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1LIVE PLATTENCHECK
Von Marcel Anders
Es gibt Dinge, die passen nicht zusammen. Etwa fette Umsatzgewinne einfahren, aber Mitarbeiter aus Kostengründen entlassen. Oder drakonischen Sparkurs predigen und gleichzeitig die eigenen Bezüge erhöhen. Auch Lenny Kravitz ist nicht frei von Zweifeln: Auf seinem achten Epos wettert der 43-Jährige gegen die Politik der Bush-Regierung, den Promi-Kult sowie den allgemeinen Konsumrausch – lebt aber selbst den geballten Jetset.
Ginge es nach dem dreadgelockten Sänger und Gitarristen, dann müssten wir alle bodenständiger, bescheidener und besonnener sein, unseren Nächsten lieben und unsere Zukunft durch mehr Verantwortungsbewusstsein gestalten. Was leicht gesagt ist. Gerade von jemandem, der vorzugsweise im Privatjet reist, sich von seinem eigenen Koch verwöhnen lässt sowie nebenher als Edel-Designer für genau die Klientel auftritt, der er haltlose Maßlosigkeit vorwirft. Ein klaffender Widerspruch.
Und doch: In seinen Songs wirkt Kravitz sehr überzeugend. Da gibt er den großen Rock-Revoluzzer à la John Lennon, Jimi Hendrix und Jim Morrison, serviert einen dreckigen, rauen Parcours aus Garagenrock, blumiger Psychedelia, knackigem Funk nebst eingängigem Pop und zitiert ganz hemmungslos die Beatles, Small Faces, Chili Peppers oder auch Lou Reed. Ein Sammelsurium aus Referenzen, bei denen eigentlich nichts schief gehen kann. Zumal Kravitz das Ganze mit kämpferischen Texten würzt, die sich mal gegen den Irak-Krieg ("Back In Vietnam"), Erderwärmung und Umweltzerstörung ("If You Want It") sowie grassierende politische Lethargie ("Love Revolution") richten.
Lenny Kravitz
"It Is Time For A Love
Revolution"
Virgin/EMI/Capitol
VÖ: 01.02.08
Alles engagiert und gut, wären da nicht zwei Stücke, die komplett aus dem Rahmen fallen. Allen voran "Dancin' Till Dawn", das von feucht-fröhlichen Nächten mit adretten Ladys handelt, und so gar nichts vom anarchisch-subversiven Spirit der übrigen Tracks hat. Dasselbe gilt für die schmachtende Streicherballade "I'll Be Waiting", die von der andauernden Suche nach der Liebe seines Lebens handelt. Ausgerechnet diesen Song als Single auszukoppeln, stellt dann auch den Anspruch des gesamten Werks in Frage. Eben: Ist das Revoluzzer-Ding letztlich nur eine Masche, um Frauen abzuschleppen und Kohle zu scheffeln? Die Antwort weiß nur Herr Kravitz, und der hinterlässt mit "It Is Time For A Love Revolution" ein solides Retro-Rock-Album. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Mission: LiebeLenny Kravitz im 1LIVE-Interview
Die aktuellen Plattenchecks
Offizielle HomepageStand: 30.01.2008
