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PLATTENCHECK
Von Marcel Anders
Sechs Jahre war José-Manuel Thomas Arthur Chao, besser bekannt als Manu Chao, wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt meldet sich der kleine Franzose mit einer großen gesellschaftlichen Vision und einem schrulligen Ethno-Album zurück.
Als er sich Ende 2001 entschied, eine Auszeit vom Musikgeschäft zu nehmen, da hatte der Sohn spanischer Bürgerkriegsflüchtlinge so ziemlich alles erreicht. In Frankreich galt er als Volksheld, der mit seiner ersten Band Mano Negra den schrillen Sound der Pariser Ghettos mit Punkrock und sozialistischen Botschaften kombinierte. Als Solist landete er mit dem Song "Bongo Bong" (später gecovert von Robbie Williams) einen Welthit und avancierte zum größten Popstar Mittel- und Südamerikas.
Genau da hat Manu die letzten Jahre verbracht. Mit seiner Backingband Radio Bemba tourte er durch die Bars, Clubs und Stadien zwischen Montevideo und Caracas, wurde zum Liebling der "roten" Staatschefs von Castro, Chavez bis Morales und schloss sich den Zapatista an. Nebenher produzierte er befreundete Künstler wie Amadou & Mariam, schrieb ein Kinderbuch, gründete einen Radiosender und suchte sein ganz persönliches Paradies – das er nie gefunden hat.
Weshalb Manu nun seine eigene Traumwelt kreiert. Auf "La Radiolina" ("das kleine Radio") schlägt er eine kulturelle Brücke zwischen Afrika, Europa und Südamerika, mixt Folk, Blues, Punk und Pop mit Tex Mex, Rai, Merenge, Salsa, Flamenco, Latin-Sounds und karibischem Flair. Wobei er mal alles kunterbunt zusammenwürfelt, mal betont bodenständig und traditionalistisch ist und mal einfach nur temporeichen New-Wave-Rock serviert. Ein spannender Multikulti-Sound, wobei viele der 16 Stücke nur kurze Fragmente von ein- bis zweiminütiger Spieldauer sind – und somit allenfalls als Lückenfüller durchgehen. Oder sie erweisen sich als Alternativ-Versionen der ersten Single "Rainin' In Paradise", die Manu gleich in drei Fassungen aufgenommen hat.
Manu Chao: "La Radiolina"
(Because/Warner)
VÖ: 31. August 2007
Dabei pendelt der Weltenbummler zwischen Französisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch und Englisch – letzteres mit witzigem Akzent, der im krassen Gegensatz zur brisanten politischen Botschaft steht. Denn hinter den süßen, verspielten Melodien von "La Radiolina" verbirgt sich geballte Anarchie. Manu bezeichnet Politiker als korrupte Parasiten, fordert Freiheit und Gleichheit für jedermann, wettert gegen Großkapital, multinationale Konzerne und Waffenlobby, verteilt verbale Ohrfeigen an Bush samt Blair und fordert eine neues Zeitalter der Vernunft. Natürlich mit sozialistischen Zügen. Che Guevara wäre stolz auf ihn.
Stand: 31.08.2007
