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PLATTENCHECK
Von Uli Steinkrüger
Kettcar-Sänger Markus Wiebusch und Kollege Olli
Schulz schwärmen schon länger von Gisbert zu Knyphausens
Qualitäten. Ja, der Name klingt nicht nur eindrucksvoll, er
ist echt.
In den letzten Jahren hatte sich in Hamburg herumgesprochen, dass da ein neues Talent unter den Singer/Songwritern der Stadt heranreift. Unter der Hand wurde Gisberts Demo herumgereicht und nicht nur beim Kettcar-Label Grand Hotel van Cleef war er im Gespräch. Und Olli Schulz bat ihn, im Vorprogramm seiner Tour aufzutreten.
Dass es einmal so weit kommt, war nicht unbedingt abzusehen. Gisbert wächst behütet in der Nähe von Wiesbaden auf. Seine Eltern betreiben ein Weingut. Um der ländlichen Enge des Rheingaus zu entkommen landet Gisbert mit Umwegen über Berlin und Holland schließlich in Hamburg. Nach Erfahrungen in diversen Bands beschließt er, es künftig alleine zu versuchen. Bevor die ersten Angebote für einen Plattenvertrag kommen, nennt ihn die "Süddeutsche Zeitung" noch "den interessantesten ungesignten Songwriter der Nation", und Gisbert zögert. Er ist sehr selbstkritisch und eher bescheiden und ist sich nicht sicher, ob er sich überhaupt schon reif genug fühlt, ein Album zu machen. Das Texten zum Beispiel macht ihm unheimlich Mühe. "Ja, das ist echt ein riesiger Kampf. Ich muss mich immer zwingen. Bei den Liedern kam es dann immer irgendwann zu dem Punkt, wo ich gedacht habe: 'Okay, jetzt hörst du auf, darüber nachzudenken und das Lied ist jetzt fertig.' Und den Punkt muss ich immer wieder erreichen und drum kämpfen, dass ich den erreiche. Weil ich denke, das ist ja totaler Mist. Man muss einfach irgendwann den Punkt finden und sagen: 'So, scheiß doch drauf!'"
Gisbert zu Knyphausen: "Gisbert zu
Knyphausen"
(Omaha/ PIAS/ Rough Trade)
VÖ: 25. April 2008
Aber egal, ob Gisbert von geteilter Einsamkeit singt, von
Beziehungsangst oder vom Saufen: Seine autobiografischen Songs
wirken vor allem authentisch. Dem etwas strubbeligen,
kettenrauchenden Gisbert zu Knyphausen nimmt man die immer etwas
melancholischen Songs einfach ab, die manchmal wütend sind und
manchmal etwas trotzig. Und weil er dem Begriff als
deutschsprachiger Sänger nicht aus dem Weg gehen kann, hat er
sich sogar damit abgefunden, Liedermacher genannt zu werden.
"Am Anfang habe ich mich sehr dagegen gewehrt. Weil ich
dachte: 'Liedermacher, damit habe ich doch gar nix am Hut. Und
ich will nicht irgend so ein Reinhard Mey sein.' Aber je
länger ich darüber nachgedacht habe finde ich es auch
nicht so ein negatives Wort. Irgendwie denkt man dann schnell:
'Och so'n altbackenes Zeug oder wie auch immer.' Aber
im Prinzip heißt ja Liedermacher nur: Singer/Songwriter. So
kann man es auch sehen. Dass es einfach nur eine Bezeichnung ist
für jemand, der seine Texte loswerden will und dazu auf der
Gitarre klampft."
Stand: 06.05.2008
