Skiplinks / Sprungmarken


Sie befinden sich hier: WDR.de 1LIVE Musik Der Mann im Hintergrund







KASSETTENDECK

Der Mann im Hintergrund

Sam Fogarino von Interpol

Von Laura Scheiter

Sam Fogarino ist der Mann, von dem man bei Interpol auf der Bühne oft nur die glühende Zigarette sieht. Als Schlagzeuger steht er zwar weniger im Vordergrund als seine Bandkollegen, scheint dafür aber lieber Interviews zu geben. Das 1LIVE Kassettendeck hat ihm großen Spaß gemacht: "Das stelle ich mir unter Promotion vor", sagt er zum Abschied. Wer Sam Fogarinos derzeitige Lieblingsbands sind und bei welchen Begegnungen er selbst als Rockstar noch schwach wird, erfahrt ihr im 1LIVE Kassettendeck...

Sam Fogarino, Rechte: EMI/Sumner Dilworth Bild vergrößern

Sam Fogarino

Interpol-Schlagzeuger Sam Fogarino ist mit Abstand der Älteste in der Band. Aus dem Grund hat er sich für das 1LIVE Kassettendeck auch augenzwinkernd mit Vorliebe Songs ausgesucht, die "nicht sein Alter verraten". An einige seiner älteren Helden erinnert er sich trotzdem gern: Von den Treffen mit David Bowie und Chuck D. von Public Enemy erzählt er mit großer Verehrung. Sam hat den Ruf, das zugänglichste Mitglied von Interpol zu sein, was nicht zuletzt seiner selbstironischen Art zu erzählen zu verdanken ist. Sam Fogarino könnte sicherlich spannende Geschichten aus seinen alten Tagen als Punkrocker zum Besten geben, aber das 1LIVE Kassettendeck beweist zumindest zwei Dinge: Erstens, dass er sich sehr gut in aktueller Musik auskennt und zweitens, dass viele seiner Freunde ebenfalls in coolen Bands spielen. Und wer hätte gedacht, dass Interpol-Sänger Paul Banks ein HipHop-Fan ist?

Von Südenfed: "The Rhinohead"

Sam über Von Südenfed

Wir fangen an mit Von Südenfed, also, der Band von Mark E. Smith von The Fall zusammen mit Mouse On Mars, mit dem Song "The Rhinohead". Der Song hat einerseits diese klare Elektronik-Ästhetik, aber andererseits auch diesen Wall-Of-Sound-Sixties-Vibe. Es ist einer der seltenen Momente, wo Mark E. Smith mal eine Melodie singt. Das ist eingängig, ohne meine Intelligenz zu beleidigen. Er verarscht in dem Song irgendwas, aber was, weiß ich auch nicht.

Deerhunter: "Spring Hall Convert"

Sam über Deerhunter

Weiter geht's mit einer relativ neuen Band namens Deerhunter, mit ihrem Song "Spring Hall Convert". Dieser Song fasziniert mich, weil er beispielhaft für einen bestimmten Gitarrensound ist, den ich sehr mag, also intelligenten Rock, wie ihn z.B, die Pixies machen. Allerdings haben Deerhunter schon ihren eigenen Stil. Ich habe die Band übers Internet entdeckt, was ich in den letzten Jahren fast zwangsweise immer öfter getan habe. Wenn man so viel unterwegs ist wie ich, geht man nicht in jeden Plattenladen. Das muss auch nicht immer sein, wenn sich mein Alltag sowieso 24 Stunden lang um Musik dreht. Aber mich hat eine ganze Weile lang keine Band so berührt wie Deerhunter.

Blonde Redhead: "23"

Blonde Redhead, Rechte: 4AD/Josh Rothstein Bild vergrößern

Blonde Redhead

Song Nummer drei kommt von lieben Freunde von mir: Blonde Redhead mit "23". Neulich war ich mit Amadeo und Kazu von Blonde Redhead essen. Wir haben über die Band Shellac geredet und darüber, dass sie immer in so komischen Läden spielen. Ich habe sie mal in einem Jazz-Club in New York gesehen, der heißt "SOB's", das steht für "Son of a Bitches".  Normalerweise verirrt sich nie eine Rockband dorthin. Aber dieses Shellac-Konzert war eines der besten, das ich je in New York gesehen habe. Beim Rausgehen habe ich Kazu von Blonde Redhead gesehen, ich kannte sie zwar nicht, habe sie aber erkannt. Ich habe zu ihr gesagt: "Ich finde deine Band echt super" und bin weitergegangen. Beim Essen neulich habe ich ihr die Geschichte dann erzählt, und sie hat gesagt: "Ich glaube dir kein Wort!" Und ich hab geantwortet: "Doch, du hattest diesen dicken Daunenmantel an." Amadeo von Blonde Redhead hat das bestätigt und gemeint: "Das kann gut sein." "23", der Titeltrack von ihrem neuen Album, macht mich fertig. Ich spiele ihn, wenn ich auflege, und ich höre ihn zuhause. Wiederum hat er genau diese Atmosphäre, diese faszinierende Melodie und diesen treibenden Rhythmus. Und genau das macht Blonde Redhead aus.

