Skiplinks / Sprungmarken
Musik | Extras
Von Annika Richter
Am Dienstagabend (04. September) haben in Köln gleich zwei Konzert-Highlights stattgefunden. Lady Gaga und Coldplay - präsentiert von 1LIVE. Normalerweise würdet ihr an dieser Stelle eine Bildergalerie mit Fotos von den Konzerten finden. Doch durch Fotoverträge wird die Berichterstattung über Konzerte zunehmend erschwert.
Konzertfotografen müssen mittlerweile zum Teil inakzeptable Verträge unterschreiben, wenn sie Fotos von einem Konzert machen wollen, wie im Fall Coldplay: Wer als professioneller Fotograf für Zeitschriften oder Online-Plattformen Fotos der Band machen möchte, muss sämtliche Rechte an den Bildern an Coldplay abgeben. Das heißt im Klartext: Wenn ein Fotograf ein Bild von Chris Martin schießt, kann die Band das als neues Tourplakat nehmen oder auf die Startseite ihrer Homepage stellen. Vielleicht wird es sogar das neue Plattencover - der Fotograf sieht in diesem Fall keinen Cent für sein Foto.
Mehr noch: Der Fotovertrag sieht im konkreten Fall vor, dass die vom Auftraggeber des Fotografen verwendeten Fotos nur bis zu drei Monate lang verwendet werden dürfen. Nach Haltung der 1LIVE-Redaktion ist das ein nicht hinnehmbarer Eingriff in die Berichterstattung.
Bei Lady Gagas Konzerten sind erst gar keine Fotografen zugelassen. Es dürfen nur die Bilder veröffentlicht werden, die ihr eigens engagierter Tourfotograf geschossen hat. Für Bildjournalist Peter Wafzig geht das zu weit: "Sie produziert ein Bild von sich selbst, das sie gerne in der Öffentlichkeit sehen möchte und sorgt dafür, dass die Presse ganz massiv beeinflusst wird."
Der Normalfall ist nach wie vor, dass es keine Fotoverträge gibt und Fotografen ihrer Arbeit nachgehen können. Bei internationalen, aber auch bei deutschen Künstlern kommt es immer häufiger vor, dass die Fotografen in den hinteren Reihen, neben dem Mischpult oder sogar auf der Tribüne platziert werden und jeder Zuschauer aus dem Innenraum bessere Fotos schießen kann. Wer schon öfters auf Konzerten war, dem wird aufgefallen sein, dass die Fotografen in der Regel bei den ersten drei Songs Fotos schießen dürfen. Aber auch das ist lange nicht mehr Standard.
Für die professionellen Fotografen ist es also ein hartes Pflaster vorne am Bühnenrand, sagt Wafzig: "Der Job im Bühnengraben ist natürlich begehrt und die Redaktionen finden immer jemanden, der das macht. Teilweise auch Leute, die das umsonst machen. Da ist der Markt nach unten leider sehr offen." Es hat schon Boykotte von Bildjournalisten gegeben. Die bringen aber tatsächlich nur dann etwas, wenn auch wirklich alle mitmachen. Unterschreibt nur ein Fotograf einen Vertrag, kann er seine Bilder an alle Redaktionen verkaufen. Er macht dann das Geld und alle anderen gehen leer aus. Bildjournalisten überlegen sich also zweimal, ob sie einen Vertrag wie den von Coldplay ablehnen.
Warum gibt es diese Verträge überhaupt? Da geht es auf der einen Seite ums Image und auf der anderen Seite darum, die Bilder zu kontrollieren, die von den Künstlern veröffentlicht werden. In der Regel kommen die Verträge vom Management der Künstler. Der deutsche Bandmanager Sven Hasenjäger hat mal in einem Interview gesagt: "Man möchte auch über Fotos ein Image aufbauen. Schlechte Bilder sind da sehr kontraproduktiv."
Frehn Hawel arbeitet bei einer Veranstaltungsagentur und kennt das Problem. Er versucht, zwischen Management und Fotografen zu vermitteln: "Es ist eigentlich nicht im Sinne des Künstlers. Es ist für die Promotion oder die Pressearbeit für eine Tournee eher hinderlich, wenn man diese Verträge aufsetzt, weil dadurch einfach Berichte wegfallen, die man vielleicht auch braucht, um den Vorverkauf anzukurbeln."
Es ist ein Spannungsfeld zwischen Management, Veranstaltern und Fotografen. Über Facebook und andere soziale Netzwerke bildet sich zunehmend Widerstand gegen die Fotoverträge. Auch Journalistenverbände warnen vor Eingriffen in die Pressefreiheit. Es ist auf der einen Seite durchaus verständlich, dass Bands wissen wollen, wo ihre Bilder veröffentlicht werden. Es muss aber die Frage geklärt werden: Wo hört ein gewisses Maß an Kontrolle auf und wo geht Zensur los?
Stand: 04.09.2012
| 00.00 Uhr | 01.00 Uhr | 02.00 Uhr | 03.00 Uhr | 04.00 Uhr | 05.00 Uhr | 06.00 Uhr | 07.00 Uhr | 08.00 Uhr | 09.00 Uhr | 10.00 Uhr | 11.00 Uhr | 12.00 Uhr | 13.00 Uhr | 14.00 Uhr | 15.00 Uhr | 16.00 Uhr | 17.00 Uhr | 18.00 Uhr | 19.00 Uhr | 20.00 Uhr | 21.00 Uhr | 22.00 Uhr | 23.00 Uhr |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
1LIVE Kassett-endeck 1LIVE Kassett-endeck: Künstler stellen ihr persönliches Mixtape vor | 1LIVE Nacht Musik und Comedy für den Sektor bei Nacht | 1LIVE mit Olli Briesch und dem Imhof Die tägliche, aktuelle Morgen-Show in 1LIVE | 1LIVE Middendorf Abschied zu Pfingsten: Holland vermisst uns schon jetzt, 1LIVE Vorspiel: Bewerbt Euch für das wahre CL-Finale, Ständiger Jobwechsel: Gut für mich? | 1LIVE mit Terhoeven und dem Dietz / 1LIVE Beeck und . . . / 1LIVE mit Freddie und dem Sassenroth Carolin Kebekus live im Studio, Vom Schulabbrecher zu 300 Millionen Dollar: die Geschichte von Tumblr, Warum wirbt Deutschland spanische Jugendliche an? | 1LIVE mit Anika Wiesbeck 1LIVE mit Anika Wiesbeck: Die Themen des Tages im Sektor | 1LIVE Plan B Games: Vorstellung der neuen Xbox, Musik: Ortstermin mit CHVRCHES, Neue Folge des Popdolmeters, Sektorevents | 1LIVE Sound-stories 1LIVE Sound-stories: Hörspiele und Features: Wirklichkeiten neu montiert Die Welt ist eine Pudel Von Charlotte Knothe Regie: die Autorin bis 24:00 Uhr | ||||||||||||||||
Seite empfehlen:
Datensicherheit ist uns wichtig. Deshalb hier der Hinweis: Solltet ihr diese Felder per Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google übertragen. Klickt auf das "i" und erfahrt mehr darüber.
Möchtest du deine Einstellungen speichern?
Über Social Bookmarks