit "Give It Away" und "Under The Bridge" den Planeten.
Ebenso stellten die Smashing Pumpkins aus Chicago ihr Debütalbum "Gish" fertig. Und in Kalifornien veröffentlichte eine Combo namens Kyuss ihr erstes Album "Wretch", um das Genre des Wüstenrock zu definieren. Kopf der Band war ihr Gitarrist: Josh Homme, heute Queens-Of-The-Stone-Age-Frontmann, Arctic-Monkeys-Produzent und bessere Hälfte von Dave Grohl, der wiederrum, ohne dass die beiden sich damals bereits kannten, gleichzeitig mit Nirvana durchstartete.
Selbst der Hype, der nach Grunge kommen sollte, fand 1991 seine Anfänge. Während sich Oasis 1991 formierten, brachte eine kleine britische Band namens Blur ihr Debütalbum "Leisure" heraus. Damon Albarn ist heute Kopf der Gorillaz. Nur ein paar Kilometer weiter, im englischen Küstenort Portishead bei Bristol, veröffentlichen Massive Attack ihr Debüt "Blue Lines", welches als eines der innovativsten und grundlegendsten Elektronik-Alben aller Zeiten gilt und den Startschuss für TripHop und Künstler wie Portishead oder Tricky markierte.
Auch in Sachen HipHop tat sich einiges. So erschien mit "The Low End Theory" von A Tribe Called Quest eines der besten Alben dieses Genres. Auf der poppigen Seite erblickte Naughty By Natures Hit "OPP" das Licht der Welt, Cypress Hill veröffentlichten ihr Debüt-Album, mit "De La Soul Is Dead" erschien ein weiterer Meilenstein des Genres, und – auf keinen Fall zu vergessen – auch in Deutschland machte HipHop die ersten Schritte. Bereits 1991 erschien "Jetzt geht's ab", das Debütalbum von vier Spacken namens Die Fantastischen Vier - bestimmt nur ein Strohfeuer, oder? Und nicht zu vergessen: Selbst die vermeintlich größte Band der Welt überstand ihre größte Krise 1991 – in Berlin. U2 schrieben "Achtung Baby".
Stand: 13.12.2011
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