Shellac: "Dog And Pony Show”

Sam über Shellac

Wenn wir schon gerade über Shellac geredet haben, nehme ich sie jetzt in meine Liste auf. Einer meiner Lieblingssongs von ihnen ist "Dog And Pony Show". Es ist schwierig, so einen dichten Rock'n'Roll-Sound hinzubekommen, ohne dass es unangenehm wird oder billig klingt. Und dabei haben Shellac noch so einen großartigen Humor: Steve Albini ist so witzig! Er erzählt bei Konzerten immer tolle Geschichten und macht mit dem Publikum so ein Frage-Antwort-Spiel. Die Leute fragen dann immer absichtlich die bescheuertsten Fragen, wie "Steve - die Beatles oder Elvis?" Und er sagt dann so was wie: "Keiner von beiden" und spielt weiter. Das ist der genaue Gegensatz zu dem, was ich musikalisch mache: Diese Veteranen sind so unprätentiös und bescheiden. Das ist wirklich erfrischend zu sehen. Sie könnten es sich auch leisten, das mit der Band sein zu lassen, aber sie tun es eben nicht, also: Respekt für sie!

My Bloody Valentine: "Honeypower”

Sam über My Bloody Valentine

Ich zwinge hier dem Publikum in Berlin meinen Musikgeschmack auf... Moment Mal, wir sind ja gar nicht in Berlin. Das sollte man nicht verwechseln, oder? Mein nächster Song ist von My Bloody Valentine. Ich glaube nicht an die Idee mit der einen Sache für die einsame Insel. Wenn du auf einer einsamen Insel festsitzen würdest, würde dir dein Lieblingsbuch schnell nichts mehr bedeuten. Oder auch dein Lieblingssong oder Film: Wenn du nach zwei Monaten irgendwo allein rumsitzt, ist eh alles Scheiße. Dann zählt auch Kunst nicht mehr. Aber wenn ich mir tatsächlich eine Band aussuchen müsste, würde ich My Bloody Valentine mit auf die Insel nehmen. Mein Lieblingssong von ihnen findet bei anderen My-Bloody-Valentine-Fans kaum Beachtung. Er heißt "Honeypower". Atmosphärisch und melodisch ist er ganz weit vorn. Man kann mit Sicherheit sagen, dass seit den Beatles keine Band die moderne Musik so beeinflusst hat wie My Bloody Valentine.

Public Enemy: "Miuzi Weighs A Ton"

Public Enemy, Rechte: dpa Bild vergrößern

Public Enemy

Wenn wir schon die älteren Sachen durchgehen, muss ich jetzt mal auf HipHop umschwenken. Eine Band, die einen großen Einfluss auf Musik hatte, ist Public Enemy. Früher ging es im HipHop nur darum, wie schlecht oder cool ein Rapper ist im Vergleich zu anderen. Chuck D. von Public Enemy hat damit Schluss gemacht und hat über intelligente Sachen gerappt, über die Kultur der Schwarzen in Amerika, über die Politik im Land oder in den Medien, also Themen, die immer aktuell sind. Seine Stimme ist dabei ein goldener Bariton. Ich habe Chuck D. auch mal getroffen, da standen aber tausend Leute um ihn rum. Das war das einzige Mal, dass ich die "Ich bin Sam von Interpol"-Nummer abgezogen habe, weil ich mehr wollte als ihm mal die Hand zu schütteln. Und siehe da: Er kannte Interpol! Er hat mir sogar seine Visitenkarte gegeben, aber ich hab ihn nie angerufen, weil ich nicht wusste, was ich ihm sagen soll. Bestimmt nicht: "Alles Gute zum Geburtstag, Chuck". Oder: "Frohe Weihnachten". Unser Sänger Paul steht total auf HipHop. Sowohl auf den klassischen Kram als auch auf abgefahrenes Zeug. Das spielt er mir dann vor und ist für mich eine nette Erweiterung meiner musikalischen Palette.

Spoon: "You Got Yr. Cherry Bomb"

Sam über Spoon

Eine Band, mit wir vor ein paar Jahren durch Europa getourt sind, ist Spoon. Ihr neues Album ist ihr bestes bisher. Der Song "You Got Your Cherry Bomb" greift wieder auf Sixties-Vibe zurück, für den ich eine echte Schwäche habe. Besonders, wenn er von Spoon kommt. Diesen Song kann man kaum nicht mögen. Wer für so etwas offen ist, wird von Spoon eingesogen.

Yeah Yeah Yeahs: "Downboy"

Sam über Yeah, Yeah, Yeahs

Als nächstes kommen die Yeah Yeah Yeahs. Ihre "Is Is"-EP ist für mich das Beste, was sie bisher gemacht haben. Der Song "Downboy" ist faszinierend. Als ich den Song zum ersten Mal gehört habe, hatte ich das Video dazu gesehen, was das Erlebnis nur noch besser gemacht hat. Karen O ist eine mitreißende Künstlerin und Brian, der Drummer, spielt fast so elegant als würde er tanzen. Der Song ist fantastisch, ein echter Stampfer.

