Skiplinks / Sprungmarken


Sie befinden sich hier: WDR.de 1LIVE Musik Endlich erwachsen







INTERVIEW

Endlich erwachsen

Fettes Brot im 1LIVE-Interview

Von Manuel Möglich

Mitten in St. Pauli befindet sich in einem x-beliebigem Hinterhof das nicht weniger unscheinbare Studio von Fettes Brot. Hier schmücken keine Goldenen Schallplatten die Wände, sondern ein auf riesige Postergröße hochgezogener Mahnbescheid der Stadt Erlangen. Darauf steht, dass es Fettes Brot aufgrund eines christlichen Feiertages untersagt wird, Songs mit gewaltverherrlichenden, -verharmlosenden oder sexuellen Inhalt wie zum Beispiel "Schwule Mädchen" oder "Bettina, zieh dir bitte etwas an" zu spielen. Der Wisch verfehlte damals die gewünschte Abschreckwirkung.

1LIVE nimmt das Erscheinen der beiden Best-Of-Live-Alben "Fettes" und "Brot" zum Anlass, um König Boris, Doktor Renz und Björn Beton in Hamburg einen Besuch abzustatten und einen Blick zurück und nach vorne zu werfen.

Cover "Fettes", Rechte: Fettes Brot Schallplatten GmbH Bild vergrößern

Teil 1 der beiden Best-Of-Alben

1LIVE: In zwei Jahren wird Fettes Brot 20. Kommt euer Best-Of-Album nicht etwas zu früh?

König Boris: Seit wir unser 10-Jähriges gefeiert haben, haben wir beschlossen, auf keinen Fall mehr irgendwelche Daten zu zelebrieren. Das macht einen so schrecklich alt und irgendwie auch uncool.

Björn Beton: Wir sind volljährig geworden, dass heißt wir dürfen jetzt Auto fahren und wählen gehen. Und rauchen in der Öffentlichkeit. Und machen was wir wollen. Da sind wir auf die Idee gekommen mit dem Best-Of-Album.

1LIVE: Warum überhaupt zwei Platten an einem Tag? Guns N' Roses haben das ja auch mal gemacht...

Björn Beton: Und die Beatles auch. Es ist quasi wie Marx, Engels und Lenin. In dem Größenwahnsinn leben wir und deswegen bringen wir "Fettes" und "Brot" raus.

Cover "Brot", Rechte: Fettes Brot Schallplatten GmbH Bild vergrößern

Teil 2 der beiden Best-Of-Alben

1LIVE: Mit Guns N' Roses ging es nach den beiden "Use Your Illusion"-Platten karrieretechnisch bergab.

König Boris: Unsere Steuerberaterin hat es gesagt: "Dieses Album war übernotwendig."

Doktor Renz: Ich möchte da hinzufügen, dass unsere Steuerberaterin das nicht im Sinne ihres Berufes meinte, sondern im Sinne eines Fans, der lange drauf gewartet hat, dass es endlich Fettes Brot live auch für zu Hause gibt.

1LIVE: Ihr seid seit den frühen 90ern am Start. Viele eurer damaligen Kollegen sind Geschichte. Warum habt ihr es geschafft?

König Boris: Einmal natürlich, weil wir saugut sind und total sympathisch. Aber was für uns gut war, ist, dass wir immer eine Band waren die zwischen den Stühlen saß. Die immer schon so ein bisschen aneckte. Damals, als der große HipHop-Boom war, da waren wir ein bisschen die HipHop-Stiefkinder. Nicht cool genug, nicht hart genug, nicht HipHop genug. Wir haben uns das nie nehmen lassen, musikalisch ein paar Ausflüge zu wagen und andere Sachen auszuprobieren. Irgendwie haben wir es geschafft ein eigenes Musikgenre zu gründen: Fettes-Brot-Musik. Deshalb gibt es uns noch.

Fettes Brot, Rechte: Fettes Brot Schallplatten GmbH Bild vergrößern

HipHop gehört weiterhin zu Fettes Brot

1LIVE: Spielt HipHop und Rap für euch heute noch eine Rolle?

Björn Beton: Ich kann nicht sagen, dass in der Musik die wir machen, HipHop nicht wichtig ist. Das steckt da auch überall drin. Ohne HipHop und Rap würde es Fettes Brot heute überhaupt nicht geben. Nur HipHop hat uns damals erlaubt als Nichtskönner Musik machen zu dürfen. Wir sind mit der Zeit natürlich versierter und besser geworden.

1LIVE: Früher standet ihr zu dritt mit einem DJ auf der Bühne, heute habt ihr eine achtköpfige Band dabei. Wie kam es dazu?

Björn Beton: Früher, als wir nur mit DJ unterwegs waren, waren wir tatsächlich eher skeptisch was eine Live-Band angeht. Aber wir haben über die Jahre hinweg eben die richtigen Leute angesammelt, die das so machen, wie wir uns das vorstellen. Es entstehen ganz viele Sachen bei den Proben und die Möglichkeit zu haben, aus "London Calling" dann "Hamburg Calling" zu machen, ist für uns Musikliebhaber eine totale Befreiung.

Fettes Brot, Rechte: Fettes Brot Schallplatten GmbH Bild vergrößern

Fettes Brot können sich auch Solo-Projekte vorstellen

1LIVE: Ihr seid über die Jahre und mit eurem Erfolg zu einer Band für Jung und Alt geworden. Das hättet ihr damals wahrscheinlich nicht so toll gefunden.

Doktor Renz: Wir wissen es sehr zu schätzen, dass auch sehr junge Menschen unsere Musik mögen. Also wenn es Diskussionen über "Schwule Mädchen" im Kindergarten gab, dann waren das absolute Highlights für uns. Obwohl wir früher sicher gesagt hätten, wir wollen keine Band für die ganze Familie sein, weil man natürlich selbst das Gefühl kennt Musik hören zu wollen, mit der man sich ganz bewusst von den Eltern abgrenzen kann. Aber anscheinend hat sich da Generationsmäßig was verändert. Wenn ich mit meinem Sohn auf einem Peter Fox Konzert bin, mögen wir das beide. Obwohl ich mir sicher bin, dass er irgendwann auch mal Musik hören will, die ich echt Scheiße finde. Am Anfang war es definitiv etwas das auch unsere HipHop-Kollegen als negativen Aspekt von Fettes Brot betrachtet haben. Dass da die jungen Mädels ins Konzert gekommen sind.

Fettes Brot, Rechte: Bild vergrößern

Fettes Brot machen das alles nur wegen den Mädchen

1LIVE: Fängt man mit dem Musik machen nicht gerade erst wegen der Mädchen an?

König Boris: Warum macht man den Scheiß sonst! Heute sind sie neidisch.

Björn Beton: Die waren damals zu dumm und haben es nicht gemerkt. Reingefallen!

König Boris: Schlechtgelaunte Männer in der ersten Reihe, dann doch lieber ein paar ekstatische junge Mädchen.

Doktor Renz: Sehr gewundert habe ich mich allerdings über diese Oma. Eine 85-jährige Dame in der ersten Reihe und wir haben kein Enkelkind dazu entdecken können. Sie war alleine da. Wir dachten als Begleitung von ihren Verwandten mag das Sinn ergeben, aber sie war alleine da.

König Boris: Sie hatte richtig Spaß und war mit purer Absicht auf einem Konzert von uns. Das war wirklich phänomenal.

1LIVE: Könnt ihr euch vorstellen in der Zukunft Solo-Projekte neben Fettes Brot zu machen?

Doktor Renz: Also ich glaube, dass wir alle vielleicht mal was abseits der Band machen können. Ich kann mir das vorstellen. Wann der Zeitpunkt ist, wissen wir noch nicht. Was ich von vorneherein gerne ausschließen möchte, ist, dass es danach nicht wieder zu einer neuen Fettes Brot Platte kommt. Dass ist ja das entscheidende. Es gibt jedenfalls Bands wie Die Ärzte, die fallen mir als Beispiel von Leuten ein, die immer noch 20 Jahre älter sind als wir. Die haben das jedenfalls immer gut hingekriegt, sowohl Solo-Projekte als auch gemeinsame Platten zu verwirklichen. So könnte ich mir das auch bei uns vorstellen.

Alle Interviews von A bis Z


Stand: 18.02.2010

PLAYLIST AKTUELL

Uhrzeit 09:20:59Uhr
InterpretBoogie Pimps
Titel"Somebody to love (Salt Shaker Remix)"
Uhrzeit 09:13:49Uhr
InterpretRobbie Williams feat. Ga
Titel"Shame"

LOVEPARADE 2010

Die Tragödie von Duisburg

Trauertafel für die Loveparade-Opfer von Duisburg; Rechte: dpa

Bei der Loveparade in Duisburg starben 21 Menschen. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt. [Special]


1LIVE MUSIKVIDEOS

Exklusive 1LIVE Konzerte

Jack Johnson; Rechte: WDR/Binnewies

Von Fanta 4 bis Jack Johnson. [Videos]


PLATTENCHECK

Reingehört

Local Natives: "Gorilla Manor"; Rechte: Pias

Meilenstein oder kurzer Hype? Die Musikredaktion stellt die neuesten Platten vor. [mehr]


KONZERT-GALERIEN

Stars in Action

Die Fantastischen Vier; Rechte: WDR/Becker

Bildergalerien von 1LIVE-Konzerten im Sektor. [mehr]


WAHRE HELDEN

1LIVE Wahre Helden

Johnny Cash; Rechte: dpa

Wir porträtieren in der Serie "Wahre Helden" Menschen, die die Popkultur maßgeblich beeinflusst und mitgeprägt haben. [mehr]


TERMINE

Feiern im Sektor

1LIVE Party; Rechte: WDR

Regelmäßig schlägt 1LIVE in verschiedenen Orten im Sektor auf und feiert mit euch. Alle Infos und Bilder von den 1LIVE-Partys gibts hier. [Termine]



Skyline Mediapark mit 1LIVE Logo; Rechte: 1LIVE/WDR

Startseite WDR.de

1LIVE/WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.

©WDR 2010