David Bowie: "Fame"

David Bowie, Rechte: dpa Bild vergrößern

David Bowie

Nick, den Gitarristen der Yeah Yeah Yeahs, kenne ich schon sehr lange, aus der Zeit, in der er in fünf verschiedenen New Yorker Bands gespielt hat. Der nächste Song geht zurück in Zeiten, in denen Nick noch nicht mal geboren war. Es ist einer meiner Lieblingssongs aller Zeiten: "Fame " von David Bowie. Den Song habe ich als Kind zum ersten Mal gehört. Damit war Bowie bei einer Fernsehshow aufgetreten. Als ich ihn vor ein paar Jahren getroffen habe, erzählte ich ihm, wie ich damals diese Show gesehen habe. Und David meinte, ich sollte jetzt wohl besser gehen, weil ich ihn dran erinnern würde, wie alt er sei. Das meinte er aber natürlich nicht ernst. So eine Selbstironie ist schon toll, und als er mir dann auch noch auf die Schulter geklopft hat, bin ich fast geschmolzen. Ich hab gedacht: "Okay, jetzt kann ich in Rente gehen." Bowie ist echt ein toller Typ. Und es ist der Wahnsinn, wie viele tolle Songs er in drei Jahrzehnten geschrieben hat. Aber "Fame" ist noch einmal was Besonderes.

TV On The Radio: "Wolf Like Me"

Sam über TV on the Radio

Die nächste Band sind wieder Freunde aus New York. Wir haben unsere Proberäume mal im gleichen Haus mit den großartigen Typen von TV On The Radio gehabt. Ihr ganzes Album "Return To Cookie Mountain" ist trotz seines blöden Titels unglaublich. "Wolf Like Me" ist das Highlight darauf, weil er zeigt, worum es der Band geht. Einfach so viele Popgenres zu mischen und daraus etwas ganz Eigenes zu machen. Und es sind die nettesten und talentiertesten Jungs, die man sich vorstellen kann. Ihr Drummer Jeleel ist der bestaussehendste Mann der Welt. Das macht mich sehr wütend, ein Mann hat einfach kein Recht, so gut auszusehen und so talentiert zu sein. Und ich bin stock-hetero! Ich will mir gar nicht vorstellen, was er bei einer Frau oder bei einem schwulen Mann auslöst.

Fugazi: "Bed For The Scraping"

Sam über Fugazi

Ich beende die Show mit Fugazi. Der Song ist für unseren Gitarristen Daniel. Es ist nicht Daniels Lieblingssong von Fugazi, aber dafür meiner. Er hat eines der tollsten Zusammenspiele von zwei Gitarristen aller Zeiten... Nein, Quatsch. Daniel kommt aus dieser Washington-Punkrockszene, die von Fugazi geprägt worden ist. Das hat uns in der Art beeinflusst, wie wir arbeiten, also zum Beispiel, dass wir nett zu den Leuten sind, die für und mit uns arbeiten. Das hat auch einen Einfluss auf uns als Band, bei Fugazi war jedes Bandmitglied wichtig, und ohne jeden einzelnen wären Fugazi nicht das gewesen, was sie waren.

Stand: 04.02.2008

PLAYLIST AKTUELL

Uhrzeit 16:07:49Uhr
InterpretAmy MacDonald
Titel"Don't tell me that it's over"
Uhrzeit 16:04:27Uhr
InterpretFranz Ferdinand
Titel"No You Girls"

EUROVISION 2010

Unser Star für Oslo

Logo; Rechte: NDR

Die ARD und damit auch 1LIVE suchen gemeinsam mit ProSieben "Unseren Star für Oslo". [Special]


AKTION

Gewinne für's Leben

Schuh; Rechte: WDR, Schenk

Schokolade, Jeans, Cabriolet... 1LIVE schenkt Lebensrationen. Anrufen! [Gewinnen]


PLATTENCHECK

Reingehört

Plattenbau in Berlin; Rechte: dpa/Jens Wolf

Meilenstein oder kurzer Hype? Die Musikredaktion stellt die neuesten Platten vor. [mehr]


KONZERT-GALERIEN

Stars in Action

Jan Delay live; Rechte: WDR/von der Heiden

Bildergalerien von 1LIVE-Konzerten im Sektor. [mehr]


POPZEUGEN

1LIVE Popzeugen

Mitbewohner der Ramones; Rechte: privat

Die Welt des Pop dreht sich schnell. Wir haben die Menschen getroffen, die live dabei waren. [mehr]


TERMINE

Feiern im Sektor

1LIVE Party; Rechte: WDR

Regelmäßig schlägt 1LIVE in verschiedenen Orten im Sektor auf und feiert mit euch. Alle Infos und Bilder von den 1LIVE-Partys gibts hier. [Termine]



Skyline Mediapark mit 1LIVE Logo; Rechte: 1LIVE/WDR

Startseite WDR.de

1LIVE/WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.

©WDR 2010